Sanierung

Jetzt ist der See endlich wieder Meer

Mit der Erneuerung des Uferbereichs erhält das Arboretum am Seebecken sein ursprüngliches Gesicht zurück

Nicht weit vom Bürkliplatz beginnt das Mittelmeer. Wenige Meter nach dem Eingang des denkmalgeschützten Landschaftsgartens Arboretum wird der Blick frei auf eine langgezogene flach abfallende Bucht. Drei junge Männer haben ihre Badetücher auf dem Halbrund aus Granit dicht am Wasser ausgebreitet, ein älterer Herr in Badehosen steigt aus den Fluten.

Tatsächlich wähnte man sich hier für einen Moment in Südfrankreich oder Italien, wäre da nicht das grandiose Panorama der Glarner Alpen im Hintergrund. Das war lange Zeit anders. In den Sechzigerjahren pflanzte man entlang des Ufers Hecken, sodass der Zugang zum Wasser nur noch an einzelnen Stellen möglich war. Doch nun, fast 130 Jahre nach ihrer Einweihung, sieht die Uferpromenade des Arboretums zwischen dem Zürcher Yacht Club und dem Hafen Enge wieder so aus, wie ursprünglich geplant.

Der Grund: Nachdem rund um das Seebecken bereits fast alle Abschnitte erneuert worden waren, kam vergangenes Jahr dieser Bereich an der Reihe. Notwendig war die Sanierung, weil der Uferschutz im Lauf der Zeit teilweise unterspült worden war. Bei der Renovation der Steinverbauungen wurde der Uferbereich ab 2015 weitgehend in den Originalzustand zurückgeführt. Die Gesamtkosten des Projekts belaufen sich auf rund 5 Millionen Franken.

Ein Stadtstrand ist auferstanden

Nachdem die Bauarbeiten grösstenteils abgeschlossen sind, ist nun nicht nur die Bucht am Eingang des Arboretums wieder besser zugänglich, auch der ursprüngliche Strand neben der Kanzel – dem mit Pappeln bestandenen Aussichtspunkt – ist wiederhergestellt. Bei einem Rundgang vor Ort hob der Zürcher Tiefbauvorstand Filippo Leutenegger (FDP) diesen Teil des Uferwegs gestern besonders hervor: «Hier standen früher überall Hecken. Jetzt kann man wieder direkt von der Liegewiese zum Strand.» Dieser wurde durch eine Kiesvorschüttung möglich und weist je nach Wasserstand eine Fläche von bis zu 300 Quadratmetern auf.

Ebenfalls zum originalen Konzept gehört ein Stück Weg, das beim Bootsverleih im Hafen Enge direkt am Wasser entlang verläuft. Um diesen wiederherzustellen, musste die bestehende Vegetation entfernt werden. Eine rund 70-jährige Flügelnuss beim Steg zum Seebad Enge konnte aber erhalten werden. «Der Baum gehört zwar nicht zur ursprünglichen Bepflanzung. Doch er ist sehr schön gewachsen und prägt diesen Uferabschnitt. Deshalb wollten wir ihn nicht fällen», erklärte Lukas Handschin, Kommunikationsbeauftragter von Grün Stadt Zürich.

Weil die Wurzeln des Baums durch die Ufermauern hindurchwachsen, ersetzten die Bauarbeiter an der betreffenden Stelle nur die beiden oberen Steinreihen. Der untere Bereich werde erst saniert, wenn die Flügelnuss eines Tages an ihrem Lebensende angekommen sei, so Handschin. Insgesamt mussten für die Ufersanierung elf Bäume gefällt werden. Dafür pflanzen die Stadtgärtner 26 Neue.

Nur einer trotzte der Erneuerung

Zeigte sich Stadtrat Leutenegger bei der Flügelnuss äusserst erfreut darüber, dass sie gerettet werden konnte, so war ihm ein anderes altes Uferelement stets ein Dorn im Auge: Einer von drei quaderförmigen Bunkern, die 1940 als Teil der Limmatstellung General Guisans im Arboretum erbaut worden waren. War er früher noch von Eiben versteckt, so steht er heute etwas plump und irritierend im neu wiederhergestellten Uferweg bei der Badi Enge. «Ich habe gehofft, dass er doch noch wegkommt. Aber da bestand keine Chance», sagte Leutenegger. Der Bunker ist im Spezialinventar schützenswerter militärischer Bauten als Schutzobjekt von kantonaler Bedeutung klassiert.

Es sei für ihn sehr wichtig gewesen, sagte der Tiefbauvorstand, dass die wichtigsten Bereiche der Uferzone wieder für Badegäste und Flaneure bereit stehen, wenn die Temperaturen wieder steigen: «Der Stadtrat drängte immer darauf, dass der See bis zum Sommer wieder sein muss.» Bis zum Abschluss der Sanierung im Herbst bleibt aber noch einiges zu tun: 35 neue Sitzbänke will Grün Stadt Zürich aus Angst vor Vandalenakten erst nach dem Züri-Fäscht installieren. Im Verlauf des Sommers müssen zudem Grünflächen angesäht, Bäume gepflanzt und einzelne Leitungsarbeiten durchgeführt werden.

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