Damit lag er im Trend: Sehr viele Texte befassten sich mit der Ungleichheit von Arm und Reich - und den Geschlechtern. Der Titel im Team-Wettbewerb blieb im Gastgeberland Schweiz. Das Duo Interrobang, Valerio Moser und Manuel Diener, gewann zum zweiten Mal nach 2015 - frenetisch bejubelt vom Publikum in Zürich.

"Ich freue mich, dass die Deutschsprachigen Meisterschaften in einem Land sind, in dem man gar kein richtiges Deutsch spricht", witzelte der Moderator des Team-Finales, Michel Abdollahi, am Freitag. Bei den Meisterschaften waren knapp 200 Künstler aus Deutschland, Österreich, Luxemburg, der Schweiz und aus dem seit 1918 italienischen Südtirol im Einzel- oder Teamwettbewerb angetreten.

Der Einzel-Meister Kindler sagte, sein Sieg habe ihn eher überrascht. "Ich hätte eigentlich gedacht, dass jemand aus der Schweiz gewinnt."

Beim Poetry Slam tragen die Künstler selbst geschriebene Texte vor. Eine Publikums-Jury bewertet den Auftritt und schickt die Besten über mehrere Runden ins Finale. Dort entschied in Zürich der Applaus.

Kindler, der als freischaffender Autor arbeitet, sagte, er schreibe immer über das, was ihn bewege. "Das ist ja immer die grosse Frage, ob man als Künstler auf der Bühne Verantwortung tragen soll. Ich erkenne sie auf jeden Fall an." Der Sieg bei den Meisterschaften bedeute viel. Er werde jetzt wohl viele Anfragen erhalten, sagte Kindler. "Ich werde lernen müssen, "nein" zu sagen."

Apfelbaum und Whiskey

Offiziell gab es nur einen Apfelbaum und Whiskey zu gewinnen. Einige seiner Vorgänger sind inzwischen aber erfolgreiche Autoren. Der bekannteste dürfte Marc-Uwe Kling ("Die Känguru-Chroniken") sein.

Nach Angaben der Veranstalter besuchten rund 15'000 Menschen das fünftägige Festival in Zürich. Die meisten kamen aus der Schweiz. Etwa zehn Prozent seien aus Deutschland und Österreich angereist, sagte ein Sprecher. Die nächste Meisterschaft im Poetry Slam wird 2019 in Berlin veranstaltet.