Strassenverkehr
Jeder dritte Erwachsene in der Stadt Zürich fährt Velo

Zwar steht in über 60 Prozent der Stadtzürcher Haushalten mindestens ein Velo. Viele davon verstauben aber im Keller. Zwei von drei Erwachsenen fahren nie damit. Grade mal zwei von zehn Zürcherinnen und Zürchern schwingen sich regelmässig in den Sattel.

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Ein Velofahrer am Bullingerplatz (Archiv)

Ein Velofahrer am Bullingerplatz (Archiv)

Alfred Borter

Dazu kommen zwölf Prozent, die gelegentlich das Fahrrad herausholen, wie aus der am Donnerstag veröffentlichten Velostatistik «Fest im Sattel» der Stadt Zürich hervorgeht. Der typische Zürcher Velofahrer ist männlich, zwischen 30 und 49 Jahre alt, hat eine gute Ausbildung und verdient gut. Das Velofahrverhalten von Kindern und Jugendlichen wurde nicht erhoben.

Laut Studie benutzen 33 Prozent der Personen mit Hochschulabschluss das Velo regelmässig, 15 Prozent gelegentlich. Unter den Menschen ohne Berufsausbildung fahren nur neun Prozent regelmässig und fünf Prozent gelegentlich. Verwendet wird das Fahrrad vor allem für kurze Wege innerhalb der Stadt, selten für Fahrten über die Stadtgrenzen hinaus. Pendler fahren allenfalls bis zum nächsten Bahnhof.

Noch viel zu tun

«Das Potenzial des Velos ist in der Stadt Zürich bei weitem noch nicht ausgeschöpft», heisst es in der Studie. Beinahe ein Fünftel aller Strecken, die mit Bus und Tram zurückgelegt werden, und ein Zehntel aller Autofahrten seien kürzer als ein Kilometer, 70 Prozent kürzer als drei Kilometer - also ideale Velodistanzen.

Die Stadt fördert zwar seit Jahren das Velofahren. Noch bleibt aber viel zu tun. Die reale Verkehrssituation in der Stadt hält viele Einwohnerinnen und Einwohner vom Umsteigen auf das Fahrrad ab.

Die regelmässigen Radfahrerinnen und Radfahrer beurteilen die Gegebenheiten als ungenügend. Mehr als die Hälfte fühlen sich unsicher im Strassenverkehr. 80 Prozent wünschen mehr Velowege und - streifen. Immerhin seien die vorhandenen Velospuren gut erkennbar, räumten sie bei der Befragung ein.

Die Unfallzahlen unterstreichen die unbefriedigende Situation. Seit 2006 ist die Anzahl Velounfälle stark angestiegen. Im Jahr 2011 registrierte die Polizei deren 348. Die Unfallzahlen anderer Verkehrsteilnehmer stagnierten währenddessen auf relativ tiefem Niveau.

Als Hauptgrund nennt die Studie die stark steigende Zahl von Velos. Die immer wieder monierte schlechte Disziplin der Velofahrenden sei dagegen als Unfallursache wenig plausibel. Nur etwa die Hälfte der Unfälle seien von den Velofahrenden selbst verursacht.

Die meisten Velounfälle ereignen sich in den Kreisen 1 und 4. Neuralgische Strecken sind laut Studie unter anderem das Limmatquai und die Langstrasse. In beiden Strassen mangle es an Platz für die Velos. Zudem riskieren Velofahrende an Kreuzungen und Einmündungen viel eher einen Unfall als Autofahrende.

Gefährliche E-Bikes

Allerdings spielt nicht zuletzt auch der Fahrradtyp eine Rolle beim Unfallgeschehen, heisst es in der Studie: In 41 Prozent der Unfälle waren Sportvelos ohne Licht und Schutzblech beteiligt. Sorgen bereiten den Verkehrsfachleute auch die immer beliebteren Velos mit elektronischer Unterstützung. Die E-Bikes erreichen hohe Geschwindigkeiten und animieren auch Ungeübte dazu, aufs Velo zu steigen.

Die Erhebung «Fest im Sattel» wurde erstellt von Statistik Stadt Zürich, der städtischen Dienstabteilung Verkehr sowie dem Tiefbauamt. Sie basiert unter anderem auf den Daten der neun permanenten Velozählstellen, die an strategischen Punkten des Veloroutennetzes stehen. 2011 wurden insgesamt 2,6 Millionen Fahrten gezählt. Je nach Zählstelle waren es pro Tag durchschnittlich 200 bis 1200.