Mindestfallzahlen

Je mehr Operationen, desto tiefer das Risiko für die Patienten

Mit der neuen Spitalliste sieht das Universitätsspital Basel die Qualität seiner Behandlungen gefährdet. JEAN-CHRISTOPHE BOTT/Keystone

Mit der neuen Spitalliste sieht das Universitätsspital Basel die Qualität seiner Behandlungen gefährdet. JEAN-CHRISTOPHE BOTT/Keystone

Durch die Einführung von Mindestfallzahlen bei einer Reihe von Spitalbehandlungen im Kanton Zürich haben sich Qualität und Wirtschaftlichkeit verbessert. Es werden weniger Operationen in Spitälern mit wenig Routine durchgeführt. Nun sollen die Mindestfallzahlen erhöht, beziehungsweise neue eingeführt werden.

Mit der Spitalliste 2012 hat Zürich als erster Kanton in der Schweiz Mindestfallzahlen für medizinische Eingriffe festgelegt. In ihrem am Freitag publizierten Bericht zur Zürcher Gesundheitsversorgung zieht die Gesundheitsdirektion nun eine positive Bilanz.

Mindestfallzahlen bilden eine wichtige Qualitätsanforderung für Zürcher Listenspitäler, denn grundsätzlich gilt: Mit steigenden Fallzahlen steigt die Qualität der Behandlung und sinkt das Risiko, dass bei einem Eingriff Fehler passieren, wie es in einer Mitteilung der Gesundheitsdirektion vom Freitag heisst.

Die Vorgaben haben zur gewünschten Konzentration der spezialisierten Leistungen auf weniger Spitäler geführt. Ausserdem haben sich die Mindestfallzahlen auch hinsichtlich Qualität und Wirtschaftlichkeit positiv ausgewirkt.

Die Sterblichkeit ist laut Mitteilung bei Behandlungen mit Mindestfallzahlen mehr als doppelt so stark gesunken wie bei Behandlungen ohne Mindestfallzahl-Vorgaben. Die Fallkosten sind rund dreimal weniger stark gestiegen bei Behandlungen mit Mindestfallzahlen als in den übrigen Bereichen.

Vorgaben sollen ausgeweitet werden

Bislang sind Mindestfallzahlen für 29 verschiedene stationäre Eingriffe festgelegt worden, wie beispielsweise Prostataentfernungen, Lungenkrebsbehandlungen oder spezielle Wirbelsäulenoperationen. Noch keine Vorgaben gibt es etwa für die operative Behandlung von Brustkrebs.

Bei der Einführung wurde bewusst eine minimale Schwelle gewählt: Bei 26 der 29 Operationen, für die es Mindestfallzahl-Vorgaben gibt, sind jährlich lediglich 10 Fälle vorgeschrieben.

Internationale wissenschaftliche Studien und Mindestfallzahl-Vorgaben in anderen Ländern zeigen, dass es sinnvoll wäre, Mindestfallzahlen für weitere Behandlungen einzuführen beziehungsweise die Mindestfallzahlen zu erhöhen. So gelten in verschiedenen Ländern für Prostataentfernungen und die operative Behandlung von Brustkrebs Mindestfallzahlen von 50 Fällen pro Spital.

Der Kanton Zürich geht deshalb nun einen Schritt weiter und plant, bei einigen Behandlungen die Mindestfallzahl zu erhöhen, beziehungsweise neu Mindestfallzahlen einzuführen. Geprüft wird ausserdem, ob bei gewissen spezialisierten Behandlungen auch Mindestfallzahlen pro Operateur festgelegt werden sollen.

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