Öffentlicher Verkehr

Jetzt gibts Platz unter den Gleisen des Bahnhofs Altstetten

Der Bahnhof Zürich-Altstetten im boomenden Herzen des Bahnlands Schweiz hat eine neue Unterführung. Sie kostet 64 Millionen Franken und ist dreimal so breit wie die alte.

Noch legen orange gekleidete Bauarbeiter Hand an, um letzte Arbeiten an der neuen Unterführung des Bahnhofs Zürich-Altstetten zu erledigen. Am Donnerstag wird sie eröffnet. Dann gibt es viel Platz für die Pendlermassen, die hier normalerweise durchlaufen: Mit 12,5 Metern ist die neue Unterführung gut dreimal so breit wie die alte. Lifte zu allen Perrons machen den Bahnhof behindertengängig; auch die Perrons sind jetzt so angepasst, dass überall ein schwellenloser Einstieg in die Züge möglich ist, wie Projektleiter René Batschelet bei einem Medienrundgang sagte. 64 Millionen Franken liessen sich die SBB und der Bund das Bauwerk kosten.

Es ist darauf angelegt, dass im Bahnhof Zürich-Altstetten im Jahr 2050 täglich 64000 Personen ein- und aussteigen. Damit käme der Bahnhof in Zürichs westlichstem Quartier kapazitätsmässig in die Grössenordnung von Genf. 2018, als die SBB zuletzt schweizweit die Bahnhofsfrequenzen erhoben, hatte Altstetten werktags jeweils 46500 Ein- und Aussteiger.

Wie die Coronapandemie und der damit verbundene Trend zum Homeoffice die Pendlerzahlen mittelfristig beeinflusse, lasse sich noch nicht sagen, meinte ein SBB-Sprecher auf Anfrage. Doch in den letzten Jahren zählte Altstetten zu Zürichs Boomquartieren. Und der Stadtrat sieht hier für die Zukunft mit am meisten Wachstumspotenzial, wie er im kommunalen Richtplan festhielt.

Der Boom begann mit der Spanisch-Brötli-Bahn

Die Bahn prägt die Geschichte Altstettens seit 1847. Damals nahm die Spanisch-Brötli-Bahn von Zürich nach Baden ihren Betrieb auf. Die erste Eisenbahnlinie der Schweiz hielt auch in Altstetten. Das einstige Limmattaler Dorf wuchs, wurde zum Industrie- und Gewerbestandort und zum Bindeglied zwischen Stadt- und Land. Ab 1900 rollte für einige Jahrzehnte die Limmattal-Strassenbahn von Altstetten nach Dietikon und Weiningen. Nach einer Volksabstimmung erfolgte 1934 die Eingemeindung: Mit grosser Mehrheit begrüssten es die Altstetter, fortan zur Stadt Zürich zu gehören.

Damals hatte die Gemeinde am Rande der Stadt knapp 10000 Einwohnerinnen und Einwohner. Heute wohnen rund 34000 Menschen im Stadtteil Altstetten; zudem gibt es dort 45000 Arbeitsplätze, wie dem kürzlich veröffentlichten Quartierspiegel der Stadt Zürich zu entnehmen ist.

Der Bauboom seit der Jahrtausendwende und das Verdichtungspotenzial für die Zukunft liessen auch die Bahnplaner wieder aktiv werden. 2011 rollte das Tram Zürich-West mit Endstation Bahnhof Altstetten Nord an. Mit dem Bau des SBB-Milliardenprojekts Durchmesserlinie erhielt der Bahnhof Altstetten wenige Jahre Später weitere Verbindungen. Zu den Hauptverkehrszeiten halten hier nun sechs S-Bahn-Linien, zudem Interregio-Züge aus Bern und aus Basel.

Das nächste Bahnprojekt ist bereits im Bau: Auf dem Altstetterplatz entsteht derzeit die künftige Endstation der Limmattalbahn. Ab Ende 2022 soll damit auch auf der Südseite des Bahnhofs ein direkter Anschluss ans Tramnetz existieren.

Beim Bau der neuen Unterführung berücksichtigten die Planer die Funktion des Bahnhofs Altstetten als Eventbahnhof. Mit dem Letzigrundstadion und der neuen Eishockeyhalle der ZSC Lions sind zwei Sportstätten für Grossveranstaltungen in Laufdistanz – und mit dem geplanten neuen Hardturmstadion käme eine dritte hinzu. Entsprechend verfügt die neue Bahnhofsunterführung auch über eine Videoüberwachung, wie Projektleiter Batschelet beim Medienrundgang sagte.

Die provisorische Fussgänger-Passerelle, die während der dreijährigen Bauzeit als Ersatz für die alte Bahnhofsunterführung diente, ist noch bis Freitagmittag geöffnet. Danach wird sie zurückgebaut. «Dann können unsere Kunden wieder unten durch», sagte Batschelet.

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