Armut ist in Zürichs Öffentlichkeit kaum sichtbar. Dieser Tatsache nimmt sich das kürzlich gestartete Projekt «Iss mit – Mobile Gassenküche» an. Es soll eine Sensibilisierung darüber stattfinden, wie und wo Bedürftige von der Stadt Zürich versorgt werden.

Das Projekt findet im Rahmen des 500-Jahr-Jubiläums der Zürcher Reformation statt. Denn bis ins Jahr 1525 waren die Kirchen um die Versorgung der Bedürftigen bemüht. Der Staat kam nach der Auflösung der Klöster für diese Aufgabe in die Pflicht.

Unterstützt wird die Aktion zudem von der Stadt Zürich, dem kantonalen Lotteriefonds, der reformierten Kirche Kanton Zürich sowie dem Zürcher Stadtverband der Reformierten.

Seit dieser Woche nun und noch bis in den Oktober hinein tourt die mobile Küche über Zürichs öffentliche Plätze. Zweimal wöchentlich werden rund 30 kostenlose Mahlzeiten an die Bevölkerung verteilt. «Es geht um Menschlichkeit», sagt Noemi Fraefel, Kommunikationsverantwortliche von ZH-Reformation.ch. Weil Sensibilisierung das Ziel ist, haben sich die Köpfe hinter der Aktion bewusst Standplätze ausgesucht, wo Essen üblicherweise halb-öffentlich serviert und gegessen wird. Dazu gehört neben dem Zeughausplatz im Kreis 1 auch die Gemüsebrücke sowie der Hechtplatz. Aber auch am Hauptbahnhof, beim Bahnhof Hardbrücke sowie in Oerlikon und Schwamendingen macht das Projekt Halt. Die mobile Gassenküche positioniert sich dabei immer in der Nähe von Restaurants, Imbissständen und Supermarkts.

Am Donnerstagabend nun war die mobile Gassenküche am Stauffacher stationiert. Die Besucher kamen zahlreich, waren jung oder alt sowie neugierig und erstaunt ob des Freiluft-Gratis-Restaurants.

Und so funktioniert es: Gekocht wird mit Essens- und dank Stromspenden von den umliegenden Gastronomiebetrieben. Ziel der Aktion ist, an den Sinn und die Bedeutung der Gassenküchen zu erinnern. Am mobilen Esstisch haben bis zu zwölf Personen Platz. Wer fertig ist und sich ein wenig unterhalten hat, geht dann wieder seinen Weg und macht neuen Gästen Platz. Das kostenlose Essen ist für all jene gedacht, die hungrig und gewillt sind, an einem öffentlichen Ort mit anderen Menschen eine Mahlzeit einzunehmen und sich auszutauschen.