Stadt Zürich
Jedem dritten Jung-Lockvogel wird Alkohol und Tabak verkauft

Die Bilanz der Alkohol- und Tabaktestkäufe in der Stadt Zürich fällt für das Jahr 2012 durchzogen aus. Bei jedem dritten Testkauf erhielten die jugendlichen Lockvögel Alkohol und Tabak verkauft. Dies teilte die Stadtpolizei Zürich am Donnerstag mit.

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Bei den Alkohol- und Tabaktestkäufen in der Stadt Zürich fällt das Ergebnis durchzogen aus.

Bei den Alkohol- und Tabaktestkäufen in der Stadt Zürich fällt das Ergebnis durchzogen aus.

Keystone

133 Mal wurden im vergangenen Jahr 13- bis 15-jährige Schülerinnen und Schüler als Lockvögel losgeschickt, um in Restaurants, Kiosken, Take-Aways und in Festwirtschaften Alkohol zu kaufen. In 42 Fällen (31,6 Prozent) erhielten sie die Getränke auch.

Bei 34 Tabaktestkäufen wurden den Jugendlichen zehn Mal (29,4 Prozent) Zigaretten verkauft. Dieses Resultat bezeichnet die Stadtpolizei in ihrer Mitteilung als "durchzogen". Es entspricht ungefähr den Erfahrungen aus dem Jahr 2011.

Zweiseitiger Belehrungsbrief der Polizei

Ein Strafverfahren haben die fehlbaren Patentinhaber und das Verkaufspersonal allerdings nicht zu befürchten. Wegen eines Bundesgerichtsentscheids vom Frühling 2012 dürfen Alkohol- und Tabaktestkäufe nicht in Strafverfahren verwendet werden.

Das Bundesgericht beurteilte die verdeckten Ermittlungen als "nicht statthaft". Der Kanton Zürich rief deshalb ein neues Bestrafungs-System ins Leben, das seit Herbst in Kraft ist.

Als erstes müssen sich die fehlbaren Patentinhaber von der Polizei in einem zweiseitigen Brief über den Minderjährigen-Schutz belehren lassen. Verkauft ihr Lokal erneut Alkohol an unter 16-Jährige, müssen sie bei der Suchtpräventionsstelle antraben.

Schulungen für Patentinhaber

Wie Urs Rohr von der Suchtpräventionsstelle der Stadt Zürich auf Anfrage der sda sagte, wurde im Dezember die erste Schulung für fehlbare Patentinhaber durchgeführt. Das Verkaufspersonal sei von dieser Massnahme explizit ausgenommen. Es liege in der Kompetenz des Inhabers, dass er sein Lokal und das Personal im Griff habe.

Bleiben die Restaurantbetreiber und Take-Aways ein drittes Mal in der Kontrolle hängen, kann ihnen das Patent entzogen werden. Man hoffe sehr, dass dieses neue System wirke, sagte Rohr weiter. Nach dem Bundesgerichtsurteil habe man gemerkt, dass viele beim Jugendschutz etwas nachlässiger geworden seien.

Eine erste Bilanz über das neue Bestrafungssystem ziehen Polizei und Suchtprävention im kommenden Herbst.