Kanton Zürich

Jüdische Schulen bieten zu wenig Fremdsprachenunterricht an

Jüdische Schulen erreichen die kantonalen Lernziele nicht. (Symbolbild)

Jüdische Schulen erreichen die kantonalen Lernziele nicht. (Symbolbild)

Die Zürcher Bildungsdirektion hat überprüft, ob die Schulen und Kindergärten der orthodoxen jüdischen Gemeinden im Kanton die Lernziele erreichen. Einzelnen dieser privaten Bildungsstätten wurden nun Auflagen gemacht. Sie erteilen etwa zu wenig Fremdsprachenunterricht oder Sport.

Damit Privatschulen im Kanton Zürich eine Bewilligung erhalten, müssen sie den Unterricht so gestalten und organisieren, dass die Ziele des Lehrplans erreicht werden können. Sie müssen eine gleichwertige Bildung vermitteln wie die öffentliche Volksschule.

"Es geht darum, dass die Schulen den Anschluss an die öffentlichen Bildungsinstitutionen gewährleisten", sagte Marion Völger, Chefin des Zürcher Volksschulamtes, am Freitag gegenüber der Nachrichtenagentur sda. Bei der Überprüfung sei es nicht darum gegangen, eine Schule zu schliessen, sondern um die Gleichbehandlung aller privaten Schulen.

Weitere Verbesserungen nötig

Bereits 2009 - nach der Inkraftsetzung des HarmoS-Konkordats - waren den orthodoxen jüdischen Schulen in Zürich Auflagen gemacht worden. "Man sah damals, dass einige von ihnen nicht in genügendem Umfang lehrplanorientiert unterrichteten", sagte Völger. Im Rahmen der Aufsicht seien den Schulen auch Fristen gesetzt worden.

Die erneute Überprüfung zeige nun, dass in vielen Schulen deutliche Verbesserungen gemacht worden sind, etwa bei der Ausbildung der Lehrpersonen, sagte Völger. Einzelne Schulen bieten aber immer noch keinen Französisch- oder Englischunterricht sowie zu wenig Sportlektionen an, wie die Bildungsdirektion in einer Mitteilung schreibt.

Beim Fach Mensch und Umwelt bestehe zudem Optimierungspotenzial. Die Bildungsdirektion hat den betreffenden Schulen deshalb weitere Auflagen erteilt. Bis zum Schuljahr 2017/18 haben sie Zeit, diese zu erfüllen.

Religiöse Schwerpunkte sind erlaubt

Kritisiert wird gemäss Völger der Umfang und nicht die Art und Weise wie unterrichtet wird. "Im Grossen und Ganzen erfüllen die überprüften Schulen und Kindergärten die Lernziele", sagte die Chefin des Volksschulamtes. Es sei den Schulen und Kindergärten auch erlaubt, religiöse Schwerpunkte zu setzen.

Die jüdischen Schulen hätten im Kanton Zürich eine lange Tradition, sagte Völger. Insgesamt gibt es fünf Schulen und vier Kindergärten. Sie befinden sich alle in der Stadt Zürich. Wie viele überprüft wurden, gab das Volksschulamt nicht bekannt. "Wir kontrollieren nur bei Verdacht, dass die Lernziele nicht erreicht werden."

Beurteilt wurden die jüdischen Schulen im letzten Jahr vom Institut für Bildungsevaluation der Universität Zürich, dem Institut für Mehrsprachigkeit der Universität Freiburg und der Pädagogischen Hochschule Zürich. Sie führten in den Fachbereichen Deutsch, Mathematik, Fremdsprachen sowie Mensch und Umwelt Prüfungen durch.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1