Es sind unzählige Bundesordner voll mit Modemagazinen, Geschäftsberichten, Plakaten und Umbauplänen aus den 1930er-Jahren. Zudem gibt es einen grosser Fundus an Filmrollen mit Bauaufnahmen des ersten Warenhauses der Schweiz sowie etlicher Modeschauen.

Das Archiv des Jelmoli-Hauses, Teil des Zentrallagers in Otelfingen, erstreckt sich über 70 Quadratmeter. «Nun zieht das ‹House of Brands› in das Haus der Geschichte der Stadt Zürich», sagte Anna Maissen, Direktorin des Stadtarchivs Zürich, gestern vor den Medien.

Zum 185-Jahr-Jubiläum übergibt das Geschäftshaus mit Sitz nahe der Bahnhofstrasse ihr gesamtes Archiv der Stadt Zürich. Symbolisch überreichte der anwesende Jelmoli-CEO Francesco Savastano der Stadtarchivarin einen übergrossen Schlüssel aus Karton.

Maissen bezeichnet das Archiv des Warenhauses als Kulturgut: «Es liefert uns Hinweise über Konsumgewohnheiten, über das Kaufhauserlebnis der letzten Jahrzehnte aber auch über die Entwicklung der Bahnhofstrasse.» Jelmoli habe die Wirtschaftsgeschichte von Zürich nachhaltig geprägt.

René Zahnd, CEO der Immobiliengesellschaft Swiss Prime Site, die das Warenhaus an der Seidengasse im Zürcher Kreis 1 vor neun Jahren übernommen hat, ergänzt: «Mit dem Bau des Glashauses hat Jelmoli geholfen, die Zürcher Bahnhofstrasse zu der Marke zu machen, die sie heute ist.»

Fixe Preise lösen Feilschen ab

Es ist das passende Stichwort für Jelmoli-CEO Savastano: «Unser Haus war seiner Zeit stets voraus», sagte er. Der Blick ins Archiv bestätigt diese Aussage. Am Anfang der Warenhaus-Geschichte stand ein Italiener mit drei Marktständen am Hirschengraben.

Es war 1833 als sich Johann Peter Jelmoli-Ciolina in Zürich niederliess und das Geschäft Gebrüder Ciolina gründete. Der italienische Händler vertrieb günstige Kleider- und Modewaren. Ein Angebot, das einschlug: Bereits wenige Monate nach der Geschäftseröffnung bezog Jelmoli ein Ladengeschäft an der Schipfe.

Dies war der Zeitpunkt, als feste Preise das Feilschen ablösten. Bereits ein Jahr später begann er mit dem Versandgeschäft aufs Land; geliefert wurde per Pferdekutsche. Später wurden die Kutschen dann durch motorisierte Lieferwagen ersetzt.

Es folgten weitere Umzüge. Kurz vor Ende des 19. Jahrhunderts entstand dann auf dem ehemaligen Areal der Seidenhöfe der Glaspalast und heutige Standort des Warenhauses.

Flanieren wird revolutioniert

Das Zürcher Architekturbüro Stadler und Usteri entwarf das Jelmoli-Gebäude nach dem Vorbild der Paris Grand Magasins. Konstruktionen aus Stahl und Glas kannte man zu dieser Zeit nur aus Paris und London. Die Eröffnung 1899 erlebte Jelmoli nicht mehr. Er verstarb knapp 30 Jahre zuvor. Seither leiteten sein Sohn und später sein Enkel das Unternehmen. 1919 endete die Familienära Jelmoli.

Danach gehörte die Firma Walter Fust und später folgte Georg von Opel als Besitzer. 2009 übernahm die Swiss Prime Site dann die Geschäfte.

Der sogenannte Glaspalast nahe der Bahnhofstrasse prägte die Stadt architektonisch wie auch gesellschaftlich. Der Bau zog viele Schaulustige an die sich damals erst langsam zur Flaniermeile entwickelnde Bahnhofstrasse. Die Fenster boten Einblick in die auf drei Etagen verteilte Warenauslage. Die Dekorationen in den Schaufenstern sorgten für die notwendigen Hingucker. Der Begriff «Window Shopping» (zu Deutsch Schaufensterbummel) war geboren.

Es folgten Jahrzehnte der Expansion. Zu Spitzenzeiten verfügte das Warenhaus schweizweit über 50 Filialen. Mitte der 1990er-Jahre begann man sich wieder auf das Stammhaus zu konzentrieren und stiess alle Zweigstellen ab.

In naher Zukunft wird das Warenhaus jedoch einen Ableger im Dienstleistungszentrum «The Circle» am Flughafen eröffnen.

Noch etwas hat sich über die Jahre verändert: Während das Haus früher hauptsächlich Eigenmarken vertrieb, wird heute über die Hälfte der Verkaufsfläche nach dem Shop-in-Shop-Prinzip an externe Marken vermietet. Deshalb heisst das Haus mittlerweile auch «Jelmoli – House of Brands» (zu Deutsch: Haus der Marken).