Klimastreik zur grünen Welle

Jahresrückblick 2019: Das waren die wichtigsten Ereignisse in Zürich

Martin Neukom (Grüne) holt im März einen Regierungsratssitz, Parteikollegin Marionna Schlatter wird im Herbst Nationalrätin.

Martin Neukom (Grüne) holt im März einen Regierungsratssitz, Parteikollegin Marionna Schlatter wird im Herbst Nationalrätin.

8. Januar: Neubauten für Uni und Unispital

Das Milliardenprojekt neues Zürcher Hochschulquartier nimmt Konturen an: Erste Siegerprojekte für Unispital- und Universitätsneubauten der Stararchitekten Herzog/de Meuron sowie Christ/Gantenbein werden präsentiert.

19. Januar: Klimajugend erobert die Strasse

Am 19. Januar nehmen in Zürich rund 2000 Jugendliche am Klimastreik teil. Es ist die erste grosse Klimademo in Zürich; weitere folgen. Zentrale Forderung: Die Treibhausgas-Emissionen sollen bis 2030 auf netto null reduziert werden. Der Druck von der Strasse wirkt: Am 13. Mai spricht sich der grüner gewordene Zürcher Kantonsrat für die Ausrufung des Klimanotstands aus. Am 22. Mai übernimmt der Zürcher Stadtrat das Kernanliegen der Klimajugend und peilt die Senkung der Treibhausgasemissionen auf null Tonnen pro Kopf und Jahr an.

Grosse Mobilisierung auch in Zürich: Junge Frau mit Magaphon an der Klimademo.

Grosse Mobilisierung auch in Zürich: Junge Frau mit Magaphon an der Klimademo.

10. Februar: Stimmvolk lehnt Wassergesetz ab

Die kantonale Volksabstimmung vom 10. Februar über das Wassergesetz läutet eine politische Wende ein: Das Volk überstimmt die damals noch klar bürgerliche Mehrheit im Kantonsrat und lehnt das Wassergesetz ab. Das ökologische Lager aus SP, Grünen, GLP, EVP, BDP und AL setzt sich durch, indem es vor einer (Teil-)Privatisierung der Wasserversorgung warnt und auf Gewässer- und Hochwasserschutz pocht.

24. März: Grüne erobern Regierungsratssitz

Bei den kantonalen Wahlen am 24. März holen die Grünen mit dem 32-jährigen Martin Neukom einen Regierungsratssitz auf Kosten der FDP. Neukom wird Baudirektor und damit Zürichs Energieminister. Die Grünen und die GLP sind die grossen Sieger der Wahlen: Beide Parteien legen je rund fünf Prozentpunkte zu. Im Kantonsrat entsteht damit eine neue Mehrheit der Ökoallianz aus SP, AL, Grünen, GLP und EVP. In ökologischen Fragen ist dies schon bald spürbar. Ansonsten wird die GLP zur Mehrheitsbeschafferin zwischen der rechten und der linken Ratsseite. Grosser Wahlverlierer im Kantonsrat ist die SVP, deren Kantonalparteipräsident Konrad Langhart daraufhin aus dem Amt gedrängt wird. Im Regierungsrat bleibt die SVP stabil: Ihre Kandidatin Natalie Rickli verteidigt den Sitz des nicht mehr angetretenen Markus Kägi. Der Regierungsrat ist damit weiterhin mehrheitlich bürgerlich.

24. April: Das PJZ wird um 50 Millionen teurer

Der Bau des kantonalen Polizei- und Justizzentrums (PJZ) in Zürich-West wird nochmals um 50 Millionen Franken teurer, wie der Regierungsrat bekanntgibt. Als Gründe führt die Regierung gestiegene Anforderungen an. So soll das strenge Zürcher Untersuchungshaft-Regime künftig humaner gestaltet werden. Die Gesamtkosten steigen auf 738,5 Millionen Franken. Das PJZ ist einer der grössten Bauten des Kantons Zürich und gilt als äusserst komplex. Der Rohbau ist inzwischen erstellt, gegen Jahresende hat der Innenausbau begonnen. Ab 2021 soll das PJZ bezogen werden.

22. Mai: Gestaltungsplan für ZKB-Seilbahn steht

Das ZKB-Jubiläumsprojekt einer Seilbahn über den Zürichsee scheint im Frühling in Fahrt zu kommen: Am 22. Mai wird bekannt, dass der Regierungsrat den entsprechenden Gestaltungsplan festgesetzt hat. Doch es gibt Einsprachen, und am Ende des Jahres erhalten die Gegner vor Gericht recht. Nun dürfte das Projekt zum 150-Jahr-Jubiläum der Zürcher Kantonalbank 2020 kaum noch zu Stande kommen.

Eine Visualisierung der ZKB-Seilbahn

Eine Visualisierung der ZKB-Seilbahn

28. Mai: Gestaltungsplan fürs Stadion Zürich

Und noch ein Langzeit-Grossprojekt ist in der Schwebe: Am 28. Mai wird zwar bekannt, dass der Zürcher Stadtrat den Gestaltungsplan fürs Stadion Zürich gutheisst. Und Anfang Juli wird das auf dem Hardturmareal geplante Stadion schon mal auf den Namen seines Hauptsponsors als «Credit Suisse Arena» getauft. Doch es gibt weiterhin Widerstand. Ende Jahr zeigt sich, dass die Stadion-Gegner das Referendum gegen den Gestaltungsplan ergreifen. Damit kündigt sich die mittlerweile bereits vierte Volksabstimmung seit 2003 für den Hardturm-Ersatzneubau an.

14. Juni: 160'000 am Frauenstreik in Zürich

Der nationale Frauenstreik wird in Zürich am 14. Juni zu einer der grössten Kundgebungen, die es hierzulande je gab: Gemäss Angaben des Schweizerischen Gewerkschaftsbunds demonstrieren allein in der Limmatstadt rund 160000 Menschen für mehr Gleichstellung von Mann und Frau.

Demonstration am Frauenstreik in Zürich am Freitag, 14. Juni 2019.

Demonstration am Frauenstreik in Zürich am Freitag, 14. Juni 2019.

14./15. Juni: 55'000 am Zurich Pride Festival

Am 14. und 15. Juni erlebt Zürich gleich noch eine Grosskundgebung von historischem Ausmass: Am Zurich Pride Festival nehmen laut Angaben der Veranstalter insgesamt 55000 Personen teil, um für eine offene Gesellschaft und mehr Gleichberechtigung für Schwule, Lesben, Bisexuelle und Transgender-Menschen zu demonstrieren.

5.–7. Juli: Züri-Fäscht neu mit Drohnenshow

Das alle drei Jahre stattfindende Züri-Fäscht versetzt die Stadt wieder einmal in ausgelassene Partystimmung: An den drei Festtagen vom 5. bis 7. Juli werden in der Innenstadt insgesamt rund 2,5 Millionen Festbesucherinnen und -besucher gezählt. Erstmals erleuchtet nebst dem traditionellen Feuerwerk auch eine Drohnenflugshow den Nachthimmel über dem Züri-Fäscht.

Das Züri Fäscht ist das grösste Stadtfest der Schweiz.

Das Züri Fäscht ist das grösste Stadtfest der Schweiz.

10. August: Schrecken an der Street Parade

Die 28. Ausgabe der Street Parade lockt am 10. August rund 850000 Teilnehmende aus dem In- und Ausland zum Techno-Tanz ums Zürcher Seebecken. Für Schreckensmomente sorgt eine Bomben-Attrappe, die ein 31-jähriger Deutscher beim Utoquai deponiert hat. Die Polizei sperrt das Gebiet ab und nimmt den im Aargau wohnhaften Täter am Sonntagabend fest. Er wird gegen Jahresende zu einer sechsmonatigen bedingten Freiheitsstrafe verurteilt.

Attrappenbomber in Bremgarten verhaftet (14. August 2019)

Attrappenbomber in Bremgarten verhaftet

Attrappenbomber in Bremgarten verhaftet (14. August 2019)

   

1. September: Volk heisst Steuervorlage gut

Das Zürcher Stimmvolk befürwortet die kantonale Umsetzung der Steuervorlage 17. Alte Steuerprivilegien für vorwiegend im Ausland tätige Holding-Gesellschaften fallen weg. Dafür wird unter anderem die Gewinnsteuer für alle Zürcher Firmen um einen Prozentpunkt gesenkt.

20. Oktober: Grüne und GLP gewinnen erneut

Bei den National- und Ständeratswahlen vom 20. Oktober geht der Siegeszug der Öko-Parteien weiter: Die Grünen haben nun 5 statt wie vorher 2, die GLP 6 (zuvor 3) der 35 Zürcher Nationalratssitze. Verlierer sind die SP und die SVP mit je zwei Sitzverlusten sowie die CVP und BDP mit je einem Sitzverlust. Daniel Jositsch (SP) verteidigt seinen Ständeratssitz. Im zweiten Wahlgang am 17. November wird auch Ruedi Noser (FDP) als Ständerat wiedergewählt.

15. November: Das neue Tram ist da

Am 15. November kommt das erste Exemplar der neuen Züri-Tram-Generation in der Limmatstadt an. Hersteller sind die Bombardier-Werke in Wien. Testfahrten beginnen. Ab dem Frühsommer 2020 soll das Flexitytram regulär in Betrieb gehen. In der Zwischenzeit reduzieren die Verkehrsbetriebe Zürich ab 25. November mangels Rollmaterial ihren Betrieb. Die Ausschreibung fürs neue Tram war bereits 2011 erfolgt. Finanzierungsprobleme und ein Rekurs hatten für Verzögerungen gesorgt.

Blick auf die Maquette des neuen Züri-Trams "Flexity", aufgenommen am Dienstag, 24. April 2018 in Zürich

Blick auf die Maquette des neuen Züri-Trams "Flexity", aufgenommen am Dienstag, 24. April 2018 in Zürich

26. November: Köbi Kuhn ist tot

Die Zürcher Fussballlegende Köbi Kuhn stirbt am 26. November im Alter von 76 Jahren im Spital Zollikerberg. Kuhn gewann mit dem FC Zürich, für den er 554 Spiele absolvierte, zwischen 1960 und 1977 sechsmal die Schweizer Meisterschaft und fünfmal den Cup. Er kam in 63 Länderspielen für die Schweiz zum Einsatz. Von 2001 bis zur Europameisterschaft 2008 war er Trainer der Schweizer Fussballnationalmannschaft. Seine fussballerischen Wurzeln hatte er beim Zürcher Quartierclub FC Wiedikon. Die letzten Jahre seines Lebens verbrachte Kuhn in Birmensdorf.

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