Pensionskassen-Betrug

Italienische Gastarbeiter um Renten gebracht: Millionenbetrüger steht vor Zürcher Obergericht

Mit gefälschten Urkunden war es dem Vermögensverwalter gelungen, Pensionskassen und Freizügigkeitsstiftungen in der Schweiz dazu zu bewegen, das Vorsorgegeld von italienischen Gastarbeitern an sich auszuzahlen, bevor diese pensioniert wurden. (Archivbild)

Mit gefälschten Urkunden war es dem Vermögensverwalter gelungen, Pensionskassen und Freizügigkeitsstiftungen in der Schweiz dazu zu bewegen, das Vorsorgegeld von italienischen Gastarbeitern an sich auszuzahlen, bevor diese pensioniert wurden. (Archivbild)

Ein italienischer Vermögensverwalter steht heute vor dem Zürcher Obergericht. Er hat von 2001 bis 2009 die Pensionskassengelder von 250 italienischen Arbeitern in der Schweiz veruntreut - insgesamt 34 Millionen Franken. In erster Instanz hat er eine Freiheitsstrafe von 9 Jahren erhalten.

Mit gefälschten Urkunden war es dem Vermögensverwalter gelungen, Pensionskassen und Freizügigkeitsstiftungen in der Schweiz dazu zu bewegen, das Vorsorgegeld von italienischen Gastarbeitern an sich auszuzahlen, bevor diese pensioniert wurden.

Zu diesem Zweck hatte er zahlreiche Konten bei verschiedenen Banken eingerichtet. Sie lauteten auf den Verein "INCA-CGIL Svizzera", der sich um die finanziellen Belange der Migranten kümmerte, die selbst wenig Deutschkenntnisse besassen.

Geschädigte sind einfache Leute

An den Konten hatte jedoch der Vermögensverwalter die alleinige Berechtigung. Von 2001 bis 2009 leitete er 34 Millionen Franken auf diese Konten um. Einen Grossteil des Geldes bezahlte er als Renten aus, um sein Vorgehen zu verschleiern. Von über sieben Millionen Franken fehlt jede Spur.

Bei den Geschädigten handelt es sich um einfache Arbeiter, die in bescheidenen Verhältnissen lebten. Ein Teil von ihnen wählte den juristischen Weg, um ihre Renten zurückzuerhalten. Manche sind bis vor Bundesgericht gelangt, das jeden einzelnen Fall prüft.

"Es war ein Kinderspiel"

"Es war ein Kinderspiel", hatte der Vermögensverwalter 2015 vor dem Zürcher Bezirksgericht über sein Delikt gesagt. Weil die Vorsorgeeinrichtungen das Geld so einfach auf Drittkonten überwiesen hatten, habe er auch immer weitergemacht.

Der Vermögensverwalter hatte aus Geldnot die schiefe Bahn gewählt: Trotz einem guten Lohn und einem Lottogewinn 1997 von 750'000 Franken hatte er Mitte 2001 einen Schuldenberg von 300'000 Franken angehäuft.

Mit den veruntreuten Millionen soll er ähnlich umgegangen sein: Innert acht Jahren will er über sieben Millionen Franken für Luxusartikel, Ferien und seine fünf Geliebten ausgegeben haben.

Das Bezirksgericht verurteilte ihn im Sommer 2015 zu einer Haftstrafe von neun Jahren und dazu, den Opfern ihr Geld zu erstatten. Nach Verbüssung der Strafe würde er des Landes verwiesen. Heute Nachmittag wird der Fall vor Obergericht verhandelt.

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