iPhones machen süchtig», sagt Jonathan Mariampillai. Immer mehr Menschen organisieren ihr Alltagsleben damit und füttern die handlichen Telefon-Computer mit Daten und Informationen, auf die sie nicht mehr verzichten wollen oder können. Die Folge: «Die Leute lieben dieses Gerät wie ihre Gesundheit.» Auf dieser Erkenntnis beruht die Geschäftsidee, mit der Mariampillai ein rasant wachsendes Unternehmen gründete: die Mobil Klinik GmbH.

Mariampillai war gelernter Kellner und hatte in der Gastronomie erste unternehmerische Erfahrungen gesammelt, als er vor zwei Jahren in Zürich seine erste iPhone-Klinik eröffnete. In den kleinen Laden am Manesseplatz in Zürich Wiedikon kommen während unseres Gesprächs alle paar Minuten Kunden, um ihre defekten Smartphones zu bringen. Mariampillai verspricht, sie innert maximal 30 Minuten zu flicken. Er nennt sich jetzt Chefarzt.

Reise nach Fernost

Sein Unternehmen expandiert: Inzwischen hat es Filialen in Bern, St. Gallen, Dietlikon und Luzern. Weitere sind in Spreitenbach und Basel in Planung. Zehn Angestellte hat der iPhone-Arzt heute: Ehemalige Tellerwäscher, Küchengehilfen, Kuriere - «wir nehmen jeden, der motiviert ist, und bilden unsere Leute selber aus», sagt Mariampillai. Nach zwei Monaten Einarbeiten seien sie in der Lage, ein iPhone zu reparieren.

Der Tamile kam als Neunjähriger mit seinen Eltern aus Sri Lanka in die Schweiz: Kriegsflüchtlinge. Inzwischen fühlt der 27-Jährige sich hier zu Hause. Seit dem Tsunami 2004 war er nicht mehr in Sri Lanka. Dafür reist der Chefarzt der iPhone-Klinik öfter mal nach Fernost, um Ersatzteile für seine «Patienten» einzukaufen.

Er repariert Smartphones

Das Reparieren von iPhones brachte er sich selber bei. Er importierte die Geräte für Kollegen in die Schweiz, damals, als sie erst in den USA erhältlich waren. Wenn sie nicht funktionierten, kümmerte er sich selber darum. «Ich nahm schon früher Computer und Handys auseinander», erzählt er. Mit zunehmender Erfahrung habe er das nötige Fingerspitzengefühl entwickelt.

Inzwischen repariert er auch andere Smartphones. «Die Geräte sind alle ähnlich aufgebaut. Wenn du die Basics kennst und technisch begabt bist, ist es nicht schwierig», erklärt er. Allerdings brauche es Erfahrung. Wenn Kunden sich nur die Ersatzteile beim ihm beschafften, um selber Hand anzulegen, kämen sie meistens mit noch defekteren Geräten zurück in seine Klinik.

Stelle für Telefon-Hotline

Probleme mit Apple, dem iPhone-Hersteller, gab es laut Mariampillai bisher nicht. Das mag verwundern, ist doch die vom kürzlich verstorbenen Steve Jobs gegründete Firma bekannt dafür, die Geschäftswege ihrer Produkte möglichst weitgehend zu kontrollieren. Doch bis jetzt kam man sich nicht in die Quere: «Wir sind nur eine Reparaturwerkstatt», erklärt der iPhone-Doktor. Apple hingegen tausche defekte iPhones aus. Viele seiner Kunden wollten sich aber von ihren Geräten nur ungern trennen - auch aus Angst vor Datenverlusten. Deshalb kämen sie in seine Werkstatt.

Der iPhone-Doktor versucht nach der arbeitsintensiven Firmengründungsphase, in der er sich um alles kümmerte, zunehmend Aufgaben abzugeben. Eine Sekretärin hat er bereits. Nun sucht er jemanden für die Telefon-Hotline seiner Klinik und will damit eine Stelle für Behinderte schaffen, die ansonsten kaum Zugang zum Arbeitsmarkt hätten.

Mariampillai, dessen iPhone beim Interview immer wieder läutet, sieht seine künftige Rolle primär als Organisator im Hintergrund. Dennoch will er weiterhin selber Geräte flicken. «Auch das macht süchtig», sagt er und schraubt im «Operationssaal» der iPhone-Klinik ein Smartphone auseinander.