Zurich International School
«International School»-Direktor ist Chef über Schüler aus 55 Nationen

Direktor Peter C. Mott blickt auf über 20 Jahre als Schulleiter zurück und ein Stück weit voraus. Er wird demnächst 65 Jahre alt und übergibt sein Amt in jüngere Hände. Jeff Paulson ist sein Nachfolger, ein US-Amerikaner.

Alfred Borter
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Peter C. Mott tritt nicht einfach in den Ruhestand: «Ich habe viele Ideen», sagt er.Alfred Borter

Peter C. Mott tritt nicht einfach in den Ruhestand: «Ich habe viele Ideen», sagt er.Alfred Borter

Das grüne Schulhaus hoch über Wädenswil scheint verwaist: Die Schülerinnen und Schüler der Zurich International School (ZIS), die aus nicht weniger als 55 Nationen stammen, sind längst über alle Berge. Nur Direktor Peter C. Mott und einige Getreue halten noch die Stellung. Und die Putzequipe ist daran, die Gebäude für den Schuljahrbeginn nach den Ferien in Schuss zu bringen.

Auch für den Direktor gilt es, Abschied zu nehmen. Er wird demnächst 65 Jahre alt und übergibt sein Amt in jüngere Hände. Jeff Paulson ist sein Nachfolger, ein US-Amerikaner.

Schweizer – und damit ein Exot

Mott ist Schweizer und damit ein Exot im Verbund der Leiter von internationalen Schulen. Doch er fühlt sich «eher wie ein Auslandschweizer», wie er sagt. Teils in der Schweiz, teils in Deutschland aufgewachsen, zog es ihn schon in jungen Jahren nach England und in die USA, wo er Anglistik studierte. Erst 1980 kam er in die Schweiz zurück, er trat eine Stelle an einer internationalen Schule in Montagnola an.

Nun leitet er seit fast 25 Jahren die ZIS, die grösste der internationalen Schulen im Kanton Zürich. 1530 Kinder gehen in der ZIS in Wädenswil, Kilchberg, Adliswil und Baden ein und aus, sie können die Primar- und die Sekundarschule absolvieren sowie das International Baccalaureate machen, das ungefähr der Matura entspricht. Ausserdem gibt es eine Kleinkindabteilung.

Der Boom hält an

Die Schule boomt, wie die internationalen Schulen generell. Im Zusammenhang mit der Globalisierung der Wirtschaft und der Ansiedlung von international tätigen Unternehmen kommen vermehrt Expats in die Schweiz, die wünschen, dass ihre Kinder eine Schule besuchen, die ihnen überall den Anschluss gewährleistet, wo auch immer die Eltern einen neuen Job antreten. «Internationale Schulen unterrichten überall nach vergleichbaren Curricula», erläutert Mott. «Ob die Schule nun in Zürich, Singapur oder Brasilien steht.»

Dass die ZIS in Baden einen neuen Campus errichtet hat, war auf das Bestreben des Kantons Aargau zurückzuführen, zur Förderung der Standortattraktivität: Studien haben ergeben, dass sich internationale Firmen lieber dort ansiedeln, wo es internationale Schulen gibt.

Im Kanton Zürich hingegen kämpfen gegenwärtig etliche internationale Schulen gegen die Absicht der Bildungsdirektion, das Aufnahmereglement so zu verschärfen, dass künftig bloss noch Schüler aufgenommen werden dürfen, die mit ihren Eltern nur vorübergehend im Kanton wohnen oder deren Eltern in Bälde einen Auslandaufenthalt planen.

Mott kann darüber nur den Kopf schütteln. Das sei derart unfreiheitlich gedacht, meint er. «Wir sind doch für die öffentliche Schule keine Bedrohung», versichert er. «Wir werben niemandem Schüler ab.» Er hoffe natürlich, der Rekurs sei erfolgreich.

Wie begegnet er denn dem Vorwurf, die internationalen Schulen seien doch bloss Eliteschulen für reiche Leute? Das höre er tatsächlich immer wieder, sagt er, aber der Tadel ziele ins Leere. Klar verlange man ein Schulgeld, aber dieses werde oft von den Firmen übernommen. «Wir sind nicht besser, wir sind anders», betont der Direktor.

Weltoffenheit als Grundsatz

Was ist denn an einer internationalen Schule so besonders, dass auch Schweizer Eltern auf die Idee kommen, ihr Kind dort anzumelden? Mott muss nicht lange überlegen. Die Weltoffenheit gehört sicher zu den Vorzügen. Die Kinder kommen aus allen Gegenden der Welt, bringen unterschiedliche Kulturen und Religionen mit, da ist Toleranz und Respekt vor dem Andersartigen bereits Programm. «Man lernt, auch einmal die Perspektive seines Gegenübers einzunehmen.» Zudem entstehe an der Schule für die «internationalen Nomaden» auch eine Art Heimatgefühl, für die Schüler wie für die Eltern.

Schon bei den Lehrern hat Mott immer darauf geachtet, dass sie weltoffen waren. «Welterfahrenen Leuten traue ich eher nachhaltiges Denken zu als denen, die ihr Dorf nie verlassen», meint er. Und trotzdem verkennt er nicht, dass Heimat ein wertvoller Begriff sein kann. Allerdings versteht er Heimat nicht als geografischen Begriff, sondern eher als die Gedankenwelt, in der man lebt. «Meine Heimat ist grenzüberschreitend.»

Stolz ist Mott, dass es gelungen ist, bei der ZIS die Lockerheit des American Style mit den Schweizer Tugenden zu verbinden. Die Bereitschaft zur Innovation ist spürbar, betont er, kreatives Denken wird gefördert, ebenso Teamfähigkeit und Hilfsbereitschaft, und wichtig war ihm auch immer, dass Kunst, Theater und Musik nicht zu kurz kommen. «Wir wollen die Kinder zu Risk takers erziehen», sagt er, zu Menschen, die bereit sind, auch einmal ein Risiko einzugehen, statt risikolos in den bekannten Bahnen weiterzumachen.

Toll fände Mott, wenn die öffentlichen Schulen, wie das in Holland schon der Fall ist, mit internationalen Schulen eng zusammenarbeiten würden. Das hält er für zukunftsträchtig. Und längerfristig glaubt er ohnehin, dass gerade für ältere Schüler das selbstorganisierte Lernen wichtiger wird. So lässt sich, und zwar auch ausserhalb der Schule, im eigenen Tempo arbeiten und zu dem Zeitpunkt, wo man am ehesten aufnahmebereit ist.

Bereits eine neue Herausforderung

Übrigens wird der ZIS-Direktor Ende Juli, wenn er die Schule definitiv verlässt, nicht einfach in den Ruhestand übertreten. Er hat bereits eine neue Aufgabe, und zwar in den USA. In Boston wird er Director of Accreditation der New England Association of Schools and Colleges. Die Vereinigung ist bestrebt, für einen hohen Level der Mitgliedschulen besorgt zu sein. Er freue sich enorm auf diese Herausforderung, meint er. «Ich habe viele Ideen.»