Günstiger Wohnraum
Jede dritte Wohnung in der Stadt Zürich soll gemeinnützig werden

Der Anteil gemeinnütziger Wohnungen in der Limmatstadt stieg innert vier Jahren um 0,5 Prozent.

Matthias Scharrer
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Die Genossenschaftssiedlung Kalkbreite zählt zu den bekanntesten gemeinnützigen Wohnbauten, die in Zürich seit 2011 entstanden sind.

Die Genossenschaftssiedlung Kalkbreite zählt zu den bekanntesten gemeinnützigen Wohnbauten, die in Zürich seit 2011 entstanden sind.

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Der gemeinnützige Wohnungsbau in Zürich ist allmählich wieder auf dem Vormarsch. Bis 2050 soll ein Drittel der Mietwohnungen in der Stadt gemeinnützig nach dem Prinzip der Kostenmiete, also zum Selbstkostenpreis, vermietet werden. So haben es die Stimmberechtigten Ende 2011 beschlossen. Gestern zog der Stadtrat eine erste Zwischenbilanz. Und Hochbauvorsteher André Odermatt (SP) hielt fest: «Es braucht die ganze Palette an Mitteln, um dieses Ziel zu erreichen.»

Zur Palette zählt offenbar auch die Statistik. Nach der bisher geltenden Zählweise belief sich der Anteil gemeinnütziger Wohnungen in Zürich Ende 2015 auf 26,2 Prozent. Er lag damit um 0,5 Prozentpunkte höher als Ende 2011. Das entspricht einem Zuwachs um 2400 Wohnungen – und einer Trendwende: In den Jahren 2003 bis 2011 war der Anteil gemeinnütziger Wohnungen in Zürich noch gesunken. Ginge die jetzt wieder erreichte Zunahme im gleichen Tempo weiter, würde die Stadt das 33-Prozent-Ziel allerdings erst Ende der 2060er-Jahre erreichen.

Gemeinnützige Wohnungen in Zürich

Gemeinnützige Wohnungen in Zürich

NCH/MTA

Doch seit 2015 wird der Anteil gemeinnütziger Wohnungen anders erhoben – «genauer», wie Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP) sagte. Und siehe da: Schon liegt er bei 26,8 Prozent. Zählt man auch noch Wohnungen von sozialen Wohnbauträgern wie der Stiftung PWG hinzu, die sich nicht strikt an das Prinzip der Kostenmiete halten, sind es bereits 29,3 Prozent. Und nimmt man den Anteil der Personen, die in gemeinnützigen Wohnungen wohnen, sind es gar 33,8 Prozent.

«Investitionen, die sich lohnen»

Mauchs Fazit nach dieser Zahlenakrobatik: «Wir sind auf Kurs.» Ein Drittel gemeinnützige Wohnungen bleibe jedoch ein anspruchsvolles Ziel. Der Weg dorthin werde einiges kosten. «Aber das sind Investitionen, die sich lohnen.» Es sei kein Zufall, dass in Ranglisten der Städte mit der höchsten Lebensqualität Zürich und Wien jeweils ganz vorne mitmischen – zwei Hochburgen des gemeinnützigen Wohnungsbaus. «Lebensqualität hat auch mit einer guten sozialen Durchmischung zu tun», so Mauch. Der Stadtrat werde sich weiter dafür einsetzen.

Die Förderung des gemeinnützigen Wohnungsbaus findet in einem schwierigen Umfeld statt, wie Zürichs Finanzvorsteher Daniel Leupi (Grüne) betonte: Die Bevölkerung wächst, die Bautätigkeit ist gross – und der Konkurrenzkampf um das knapper werdende Bauland lasse dessen Preise «exorbitant» steigen. Um den Anteil der gemeinnützigen Wohnungen weiter auszubauen, will die Stadt laut Leupi bis 2022 zehn kommunale Wohnsiedlungen mit insgesamt 1500 Wohnungen erstellen respektive sanieren. Hinzu kommen 728 neue Wohnungen der städtischen Stiftungen für kinderreiche Familien und für Alterswohnungen.

Auch die neue, vom Stimmvolk 2013 mit 80 Millionen Franken dotierte Stiftung «einfach Wohnen» erhalte nun Land im Baurecht. Zudem hat die Stadt Zürich zwischen 2012 und 2015 Bauland gekauft, auf dem ebenfalls günstiger Wohn- und Gewerberaum entstehen soll, darunter das Gerold- und das Kochareal. Die Trendwende hin zu einem wachsenden Anteil von Wohnungen mit Kostenmiete wolle die Stadt weiter durch Abgabe von Land im Baurecht an nicht-städtische gemeinnützige Wohnbauträger verstärken. So sind seit 2012 knapp 600 Wohnungen entstanden, darunter als bekanntestes Beispiel die Siedlung der Genossenschaft Kalkbreite. Weitere 1500 Wohnungen von verschiedenen Genossenschaften seien in Planung.

Günstigen Wohnraum für weitere 1000 Personen verspricht sich Leupi von der neu erarbeiteten städtischen Vermietungsverordnung, die derzeit noch in der zuständigen Gemeinderatskommission pendent ist. Sie soll einen Missstand beheben, der in den letzten Jahren für scharfe Kritik sorgte: Rund 1000 städtische Wohnungen sind gemäss Leupi unterbelegt. Auch neues kantonales Recht will der Stadtrat nutzen, um seine wohnpolitischen Ziele umzusetzen. 2014 hiess das kantonale Stimmvolk eine Gesetzesvorlage gut, die es Gemeinden erlaubt, in Bauzonen einen Mindestanteil gemeinnütziger Wohnungen vorzuschreiben. Die entsprechende Umsetzungsverordnung ist noch bei der Kantonsregierung in Arbeit.