Zürich

Jelineks «Die Schutzbefohlenen» wird zum Zürcher Theater-Marathon

Die Schauspielerin Isabelle Menke, hinten, und Lisa-Katrina Mayer spielen im Stück von Elfriede Jelinek "Über Tiere", aufgenommen am Donnerstag, 20. Februar 2014 im Schiffbau in Zürich (Archiv)

Die Schauspielerin Isabelle Menke, hinten, und Lisa-Katrina Mayer spielen im Stück von Elfriede Jelinek "Über Tiere", aufgenommen am Donnerstag, 20. Februar 2014 im Schiffbau in Zürich (Archiv)

Sechs Zürcher Theater haben sich auf je ganz eigene Weise mit Elfriede Jelineks «Die Schutzbefohlenen» beschäftigt. Am 21. Mai werden sämtliche Inszenierungen in einer «langen Nacht» gezeigt.

Die österreichische Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek schreibt seit 2012 an ihrem Text "Die Schutzbefohlenen", einem monumentalen Klagechor, in dem sie sich kritisch mit der herrschenden Flüchtlingspolitik auseinandersetzt. Zahlreiche Theater brachten den Text seither in verschiedensten Versionen auf die Bühne.

Mammut-Projekt

In Zürich haben sich nun gleich sechs namhafte Häuser zusammen getan, um gemeinsam ein Mammut-Projekt zu realisieren. "Sechs Stationen zu Flucht und Grenzen", so heisst der Untertitel des Theater-Marathons, an dem sich Gessnerallee, Junges Schauspielhaus, Neumarkt, Rote Fabrik, Schauspielhaus und Winkelwiese beteiligen.

"Eine Zusammenarbeit in dieser Form findet zum ersten Mal statt", erklärt Lisa Letnansky, die Produktionsleiterin von "Die Schutzbefohlenen" gegenüber dem Schweizer Feuilleton-Dienst. Und fügt an: "Alle sechs Inszenierungen beruhen auf dem Jelinek-Text. Doch das ist auch schon die einzige Verbindung – darüber hinaus sind die einzelnen Teams völlig frei."

Vom Pfauen in die Rote Fabrik

Erleben lassen sich die sechs verschiedenartigen Annäherungen an ein und denselben Text im Laufe eines einzigen Abends. Dieser beginnt für alle Zuschauenden im Pfauen und endet in der Roten Fabrik. Dazwischen besucht man (je nachdem welcher Gruppe man zugeteilt ist) die Vorstellungen in den übrigen Theaterhäusern.

Für die Inszenierungen verantwortlich zeichnen unter anderen die Regisseurin Barbara Frey und der Schlagzeuger Fritz Hauser, die Autorin und Regisseurin Ivna ´ic und der Schriftsteller Peter Waterhouse, die Künstler Markus Öhrn und Pär Thörn und der Regisseur Daniel Kuschewski.

Deutsch lernen mit Jelinek

"Sechs Stationen zu Flucht und Grenze: DeutschKURSK": So heisst das Projekt, welches Timo Krstin und Miriam Walther Kohn für die Gessnerallee realisiert haben. "Wir haben uns gefragt: Wie kann man mit einem Theatertext über Flüchtlinge mehr machen als Theater über Flüchtlinge", sagt Krstin. "Oder: Wie kann man ihn sinnvoll benutzen?"

Die Antwort liegt für das Künstlerduo darin, dass es den Text als Grundlage für einen Deutschkurs an der Autonomen Schule Zürich benutzt, an dem auch, aber nicht nur Flüchtlinge teilnehmen. Konkret wird Satz um Satz auseinandergenommen, diskutiert und in ein verständlicheres Deutsch übertragen.

Asylrecht als Lotterie

Natürlich agieren die Künstler bei diesem Prozess in erster Linie als Moderierende - "doch wir lernen gleichzeitig auch sehr viel von den Kursteilnehmenden", meint Krstin. Insgesamt bringe die minutiöse Arbeit erhellende Erkenntnisse über den Jelinek-Text, denn so langsam und gründlich würde man diesen sonst kaum lesen.

Im ersten Teil der Inszenierung erfährt das Publikum Genaueres über den literarischen Deutschkurs. Der zweite Teil dreht sich dann um die zwei Wörter "Lotto spielen", die im Kurs immer wieder Anlass zu Diskussionen ga

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