«Es darf angenommen werden, dass es sich hier um eine weitere populistische Aktion gegen den Islam und Muslime handelt», sagt Muhammad Hanel, Pressesprecher der Vereinigung der Islamischen Organisationen in Zürich (VIOZ). Mit seiner Kritik spricht er die am Dienstag aus SVP-nahen Kreisen lancierte Volksinitiative für ein nationales Verhüllungsverbot an.

Bis auf wenige geografische und nutzungsspezifische Ausnahmen soll niemand an allgemein zugänglichen Orten sein Gesicht verhüllen dürfen, heisst es im Text der Initiative. Obwohl die Formulierung offen ist und auch etwa auf vermummte Demonstranten bezogen werden kann, ist ihr Ziel klar: Sie will religiös motivierte Gesichtsverhüllungen in der Schweiz verbieten. Das offenbart der zweite Punkt des geforderten Verfassungsartikels: «Niemand darf eine Person zwingen, ihr Gesicht aufgrund ihres Geschlechts zu verhüllen.» Dabei würden Gesichtsverhüllungen religiöser Natur in der Schweiz gar kein objektives Problem darstellen, sagt Hanel.

Führt Burkaverbot zum Image-GAU

Bei Burkaverbot droht Zürich das Wegbleiben arabischer Touristen.

Dem pflichtet Muris Begovic, stellvertretende Imam der Islamischen Gemeinschaft Bosniens in Schlieren, bei. Eine solche Initiative könne zudem das falsche Gefühl erwecken, die Burka sei gleichbedeutend mit dem Islam. Dabei trage nur eine kleine Minderheit muslimischer Frauen eine Burka und in der Schweiz sei das Kleidungsstück überhaupt nicht verbreitet: «In unserer Gemeinschaft, die aus über 800 Familien besteht, trägt keine Frau eine Gesichtsverschleierung», sagt der Imam.

«Misstrauen schüren»

Begovic befürchtet, dass die Initianten um das Egerkinger Komitee mögliche schädigende Langzeitfolgen zugunsten kurzfristiger Popularitätssteigerung einfach ausser Acht liessen: «Solche Initiativen schüren das Misstrauen in der Gesellschaft und können zu einer zunehmenden Radikalisierung führen.»

Als «billige Wahlpropaganda» kanzelt Cengiz Yükseldi, Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft Dietikon, die Lancierung der Verhüllungs-Initiative ab: «Aus Mangel an Argumenten wird versucht, auf dem Rücken der Muslime um die Gunst der Wähler zu buhlen.»Bei der Präsentation der Initiative am Dienstag machte selbst SVP-Politiker Oskar Freysinger keinen Hehl daraus, dass die Initiative im Hinblick auf die Wahlen helfen könne.

Solothurner SVP-Nationalrat Walter Wobmanstartet nationale Burka-Verbot-Initiative.

Solothurner SVP-Nationalrat Walter Wobmanstartet nationale Burka-Verbot-Initiative.

Alle drei Vertreter des Islams sind sich einig, dass religiös motivierte Gesetze und Verbote der falsche Weg sind. Ein Dialog sei die einzige vernünftige Lösung, sagt Begovic. Statt mit Vorurteilen zu operieren, «sollten die Initianten besser mal bei uns in der Moschee vorbeikommen, um uns besser kennen zu lernen», so Yükseldi.

Auch Muhammad Hanel bedauert, dass es keine direkten Kontakte zu den Initianten und ihren Unterstützern gibt: «Unter verantwortungsbewussten Staatsbürgern sollte man die verschiedenen dringlichen Angelegenheiten persönlich besprechen», sagt das Vorstandsmitglied der VIOZ.

Die VIOZ schlage seit Jahren vor, regelmässige Treffen zwischen Vertretern aller relevanten politischen Parteien und mindestens einem muslimischen Vertreter zu organisieren, um gemeinsam lösungsorientiert zu debattieren. Doch bisher sei leider keine Partei darauf eingegangen. Das wäre laut Hanel ein der Schweiz würdigeres Vorgehen, als ständig den sozialen Frieden zu gefährden.