Die Stadt und auch der Kanton Zürich waren in der Vergangenheit mehrfach mit einem schnellen Bevölkerungswachstum konfrontiert. Bei der ersten Eingemeindung 1893, der hohen Zuwanderung von italienischen, spanischen, türkischen und griechischen Migranten in den 1950er- und 1960er-Jahren sowie im vergangenen Jahrzehnt. In all diesen Wachstumsphasen geriet das Schulwesen wie auch die dafür notwendige Infrastruktur wiederholt unter Druck. In diesem Zusammenhang musste sich die Politik mit Lehrermangel und erstmals auch mit Integrationsfragen auseinandersetzen.

Die finanzielle Not der Vorortgemeinden der Stadt Zürich war der Auslöser für die erste Eingemeindung. Dies betraf die Nachbarorte Aussersihl, Enge, Leimbach, Fluntern, Hirslanden, Hottingen, Oberstrass, Unterstrass, Riesbach, Wiedikon, Wipkingen und Wollishofen. Sie waren kaum mehr in der Lage, die für die Bevölkerung notwendige Infrastruktur bereit zu stellen. So auch im Schulwesen.

In dieser Zeit zählte man pro Lehrperson 84 Schulkinder. Nach der ersten Eingemeindung verdoppelten sich die Geburtenzahlen, sanken dann während dem Ersten und Zweiten Weltkrieg und erreichten ihr Allzeithoch 1961. In diesem Jahr zählte man 6147 Neugeborene in der Stadt Zürich. Diese Zahlen veröffentlichte die Stadt in ihrer Publikation zum 125-Jahr-Jubiläum der Grossstadt Zürich.

Lehrerberuf für Frauen öffnen

Nicht nur die Zahl der Einwohner verdoppelte sich zwischen 1945 und 1975, sondern auch jene der Schulkinder. Innerhalb von drei Jahrzehnten stieg diese von 67'000 auf 133'000 Schülerinnen und Schüler an. In der Folge kam es zu einem anhaltenden Lehrermangel, wie in der Jubiläumsschrift «Schule macht Geschichte» aus dem Jahr 2007 zu lesen ist.

Neben dem starken Bevölkerungswachstum kam es auch zu veränderten Siedlungsstrukturen. Die sogenannte Stadtflucht in den 1950er- und 1960er-Jahren liess einen Agglomerationsgürtel um Zürich herum entstehen. Besonders die Schulgemeinden im Limmattal, im Bezirk Uster und in Dielsdorf sahen sich mit einem grossen ausländischen Bevölkerungsanteil konfrontiert. Die Kinder der Fremdarbeiter hatten wegen ihrer mangelnden Deutschkenntnisse oft geringere Bildungschancen als ihre Mitschülerinnen und Mitschüler. Der Anteil der ausländischen Schulkinder lag in den 1960er-Jahren bei knapp zehn Prozent.

In diesem Zeitraum beschäftigte sich die Zürcher Bildungspolitik intensiv mit dem Lehrermangel und öffnete schliesslich den Beruf für Frauen. Weil «wegen der Stellennot ein Anwachsen des weiblichen Anteils der Lehrerschaft nicht weiter verhindert werden könne», wie es der Zürcher Erziehungsrat damals formulierte.

Dazumal lag der Frauenanteil der Lehrkräfte an der Zürcher Volksschule bei rund 20 Prozent. In den folgenden Jahrzehnten stieg dieser jeweils um fünf bis zehn Prozent. Seit den 1990er-Jahren bilden Lehrerinnen die Mehrheit, 2004 lag ihr Anteil bei über 60 Prozent.

Dietiker Speziallösung

Während sich die Bildungsdirektion auf Fragen zum benötigten Schulraum und zu den Lehrpersonen konzentrierte, verlor sie die sozialen und kulturellen Folgen, die die Fremdarbeiterkinder im Schulunterricht auslösten, aus den Augen. Erst zu Beginn der 1960er-Jahre wurde deren Integration auch bei der Bildungsdirektion ein Thema. Dass dem so war, geht auf einzelne Gemeinden mit einem hohen Ausländeranteil zurück. Verschiedene Schulgemeinden wiesen den Kanton auf den Integrationsbedarf hin. Eine davon war die heutige Stadt Dietikon.

Bei einer Gemeindeumfrage, die darauf abzielte herauszufinden, wie mit fremdsprachigen Schulkindern umgegangen werden sollte, stellte sich heraus: Da tut sich etwas auf kommunaler Ebene. Denn über zehn Prozent aller Gemeinden im Kanton hatten für diese Kinder bereits einen zusätzlichen Deutschkurs parallel zum Regelunterricht lanciert. Entsprechend empfahl der kantonale Erziehungsrat zusätzlichen Deutschunterricht für fremdsprachige Kinder. Für den restlichen Unterricht sollten diese in den regulären Klassen bleiben.

Einzig Dietikon missachtete diese Vorgabe. Da jedes vierte Schulkind in der Gemeinde im Jahr 1964 ausländische Eltern hatte – in neun von zehn Fällen italienischer Herkunft –, beantragte die Gemeinde eine kantonale Ausnahmebewilligung für eine fremdsprachige Schulklasse. Lediglich Musik, Turnen oder Handarbeit wurde in gemischten Schulklassen unterrichtet. Obwohl der Kanton nur ein Jahr später der Gemeinde eine zweite Sonderklasse verweigerte, wurde diese informell trotzdem eingeführt. Schliesslich bekam die Schulbehörde doch noch grünes Licht vom Kanton.

Ein langfristiges Schulthema

Es dauerte aber noch gut 20 Jahre, bis der Kanton die Abteilung «Ausländerpädagogik» schuf. Diese war für die Aus- und Weiterbildung der Lehrpersonen sowie auch für die Beratung von Lehrpersonen, Schulbehörden und ausländischen Eltern verantwortlich. Damit war klar, dass die Integrationsfragen langfristiger Bestandteil der Schulpolitik sind.

In den 1990er-Jahren wurde die besagte Abteilung dann in «interkulturelle Pädagogik» umbenannt. Ihr erzieherisches Ziel ist es, Kinder unterschiedlicher Kulturen voneinander lernen zu lassen. Der Stellenwert dieser Abteilung ist bis heute – nicht zuletzt wegen diversen Migrationswellen seit den 1980er-Jahren – sogar noch gestiegen.