Die Zahl der Heiratswilligen im Kanton Zürich sinkt. Im vergangenen Jahr haben sich 8200 Paare auf einem Zivilstandsamt das Ja-Wort gegeben. Diese Zahl ist laut dem Statistischen Amt des Kantons Zürich seit 15 Jahren mehr oder weniger stabil. Weil über den gleichen Zeitraum hinweg die Bevölkerung stark wuchs, ist das Fazit klar: Die Heiratswilligkeit nimmt ab und Ehen werden später eingegangen als noch in den 1960er-Jahren, dem «goldenen Zeitalter der Ehe».

Wurden 2002 noch sieben Ehen pro 1000 Einwohner geschlossen, waren es im vergangenen Jahr noch fünfeinhalb. Dass die Zahl der Eheschliessungen sinkt, hat laut den Statistikern unterschiedliche Gründe.

Schon zu Beginn der 1970er-Jahre brachen die Heiratszahlen ein. Dies hat mit einem Mentalitätswandel zu tun gehabt, den die sexuelle Revolution auslöste. Durch die Möglichkeit der hormonellen Schwangerschaftsverhütung wurde das Leben als Eltern hinterfragt.

Kinderwunsch beeinflusst

Zwar ist die Ehe als Institution nach wie vor attraktiv, besonders dann wenn Kinder ein Thema sind. Die Statistiken zeigen, dass drei Viertel aller Kinder von verheirateten Müttern geboren werden.

Abgesehen davon aber hat die Lebensform Ehe Konkurrenz bekommen. So werden heute auch Alternativen gelebt, wie die «wilde Ehe» mit oder ohne Kinder, welche heute auch Konsensualpartnerschaft genannt wird. Es gibt auch Partnerschaften mit getrennten Haushalten. Zudem können seit 2007 gleichgeschlechtliche Partnerschaften standesamtlich eingetragen werden. Es handelt sich dabei um einen eheähnlichen Zivilstand.

Es wird zudem nicht nur seltener, sondern auch später geheiratet. Deshalb wird auch das Alter bei der Erstheirat genauer untersucht. Im vergangenen Jahr haben 63 Prozent der Frauen und 55 Prozent der Männer vor ihrem 50. Altersjahr geheiratet. Noch vor 15 Jahren lag dieser Wert bei Frauen und Männern 13 Prozent höher.

Die Altersgruppe zwischen 30 und 34 Jahren ist jene, die bei beiden Geschlechtern am häufigsten heiratet. 1970 war die Mehrheit der erstmals Heiratenden zwischen 20 und 29 Jahren alt. Ähnlich hat sich auch die häufigste Alterskombination der Erstheiratenden verschoben. In den 1970er-Jahren waren es am häufigsten ein 25-jähriger Mann und eine 23-jährige Frau. Heute sind beide Ehepartner zumeist über 30 Jahre alt.

Auch eine zweite oder dritte Ehe wird heute seltener eingegangen. Einerseits sinken die Scheidungszahlen, andererseits verheiraten sich Geschiedene nicht mehr so schnell wie früher.

Mehr Eintragungen in Städten

Gleichgeschlechtliche Paare sind bei der Eintragung der Partnerschaft deutlich älter als Erstheiratende. Männer wie Frauen sind im Schnitt bereits über 40 Jahre alt. Die Statistiker nennen für diesen Unterschied mehrere Gründe. Zum einen ist die Eintragung von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften erst seit elf Jahren möglich. Es lassen sich auch ältere Paare eintragen, die es vielleicht früher getan hätten, dazu aber keine Möglichkeit hatten.

Zudem ist bei homosexuellen Paaren die Familienplanung ein untergeordneteres Thema als in Ehen zwischen Frau und Mann. Auch so lässt sich das späte Eintragen der Partnerschaft erklären.

Im vergangenen Jahr haben im Kanton Zürich 245 homosexuelle Paare ihre Partnerschaft eingetragen. Seit elf Jahren liegt die Zahl dieser Eintragungen bei zwischen 200 und 300 pro Jahr. Lediglich im Jahr der Einführung liessen sich insgesamt 700 Paare registrieren. Das Eintragen der gleichgeschlechtlichen Partnerschaft wird mehrheitlich von Männern genutzt.

Dass rund 30 Prozent der Registrierungen gleichgeschlechtlicher Partnerschaften in der Schweiz im Kanton Zürich stattfinden, hat mit der Stadt Zürich zu tun. Urbane Zentren weisen in der Regel überdurchschnittlich viele gleichgeschlechtliche Paare aus.

So liegt auch die Zahl der Eintragungen in den Kantonen Genf, Basel-Stadt und Waadt über dem schweizweiten Durchschnitt.