Vor sechs Jahren ging es um 6311 Quadratmeter Land, das von den Stäfnerinnen und Stäfnern umgezont wurde. Das kostete fünf Millionen Franken Entschädigung. Nun stimmt die Gemeindeversammlung über exakt 6300 Quadratmeter weniger Umzonungsfläche ab. Am 12. Juni befindet sie über elf Quadratmeter Land im Nordwesten der Gemeinde im Ortsteil Uelikon. Das entspricht der Fläche eines Parkplatzes.

Der Vergleich passt, denn die elf Quadratmeter sollen von der Landwirtschaftszone ausgeschieden werden, um eine Ausweichstelle auf der Bauertackerstrasse in der Wohnzone zu schaffen. Hier sollen sich ein Lastwagen und ein Auto begegnen können. Das erspart eine durchgehende Verbreiterung der Strasse, wie sie sonst im Zuge der Erschliessung des Quartiers notwendig würde. Dennoch werden sich einige Stimmbürger beim Studium des Weisungsheftes wundern: Sind elf Quadratmeter Land wirklich ein Fall für die Gemeindeversammlung? Ja, sogar zwingend, denn in Artikel 14 der Stäfner Gemeindeordnung heisst es unmissverständlich: «Die Gemeindeversammlung ist zuständig für die Festsetzung und die Änderung der Bau- und Zonenordnung.»

Eine Mindestgrösse des umzuzonenden Landes fehlt in der Gemeindeordnung, und das ist kein Stäfner Versäumnis. Das bestätigt Markus Pfanner, Sprecher der kantonalen Baudirektion: «Es gibt keine Mindestfläche. Vielmehr muss jede Änderung der Nutzungsplanung (Umzonung, Einzonung, Auszonung) durch die Gemeinde festgesetzt werden.» Pfanner verweist auf Paragraf 88 des kantonalen Plaungs- und Baugesetzes. Dieser lautet: Bau- und Zonenordnungen, Sonderbauvorschriften und öffentliche Gestaltungspläne werden je nach der Gemeindeordnung von der Gemeindeversammlung, vom Stadtparlament oder durch Urnenabstimmung erlassen, geändert oder aufgehoben.

Wert des Bodens ersichtlich

«Von diesem Paragrafen 88 gibt es keine Ausnahmen», sagt Pfanner. «Er gilt für alle Arten von Änderungen der Nutzungsplanung.» Das führt zuweilen zu kuriosen Umzonungsabstimmungen von winzigen Landstücken. «Solche haben wir auch schon gehabt», erzählt der Stäfner Gemeindeschreiber Daniel Scheidegger aus seiner Erfahrung. So waren vor einigen Jahren aufgrund genauerer neuer Vermessungstechniken geringfügige Umzonungen nötig. «Vereinzelt ging es da auch nur um ganz wenige Quadratmeter», sagt er.

Auch Kleinvieh macht Mist

Immerhin hat der Zwang, über jede Umzonung abstimmen zu müssen, auch sein Gutes. Jede Änderung der Zone durch die Gemeindeversammlung gibt auch einen Anhaltspunkt über den Wert des Bodens. Im Fall der elf Quadratmeter in Stäfa ist das allerdings eher eine Veranschaulichung für den planerischen Aufwand. Das Verfahren und der bürokratische Ablauf kosten rund 10 000 Franken, sagt Gemeindeschreiber Scheidegger. Bau- oder Entschädigungskosten fallen in der Bauertackerstrasse hingegen keine an. Macht also pro Quadratmeter etwa 900 Franken – gleich viel wie jeder der 6311 Quadratmeter, für die vor sechs Jahren insgesamt 5 Millionen bezahlt wurden. In Umzonungsdeutsch heisst das: Auch Kleinvieh macht Mist.