Gefahr

Jede zehnte Firma erkundigt sich nach Terror-Versicherungen

Das Opernhaus hat eine Versicherung, die bei einem Terrorangriff den Sachschaden und Betriebsausfall deckt. Keystone

Das Opernhaus hat eine Versicherung, die bei einem Terrorangriff den Sachschaden und Betriebsausfall deckt. Keystone

Institutionen und Firmen interessieren sich für Terror-Policen, oft bleibt es aber nur bei Anfragen. Für gewisse grössere Institutionen macht eine Terrorismus-Deckung laut Experten durchaus Sinn.

Öffentliche Gebäude und Plätze sind mögliche Angriffsziele für Terroristen. Je häufiger nun Anschläge in der geografisch näheren Umgebung vorkommen, desto mehr Firmen und Institutionen prüfen Versicherungen, die Terror-Schäden decken. Diese sind in Form einer Zusatzversicherung erhältlich.

Die Stadt Zürich verfügt in ihrer bestehenden Sachversicherung über eine Deckung von Schäden, die durch terroristische Angriffe entstehen. «Dabei sind alle städtischen Dienstabteilungen und das städtische Eigentum versichert», sagt das Finanzdepartement der Stadt Zürich auf Anfrage.

Auch der Regierungsrat verfolgt die Entwicklung des internationalen Terrorismus. Jedoch handelt es sich bei einem relativ kleinen Teil der Risiken um versicherbare Inhalte.

Felix Bührer, ein Sprecher der Finanzdirektion des Kantons Zürich, sagt: «Da der Kanton in der Lage ist, beachtliche Risiken selber zu tragen, schliesst er, wo kein Obligatorium gilt, nur in Ausnahmefällen Versicherungen ab.» Von den freiwillig abgeschlossenen Versicherungen sind die meisten Haftpflichtversicherungen, da damit eine gewisse Auslagerung des Schadenerledigungsaufwands verbunden ist.

Über eine eigentliche Terror-Versicherung aber verfüge der Kanton nicht. «Jedoch über eine eingespielte Führungsorganisation in ausserordentlichen Lagen», wie Bührer sagt.

Firmen an bekannten Orten

Dennoch lohne sich eine Terror-Versicherung für gewisse Institutionen, sagt David Schaffner, Mediensprecher der Zurich Versicherung: «Eine Terrorismusdeckung kann Sinn machen für Institutionen des öffentlichen Interesses, für Gesundheitsorganisationen oder weltweit tätige Verbände. Hinzu kommen Firmen, deren Niederlassungen an bekannten Orten oder Strassen liegen – aber auch für Firmen, die in der Energiebranche tätig oder Betreiber des öffentlichen Verkehrs sind.» Schaffner sagt aber, dass keine erhöhte Nachfrage für die Schweiz festgestellt werde.

Etwa jeder Zehnte Firmenkunde frage in der Schweiz nach einer Terrorismus-Deckung.

Terrorversicherungen für Firmen sind als Zusatzversicherung zu verstehen. Sie umfassen in der Deckung Sach- und Betriebsunterbrechungsschäden. Im Unterschied dazu ist eine Privatperson bei Terrorangriffen versichert, wenn sie über eine obligatorische Unfallversicherung verfügt.

Zudem sind sie in Bezug auf ihr Miet- oder Wohneigentum über die Hausratsversicherung vor Terrorschäden geschützt. Diese übernimmt Feuerschäden und Schäden durch Explosionen, die durch einen Terrorangriff verursacht werden.

Oper und Flughafen versichert

Seit nun einem Jahr ist das Zürcher Opernhaus gegen Terror-Schäden versichert, und zwar beim Versicherer Zurich. Julia Weinecker, Opernhaus-Sprecherin, erklärt die Gründe für die Zusatzversicherung: «In den letzten Jahren ist die Terrorgefahr weltweit allgemein gestiegen, somit hat sich das Opernhaus vor allem aus Sicherheitsgründen und auch auf Empfehlung unseres Versicherungsbrokers hin für diese Versicherung entschieden.»

Diese Zusatzversicherung umfasse in erster Linie Haftpflichtfragen und Leistungen im Falle einer Betriebsunterbrechung. Denn wie Weinecker weiter sagt, sei das Gebäude der Oper schon länger gegen Terrorangriffe versichert.

Die Flughafen Zürich AG ist sogar doppelt versichert: Seit dem Jahr 2003 verfügt der Flughafen über eine sogenannte Terror-Haftpflichtversicherung für Schäden Dritter. Sonja Zöchling, Mediensprecherin des Flughafens Zürich, sagt: «Mit der Terror-Haftpflichtversicherung werden Schäden versichert, die aufgrund eines Terroranschlages am Flughafen Dritten zugefügt werden, sofern der Flughafen für den entstandenen Schaden gesetzlich haftet.» Bei der zweiten Versicherung handle es sich um eine Sachversicherung, die Schäden am Eigentum des Flughafens deckt.

Auch die Eidgenössische Technische Hochschule (ETH) befasst sich mit dem Thema. «Grundsätzlich steht beim Umgang mit Gefahren immer die Prävention im Vordergrund und nicht die Versicherung gegen einen möglichen Schaden», sagt Franziska Schmid, Sprecherin der ETH Zürich. Aber die Hochschule verfüge nebst einer Sach- und Haftpflichtversicherung auch über eine Vielzahl von Spezialpolicen. In gewissen dieser würden Schäden als Folge von Terrorismus gedeckt, so Schmid.

Wie Hallenstadion-CEO Felix Frei auf Anfrage mitteilt, prüfen sie derzeit eine umfassendere Terrorversicherung. Die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) prüften bereits vergangenem November eine entsprechende Versicherung. Mittlerweile haben die SBB alle Züge, Wagen, Bahnhöfe und Gebäude für die Folgen von Terrorangriffen versichern lassen.

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