Bei der Integration der ausländischen Wohnbevölkerung liegt noch vieles im Argen. Die kantonale Integrationsbeauftragte unternimmt daher einen neuen Anlauf, um die Gemeinden bei dieser Aufgabe zu unterstützen.

Viele Gemeinden betreiben bereits Integration, allerdings auf sehr unterschiedliche Art und in unterschiedlicher Intensität. Es ist an sich völlig richtig, dass sich jede Gemeinde darum bemüht, ihre Anstrengungen auf die spezifische Situation auszurichten, erklärte die Integrationsbeauftragte des Kantons, Julia Morais, aber etwas Hilfestellung vonseiten des Kantons sei dabei sehr erwünscht. Das zeigt sich bei einem 2010 angelaufenen Pilotprojekt mit dem Titel «Integrationsmodule», an dem sich sämtliche acht angefragten Gemeinden im Glatttal beteiligen.

Das Projekt hat schweizweit Pioniercharakter. Grundlage ist eine auf die einzelne Gemeinde zugeschnittene Bedarfsanalyse, die mit dem bestehenden Angebot verglichen wird. Daraus wird ein Aktions- und Massnahmenplan abgeleitet, bei dem es darum geht, bei den Brennpunkten anzusetzen. Wie Morais erwähnte, hat sich als Erstes herauskristallisiert, dass die Gemeinden zunächst einmal Handlungsbedarf bei der Begrüssung der neu zugezogenen Ausländer sehen.

Man hat festgestellt, dass es viel leichter ist, mit Informationen an die Leute heranzukommen, wenn man sie zunächst einmal willkommen heisst, und noch besser ist es, wenn man die Informationen in den Sprachen vermittelt, welche die Leute auch sprechen.

Eine weitere Aufgabe ist die Frühförderung. Je früher die Kinder Deutsch lernen, desto besser. Und wenn auch die Mutter gleich Deutsch lernt, ist der Erfolg noch grösser. Ferner hat es sich gezeigt, dass ein spezieller Informationsbedarf besteht für schlecht bezahlte Ausländer, welche mit ihrem Erwerbseinkommen kaum leben können, die sich aber davor scheuen, um Sozialhilfe nachzusuchen.

Der Kanton stellt den Gemeinden einen Ordner zur Verfügung, in dem die Anbieter von Kursen und anderen Dienstleistungen aus dem Bereich der Integration, die sich bereits bewährt haben, aufgelistet sind, samt dem Preis, der dafür zu entrichten ist. Dabei geht es von Alphabetisierungskursen über Angebote zur Gewaltprävention und «Midnight Sport» bis zur Gesundheitsförderung für ältere Migranten und Migrantinnen.

Rümlang hat profitiert

Wie von Thomas Hardegger, Kantonsrat und Gemeindepräsident von Rümlang, zu erfahren war, hat die Teilnahme am Pilotprojekt dazu geführt, dass die Gemeinde ihr Angebot an Deutschkursen erhöht hat, schon in den Spielgruppen wird nun Deutsch gelehrt, und die Mütter werden gleich einbezogen.

Auch ist man dran, ein Netz von Kulturvermittlern aufzubauen und sich mit den Nachbargemeinden zusammenzutun, um im Bedarfsfall auf Kulturvermittler für möglichst alle Nationalitäten zurückgreifen zu können. «Die Teilnahme am Projekt ist für uns sehr wertvoll», erklärte er.

In der Pilotphase wird das Projekt vom Bundesamt für Migration und von mehreren Stiftungen unterstützt. Die beteiligten Gemeinden erhalten rund 20000 Franken als Startbeitrag. Es ist vorgesehen, dass nach Beendigung der Pilotphase, die von der Sozialforschungsstelle der Universität Zürich wissenschaftlich begleitet wird, sämtliche Gemein-den im Kanton aufgerufen werden, ihrerseits eine Bedarfsanalyse durchzuführen sowie die nötigen Angebote aufzubauen respektive einzukaufen.

Gesetz bald behandlungsreif

Wichtig ist für Morais, dass in den Gemeinden ausdrücklich jemand für Integrationsfragen als zuständig erklärt wird. Das sei der grosse Vorteil gegenüber den «Antennen», welche zuvor in verschiedenen Regionen die Migrationsförderung wahrgenommen haben. Morais ist zuversichtlich, dass das vom Kantonsrat in Ausarbeitung begriffene Migrationsgesetz Angaben darüber enthält, was die Gemeinden zugunsten der Integration zu leisten haben.

Wie vom Präsidenten der vorberatenden Kommission, Martin Farner (FDP, Oberstammheim), zu erfahren ist, ist vorgesehen, das Gesetz am 1. April in der Kommission zu Ende zu beraten und dem Ratsplenum zuzuleiten. Die Verabschiedung im Kantonsrat könnte dann noch vor den Sommerferien stattfinden.