Zürich
Islam-Chindsgi im Kanton Zürich geplant

Der erste islamische Kindergarten in der Deutschschweiz soll im Kanton Zürich entstehen. Als Namen für den Kindergarten haben die Initiantinnen «El Houda» ausgewählt, übersetzt «Die Rechtleitung» oder «Der rechte Weg».

Merken
Drucken
Teilen

Kefalas/Keystone

Eine Gruppe von Frauen um Melanie Muhaxheri, die Präsidentin des Dachverbandes der Muslimischen Frauenorganisation der Schweiz, will in den nächsten Wochen ein entsprechendes Gesuch bei der Bildungsdirektion des Kantons einreichen.

«Das Konzept steht, die Kindergärtnerinnen sind bereit, jetzt müssen wir nur noch einen geeigneten Platz finden», sagt Muhaxheri. Wo genau der Islam-Chindsgi eingerichtet wird, ist noch unklar. Auch sind die Frauen auf der Suche nach Sponsoren: Derzeit müssten Eltern die vollen Kosten für den Kindergartenplatz übernehmen. Unterstützung vom Staat bekommt der Kindergarten nicht.

«Der rechte Weg»

Als Namen für den Kindergarten haben die Frauen «El Houda» ausgewählt, übersetzt «Die Rechtleitung» oder «Der rechte Weg». Maximal 25 Kinder sollen im Islam-Chindsgi betreut werden. «Natürlich wird bei uns der kantonale Lehrplan eingehalten», sagt Melanie Muhaxheri. «Aber zusätzlich wird der Islam gelehrt.»

Das heisst: Statt Märchen werden Prophetengeschichten erzählt. Die islamischen Essensregeln werden eingehalten, vor dem Essen sagen die Kinder «bismillah» – und sie werden mit
den Pflichten des Islam vertraut gemacht.

Wendelspiess ohne Bedenken

Martin Wendelspiess, Leiter des Volksschulamtes des Kantons Zürich, hat Kenntnis von den Plänen: «Vor ein paar Tagen wurde uns mitgeteilt, es werde ein Gesuch eingereicht», sagt Wendelspiess. Bedenken hat er keine: «Ob ein Kindergarten islamisch, jüdisch oder christlich ist, spielt für uns keine Rolle.» Der religiöse Teil sei nicht massgebend für die Bewilligung. Wichtig sei, dass es ausgebildetes Personal gibt und dass sich der Kindergarten alles in allem an den Lehrplan hält.

«Was über den Unterricht hinaus angeboten wird, liegt im Ermessen der Verantwortlichen», so Wendelspiess. Die Bildungsdirektion sei nicht für die religiöse Unterweisung zuständig. Vielmehr sei entscheidend, dass die gesetzlichen Vorgaben eingehalten werden. Wendelspiess: «Dies werden wir bei einem islamischen Kindergarten wie bei allen anderen Gesuchen prüfen.» Katia Murmann