Urteil
Jetzt ist es entschieden: Das Mythenschloss in Zürich darf abgerissen werden

Der Stadtrat hat das Mythenschloss aus dem Inventar der Schutzobjekte entlassen, weil die Swiss Re dort bauen will. Der Entscheid ist rechtens, sagt nun das Baurekursgericht.

Katrin Oller
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Nach dem Kauf ersetzte die Swiss Re das Gebäude durch einen Neubau. Nur die Schaufassade orientiert sich am ursprünglichen Schlossbau. zvg

Nach dem Kauf ersetzte die Swiss Re das Gebäude durch einen Neubau. Nur die Schaufassade orientiert sich am ursprünglichen Schlossbau. zvg

Unter den drei Schlössern am Zürcher Seebecken ist das Mythenschloss eine Ausnahme. Im Gegensatz zum Roten und Weissen Schloss am General-Guisan-Quai ist das Gebäude am Mythenquai eine Rekonstruktion des ursprünglichen Prunkbaus und stammt aus den 1980er-Jahren.

Die Swiss Re hatte das H-förmige Schloss, das zwischen 1925 und 1928 gebaut worden war, erworben und durch einen Neubau ersetzt. Nur noch die Schaufassade gegen den See orientiert sich am Schlossbau. Die Rückseite des Wohn- und Bürogebäudes hat eine neuzeitliche Metallfassade.

Bürogebäude statt Schloss

Nun will die Swiss Re das Gebäude erneut abreissen und durch einen Büroneubau ersetzen. Langfristig plant der Rückversicherer, alle seine 3500 Mitarbeiter im Raum Zürich in einem «Campus Mythenquai» zu konzentrieren. 2009 hatte die Swiss Re den ersten Neubau am Mythenquai angekündigt. Zurzeit entsteht neben dem Mythenschloss der Glaspalast «Swiss Re Next», der nächstes Jahr eröffnet wird.

Für den Neubau hat der Stadtrat das Mythenschloss im Frühling aus dem Inventar der schützenswerten Bauten entlassen. Dagegen wehrte sich die Luzerner Stiftung Archicultura. Die Stiftung hatte schon den Ergänzungsbau des Kunsthauses bekämpft – vergeblich. Auch beim Mythenschloss scheiterte sie nun: Das Baurekursgericht hat in seinem gestern veröffentlichten Urteil den Entscheid des Stadtrats bestätigt und den Rekurs abgewiesen.

Archicultura hatte zum Gutachten der städtischen Denkmalpflege, worauf sich der Stadtratsentscheid stützte, ein zusätzliches der kantonalen Denkmalpflegekommission gefordert. Dies befand das Baurekursgericht nicht für nötig. Die Stiftung ist der Ansicht, dass das Mythenschloss wegen seiner «Zweigesichtigkeit» ein wichtiger Zeuge der postmodernen Architektur seiner Epoche sei.

«Inspiration wird vermisst»

Dies stellt das Gericht in Abrede. Die originalgetreue Rekonstruktion der Fassade sei bereits in den 1980er-Jahren heftig kritisiert worden, etwa von der Natur- und Heimatschutzkommission des Kantons. Im städtischen Gutachten heisst es, beim neuen Mythenschloss vermisse man die nötige Inspiration und aus dem Kontrast von Alt und Neu entstehe kein wirklicher Dialog.

Weiter pochte Archicultura auf die Bedeutung des Gebäudes für den Standort am unteren Seebecken. Das Gericht anerkennt, dass sich das Mythenschloss durch seine «imposante Erscheinung» gelungen in die monumentalen Gebäude am Mythenquai einfüge. Dennoch leiste es keinen erheblichen Beitrag zum schutzwürdigen Ortsbild, das sich zudem im Wandel befinde durch den Neubau nebenan.

Die Swiss Re erarbeitet nun einen Gestaltungsplan, der laut Medienstelle im nächsten Frühjahr eingereicht wird. Dann muss ihn der Zürcher Gemeinderat genehmigen. Der Rückversicherer rechnet Mitte 2019 mit dem Baubeginn.