Nach nur einer Amtszeit muss Martin Graf (60) seinen Sitz schon wieder räumen: Der Grüne Justizdirektor ist am Sonntag vom Zürcher Stimmvolk abgewählt worden, wohl nicht zuletzt wegen des Skandals um den jugendlichen Straftäter "Carlos".

Graf machte im Zusammenhang mit "Carlos" nicht die beste Figur: Nachdem die Wogen in der Öffentlichkeit wegen des teuren "Sondersettings" im Sommer 2013 hochgingen, agierte der Justizdirektor gleich mehrfach ungeschickt. Zuerst liess er den Straftäter "zu seinem eigenen Schutz" inhaftieren, dann musste er ihn auf Geheiss des Bundesgerichts wieder freilassen.

Danach wurde "Carlos" in ein neues, günstigeres Sondersetting gesteckt - allerdings durfte er auch dort Thaiboxen, was zuvor einer der Steine des Anstosses gewesen war. Die politischen Gegner warfen Graf zudem vor, die politische Verantwortung für die missglückte und viel zu teure Eins-zu-eins-Betreuung auf andere abgeschoben zu haben. Graf selbst spricht von einem "speziellen Einzelfall, der jedem Justizdirektor hätten passieren können".

Die Wählerinnen und Wähler vergassen sein ungeschicktes Agieren nicht und präsentierten ihm am Sonntag die Quittung. Der Grüne mit dem Schaffhauser Dialekt erhielt nur 109'625 Stimmen und landete damit auf dem überzähligen achten Platz. Der Agronom war von 1998 bis zu seiner Wahl in den Regierungsrat Stadtpräsident von Illnau-Effretikon.

Gleiches Schicksal wie Hans Hollenstein

Die Abwahl von Martin Graf ist erst die zweite innerhalb von über 50 Jahren - allerdings erfolgte sie nur 4 Jahre nach der letzten. Der andere Regierungsrat, den dieses Schicksal traf, war CVP-Sicherheitsdirektor Hans Hollenstein. Er wurde 2011 ironischerweise vom heute Sonntag abgewählten Martin Graf verdrängt.

Auch Hollenstein war über eine Affäre gestolpert: Im Jahr 2010 war bekannt geworden, dass die Arbeitsmoral in "seinem" Migrationsamt zu wünschen übrig liess. Mitarbeiter beschuldigten ihre Chefs, sie seien faul, bearbeiteten Dossiers willkürlich und schickten Pornobildchen herum.

Vor Hollenstein war während Jahrzehnten kein Regierungsrat abgewählt worden. Der vor ihm letzte, der bei den Wählern durchfiel, war SP-Regierungsrat Paul Ulrich Meierhans im Jahr 1963. Er war 13 Jahre lang Baudirektor und unter anderem für den Bau des Flughafens Kloten und für die ersten Autobahnen im Kanton verantwortlich.

Sieg für CVP

Wieder in der Regierung ist die CVP, die ihren vor vier Jahren verlorenen Sitz mit Silvia Steiner zurückeroberte.

Komfortabel gewählt wurden am Sonntag die vier bisherigen Regierungsräte Thomas Heiniger (FDP), Mario Fehr (SP), Ernst Stocker (SVP) und Markus Kägi (SVP).

Heiniger erreichte gemäss vorläufigem Endergebnis den ersten Platz mit 150'557 Stimmen. Auf den zweiten Platz kam Fehr mit 146'307 Stimmen gefolgt von Stocker mit 145'205 Stimmen und Kägi mit 136'563 Stimmen. Die Wahlbeteiligung lag gemäss Statistischem Amt des Kantons Zürich bei 31,3 Prozent.

Bis fast zuletzt spannend blieb es bei den weiteren drei Sitzen des siebenköpfigen Gremiums. Um 16.47 Uhr war es dann klar. Gewählt wurden Silvia Steiner (CVP) mit 118'477 Stimmen, Carmen Walker Späh (FDP) mit 116'058 Stimmen und Jacqueline Fehr (SP) mit 115'618 Stimmen. (sda)