"Ich werde Jacqueline sicher nicht heiraten", frotzelte Mario Fehr an der Wahlmedienkonferenz. "Erstens bin ich schon verheiratet, und zweitens trägt sie ja bereits meinen Namen." Mit ihrer politischen Erfahrung auf nationaler Ebene passe sie ausgezeichnet in die Kantonsregierung.

Dass die beiden Kandidierenden auf den Wahlplakaten je einzeln und nicht gemeinsam abgebildet sind, hatte in den letzten Wochen die Spekulationen ins Kraut schiessen lassen. In den Medien wurde daraus der Schluss gezogen, Jacqueline und Mario, seien derart verfeindet, dass sich Mario geweigert habe, gemeinsam mit Jacqueline zu posieren.

Seit 24 Jahren arbeite er nun schon mit Jacqueline zusammen, sagte Mario Fehr. Dass es dabei hin und wieder unterschiedliche Ansichten gebe, sei ganz normal. Und Jacqueline Fehr ergänzte: "Wir habe eine zu lange politische Vergangenheit, als dass wir etwas vorspielen müssten." Zusammen könnten sie im Regierungsrat "ein starkes Team" sein.

Nicht ansatzweise teilen kann Mario Fehr auch das von der Zürcher Regierung gezeichnete Bild. "Wir haben ein tolles Team, eine echte Kollegialbehörde." Es werde hart um Lösungen gerungen und einmal gefundene Lösungen würden gemeinsam getragen. Seiner Ansicht nach ist der Kanton Zürich in den letzten vier Jahren sicherer, sozialer und sportlicher geworden.

Wahlplakat von Jacqueline und Mario Fehr.

Wahlplakat von Jacqueline und Mario Fehr.

"Sozialtourismus" verhindern

In der Asylbetreuung sei der Job "ohne viel Aufhebens" gemacht worden. Genau das sei auch sein Ziel gewesen. Bei der Neustrukturierung des Asylwesens habe er seine bundespolitischen Erfahrungen und Netzwerke einbringen können, erklärte Fehr.

Dafür habe der Kanton Zürich auch etwa zurückbekommen. Als Kompensation der Leistungen müsse er jährlich zwischen 400 und 800 Asylsuchende weniger aufnehmen.

Harte Auseinandersetzungen erwartet der Sicherheitsdirektor in den nächsten Monaten zur Sozialhilfe. Inhaltliche Reformen seien zwar nötig, damit die Ziele der Sozialhilfe erreicht würden. Mit aller Vehemenz werde er sich jedoch gegen einen Austritt des Kantons Zürich aus der Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe (SKOS) einsetzten. Es gehe darum, einen "Sozialtourismus" zu verhindern.

Bildung und Forschung stärken

Ihre politischen Erfahrungen auf der nationalen Bühne möchte auch Jacqueline Fehr in die Regierung einbringen. Immer wieder habe sie den Beweis erbracht, dass sie eine "Brückenbauerin" sei und über die Parteigrenzen hinaus Koalitionen schmieden könne.

Die SP-Nationalrätin wünscht sich einen Kanton, der in Bildung, Forschung und Innovationen eine Pionierrolle spielt. Ein weiteres Anliegen sei ihr bezahlbarer Wohn- und Gewerberaum. Zudem müsse die Energiewende vorangetrieben werden. Das schaffe Arbeitsplätze für die Zukunft.

"Nicht dreinschiessen" lautet ihre Devise nach dem Abschied von der Franken-Untergrenze. Auf keinen Fall dürften nun die Arbeitsbedingungen verschlechtert werden. Das führe zu Verunsicherungen und fördere letztlich die Fantasie der Abschottung. Was es jetzt brauche, seien eine Stärkung von innovativen Unternehmen und Investitionen in Innovationen.

SP will 3 bis 5 zusätzliche Sitze

"Wir packen an": Mit diesem Wahlslogan will die SP am 12. April nicht nur ihre beiden Sitze in der Regierung verteidigen, sondern auch im Kantonsparlament zulegen. Ziel sei, den Wähleranteil von 19,3 Prozent um 2 Prozentpunkte zu steigern und 3 bis 5 zusätzliche Sitze zu erobern, sagte Parteipräsident Daniel Frei.

Für Fraktionschef Markus Späth ist es wichtig, dass im Parlament die Mehrheitsverhältnisse geändert werden. In den vergangenen vier Jahren sei es kompliziert und anspruchsvoller geworden, Mehrheiten zu schmieden. Die neuen Parteien GLP und BDP seien noch immer auf Identitätssuche und vor allem die BDP sei unberechenbar.

Insgesamt zog Späth aber eine positive Bilanz. So sei es gelungen, massive Steuersenkungen zugunsten von Privilegierten zu verhindern. Die Wohnbauinitiative "Zonen für preisgünstiges Wohnen in allen Gemeinden" sei angenommen worden. Und zur Wohnbauinitiative "Fonds für gemeinnützige Wohnbauförderung" sei ein Gegenvorschlag erwirkt worden, der ausgezeichnete Erfolgsaussichten habe.