Verkehr
Jeder fünfte Zebrastreifen in der Stadt Zürich ist mangelhaft

Auf den 2901 Fussgängerstreifen in der Stadt Zürich ereignen sich durchschnittlich rund 100 Unfälle pro Jahr. Mit diversen Massnahmen kann die Sicherheit jedoch erhöht werden. Dies zeigt die Auswertung des Projekts "Zebra-Safari".

Matthias Scharrer
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Obwohl keine Mängel festgestellt werden konnten, ist dieser Zebrastreifen am Hauptbahnhof derjenige mit der höchsten Unfallzahl. Grund: Er wird von sehr vielen Menschen benutzt.

Obwohl keine Mängel festgestellt werden konnten, ist dieser Zebrastreifen am Hauptbahnhof derjenige mit der höchsten Unfallzahl. Grund: Er wird von sehr vielen Menschen benutzt.

Matthias Scharrer

114 Fussgängerunfälle auf Zebrastreifen gab es in Zürich 2016. Letztes Jahr dürften es laut Sicherheitsvorsteher Richard Wolff (AL) noch etwas mehr gewesen sein, die genauen Zahlen liegen noch nicht vor. Sicher ist: Die Werte zu Unfällen auf Zebrastreifen liegen seit drei Jahren über dem Durchschnitt der letzten 15 Jahre; dieser beläuft sich auf 93 Unfälle pro Jahr, wie aus Daten hervorgeht, die die Stadtzürcher Dienstabteilung Verkehr am Dienstag auf Anfrage bekannt gab.

Meistens ist menschliches Versagen der Grund, wenn es an Zebrastreifen kracht. Doch auch mangelhafte Infrastruktur kann die Sicherheit beeinträchtigen. Um Schwachpunkte aufzudecken und Abhilfe zu schaffen, hat Wolff im Rahmen des Projekts «Zebra-Safari» alle Fussgängerstreifen in Zürich überprüfen lassen. Die Resultate präsentierte er am Dienstag vor den Medien: Rund ein Fünftel der insgesamt 2901 Zebrastreifen weisen sicherheitsrelevante Mängel auf. Sie erfüllen eines oder mehrere Kriterien der Schweizer Zebrastreifen-Norm nicht. Konkret ergab die seit 2015 durchgeführte flächendeckende Überprüfung folgende Mängel:

  • Es fehlen 120 Verkehrsschilder, die das Vorhandenseins eines Zebrastreifens schon von Weitem sichtbar machen.
  • Bei 144 Zebrastreifen ist die Markierungsfarbe auf der Strasse beschädigt oder stark abgenutzt.
  • 156 Fussgängerstreifen weisen zu hohe Trottoirkanten auf, was für Menschen mit Gehbehinderung problematisch ist.
  • Parkplätze, die zu nahe bei Zebrastreifen markiert sind, können zu gefährlichen Sichteinschränkungen führen, ebenso wie Bäume, Masten, Sträucher oder Schilder. Laut Projektleiter Wernher Brucks drängen sich bei 200 bis 300 Parkplätzen in Zebrastreifennähe Massnahmen auf. Dabei sollen Parkplätze aufgehoben werden: «Die Sicherheit ist wichtiger als Parkplätze», sagte Wolff.

Aufgehobene Parkplätze liessen sich aber andernorts kompensieren, wie der AL-Stadtrat betonte. Veränderungen am Parkplatzbestand riefen in Zürich zuletzt immer wieder Protest vonseiten der bürgerlichen Parteien hervor.

Keine Zebrastreifen in Tempo-30-Zonen

Die meisten der zu nahe bei Zebrastreifen gelegenen Parkplätze befinden sich laut Brucks in Tempo-30-Zonen. Die Stadt könnte daher statt der Parkplätze auch die betreffenden Zebrastreifen aufheben: «In Tempo-30-Zonen braucht es eigentlich keine Zebrastreifen, ausser bei Schulen und Altersheimen», so der Chef Verkehrssicherheit der Stadt Zürich. Allerdings stosse die Aufhebung von Zebrastreifen oft auf Protest von Anwohnern.

583 Warteräume...

...an Zebrastreifen sind in Zürich problematisch, weil zu nahe Parkplätze die Sicht einschränken, wenn sie belegt sind. Wie die Stadtzürcher Dienstabteilung Verkehr gestern auf Nachfrage bekannt gab, betrifft dies 200 bis 300 Parkplätze. Als Warteräume gelten die Strassenränder und Schutzinseln bei Zebrastreifen.

Als Sofortmassnahme, um Mängel an Zebrastreifen zu beheben, werden gemäss Brucks noch dieses Jahr 120 Verkehrsschilder aufgestellt. Bei den beschädigten Zebrastreifen ist zudem ein Neuanstrich geplant. Massnahmen, für die ein grösserer baulicher und planerischer Aufwand nötig ist, will Wolff in den kommenden Jahren nach und nach umsetzen. So fehle an 87 Zebrastreifen in Zürich mindestens eine Schutzinsel, die Fussgängern in der Mitte einer breiten Strasse einen Zwischenstopp ermöglicht. Auch das Aufstellen von Ampeln kann in solchen Fällen die gemäss Schweizer Norm nötige Sicherheit gewähren.

Temporeduktionen als Option

Bei schlecht sichtbaren Zebrastreifen sind ferner Temporeduktionen denkbar. «Allein wegen Fussgängerstreifen wird es aber keine Temporeduktionen geben», versicherte Wolff. Für die geplanten Sofortmassnahmen, also das Aufstellen von Schildern, rechnet er mit Kosten von 190'000 Franken. Die Erfassung aller Zürcher Zebrastreifen habe die Stadt zum Grossteil mit eigenen Mitarbeitern durchgeführt. Darüber hinaus verursachte das Projekt «Zebra-Safari» laut Wolff externe Kosten in Höhe von 120'000 Franken.

2901 Zebrastreifen...

...gibt es in der Stadt Zürich. Davon sind 1005 mit Lichtsignalanlagen geregelt. 234 Fussgängerstreifen liegen an Tramhaltestellen, 114 an Tram- und Bushaltestellen, 402 an Bushaltestellen.

Als Ergebnis liegen nun nebst der Mängelliste umfassende Daten zu den Zebrastreifen in Zürich vor. So quert jeder sechste Fussgängerstreifen Tramschienen – wobei das Tram immer Vortritt hat. Ein Drittel aller Zebrastreifen ist durch Ampeln geregelt. Der grösste Zürcher Stadtkreis, der Kreis 11 im Norden, ist auch der mit den meisten Zebrastreifen. Die grösste Zebrastreifendichte weist hingegen das Stadtzentrum auf. Dort befindet sich auch der Zebrastreifen mit den meisten Unfällen: Es ist jener, der vom Hauptbahnhof zur Bahnhofstrasse führt. Mängel wurden dort im Rahmen der Zebra-Safari keine festgestellt. Dafür aber sehr viele Menschen.