Sicherheit vor Drohnen

Ist der Flugplatz Dübendorf gewappnet fürs WEF?

Eine Sicherheitsanalyse soll klären, ob in Dübendorf für das WEF eine Drohnenabwehr-Anlage benötigt wird. Symbolbild: Keystone

Eine Sicherheitsanalyse soll klären, ob in Dübendorf für das WEF eine Drohnenabwehr-Anlage benötigt wird. Symbolbild: Keystone

Die Störaktionen mit Drohnen an Flughäfen in England haben auch Auswirkungen auf die Risiko-Beurteilung des Flugplatzes Dübendorf. Eventuell kommen während des WEF-Flugbetriebs moderne Drohnenabwehr-Systeme zum Einsatz

Drohnen machen spektakuläre Aufnahmen aus der Luft oder überwachen weitläufige landwirtschaftliche Felder kostengünstig. Die jüngsten Vorfälle in England haben jedoch gezeigt, dass sie auch für böswillige Absichten sehr wirkungsvoll sein können. Auf den Flughäfen Gatwick und Heathrow musste der Flugbetrieb wegen Drohnen für mehrere Stunden eingestellt werden.

Grössere Drohnen, wie sie in den genannten Fällen eingesetzt wurden, sind inzwischen für einige hundert Franken erhältlich. Und ein Pilot kann eine Drohne – wie geschehen in England – dank Videoübertragung aus dem Versteckten steuern. Auf den englischen Flughäfen sind indessen Anlagen zur Drohnen-Abwehr in Betrieb. Doch wie sieht es beim Flugplatz Dübendorf aus, der nächste Woche wieder als Luftbrücke für hochrangige WEF-Teilnehmer genutzt werden wird?

Für Markus Burkhard, Chef Operationen am Flugplatz Dübendorf, ist klar: «Würde während des ausserordentlichen Betriebs für das Weltwirtschaftsforum eine Drohne in Nähe des Flugplatzes registriert, wird sofort eingegriffen.» Doch eine unangemeldete Drohne, die in den gesperrten Luftraum über dem Flugplatz eindringt, muss erst visuell lokalisiert werden, da sie aufgrund der Grösse vom Radar nicht erfasst werden kann. Die Kantonspolizei habe den Verantwortlichen in der Vergangenheit mehrfach Drohnen-Sichtungen gemeldet, sagt Burkhard.

Absturz per Knopfdruck

Ein Fluggerät, das unerlaubt in einen gesperrten Luftraum eindringt, kann von einer Drohnenabwehr-Anlage abgefangen werden. Neuste Systeme, wie etwa des deutschen Herstellers Aaronia, sind in der Lage, Drohnen über deren Signale, die sie an den Piloten sendet, präzis zu Orten. Je nach Beurteilung der Bedrohung kann der Störsender des Systems eingesetzt werden. Dieser bewirkt, dass die Steuersignale des Piloten nicht mehr bei der Drohne ankommen, was zum Absturz oder zu einer automatischen Landung führt.

Auf dem Flugplatz Dübendorf sei jedoch noch keine vergleichbare Anlage installiert, sagt Burkhard. Es sei derzeit noch eine Safety-Analyse in Arbeit, die in der Folge der Störungen auf den englischen Flughäfen angeordnet worden sei. «Falls die Analyse zum Schluss kommt, dass von Drohnen ein hinreichendes Gefährdungspotenzial ausgeht, kann ich nicht ausschliessen, dass wir während dem WEF-Flugbetrieb auf dem Gelände eine mobile Anlage zur Drohnen-Abwehr installieren werden.»

Eine solche Anlage hätte – je nach Typ – nebst der Bekämpfung einen weiteren Nutzen: das Aufspüren des Piloten. Denn dies gestalte sich meist sehr schwierig, sagt auch Christian Schubert vom Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl): «Die Identifikation des fehlbaren Piloten, etwa bei einer Missachtung von Flugverbotszonen, ist äusserst schwierig.» Sie stünden oft ausser Sichtweite am Boden und könnten ungesehen verschwinden.

Das Aufspüren des Piloten sei in erster Linie Aufgabe der Blaulichtorganisationen, sagt Burkhard. Die Kantonspolizei wird auch dieses Jahr mit grösserem Aufgebot nahe um den Flugplatz patrouillieren. Über das Aufspüren von Drohnen und allfälligen spezifischen Abwehrmassnahmen seitens der Kantonspolizei hält man sich indes bedeckt: «Im Interesse der Sicherheit verbreiten wir keine polizeitaktischen Massnahmen», sagt Mediensprecher Ralph Hirt auf Anfrage.

Auch wenn auf dem Flugplatz Dübendorf nächste Woche keine zusätzlichen Drohnen-Abwehrmassnahmen zum Einsatz kommen sollten, werde man besonders aufmerksam sein. «Die Lotsen im Tower haben eine gute Übersicht über den nahen Luftraum», sagt Burkard. Aber auch die zusätzlichen Truppen am Boden und nicht zuletzt die Bevölkerung seien nicht zu unterschätzen, was das Ausmachen von illegalen Fluggeräten betreffe. «Ich gehe davon aus, dass uns eine Drohne, welche sich in der Flugverbotszone bewegt, von der Bevölkerung gemeldet würden würde.» Bis jetzt habe man mit solchen Hinweisen positive Erfahrungen gemacht, so Burkhard.

Bis zu zehn Jahre Gefängnis

Das absichtliche Stören des Flugverkehrs, wie etwa das Fliegen einer Drohne nahe der Start- oder Landebahnen, sei «kein Kavaliersdelikt», betont Markus Burkhard. Die Strafen, welche das Bazl verhängen kann, reichen von Bussen in der Höhe von 300 bis zu 20 000 Franken. Die kantonale Staatsanwaltschaft kann gar Freiheitsstrafen bis zu zehn Jahren Gefängnis aussprechen, etwa wenn der Tatbestand von «Gefährdung von Leib und Leben» erfüllt ist.

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