Zürich
Instandsetzung von Kongresshaus und Tonhalle wird später und teurer

Die Instandsetzung des Zürcher Kongresshauses und der Tonhalle wird deutlich teurer als angenommen: Statt von bisher 55 Millionen Franken gehen die Verantwortlichen neu von gut 80 Millionen Franken aus. Schuld sind unterschätzte Infrastrukturkosten.

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Erst 2017 wird der Umbau des Kongresshauses fertig sein

Erst 2017 wird der Umbau des Kongresshauses fertig sein

azNetz

Falsch eingeschätzt wurde in einer Machbarkeitsstudie beispielsweise, wie eng die beiden Häuser miteinander verbunden sind. «Im Rahmen des Vorprojekts hat man sich dann die Eingeweide genauer angeschaut», sagte André Odermatt (SP), Vorsteher des Stadtzürcher Hochbaudepartementes, am Mittwoch vor den Medien.

Nun ist laut Odermatt klar, dass man beide Gebäude gleichzeitig umbauen muss. Eine Etappierung sei unsinnig. Saniert und modernisiert werden müssen Statik, Kanalisation, Haustechnik und insbesondere der Brandschutz.

Die Zukunft hängt vom Kongresszentrum ab

Da das Projekt viel teurer wird, will die Stadt Zürich sicher sein, dass die grosse Investition tatsächlich auch auf eine langfristige - mindestens 30-jährige - Nutzung ausgerichtet ist. Bisher ging sie bei der Kongresshaus-Sanierung lediglich von 15 Jahren aus.

Die Zukunft des alten Kongresshauses hängt wesentlich vom neuen Kongresszentrum ab, das auf dem Carparkplatz beim Hauptbahnhof oder auf dem Geroldareal beim Bahnhof Hardbrücke realisiert werden soll.

Allerdings sind beim Neubauprojekt noch viele Fragen offen. Und bis sich Stadtparlament und Stimmberechtigte dazu geäussert haben, dürften zwei Jahre vergehen. Mit der Volksabstimmung rechnet der Stadtrat im Sommer/Herbst 2015.

Verschieben und Strategie entwickeln

Der Zürcher Stadtrat hat nun entschieden, die Sanierung der 115- jährigen Tonhalle und des 70-jährigen Kongresshaus um zwei Jahre zu verschieben. Der Umbau soll nach den Festwochen 2016 beginnen. Die Wiedereröffnung ist für Herbst 2017 vorgesehen.

Die gewonnene Zeit soll dazu genutzt werden, das Kongresshaus am See in eine langfristige Kongresszentrum-Strategie zu integrieren. «Zuwarten ist gescheiter, als einen falschen Bauentscheid zu fällen», sagte Stadtrat Odermatt.

Dem Stadtrat sei die Verschiebung nicht leicht gefallen, betonte Finanzvorstand Martin Vollenwyder (FDP). Er habe in seiner Funktion als Vizepräsident der Tonhalle-Gesellschaft die Betroffenen persönlich orientiert.

Schlechte Arbeitsbedingung für die Musiker

Die Musikerinnen und Musiker müssten oft unter widrigen Bedingungen arbeiten, insbesondere was Belüftung und Beleuchtung betreffe, sagte Vollenwyder. Auch der Backstage-Bereich entspreche nicht internationalen Standards.

Bei der Kongresshausstiftung und bei der Tonhalle stösst die Verschiebung auf Verständnis, löst jedoch keine Begeisterung aus, wie es an der Medienkonferenz hiess. Alfons Sonderegger, Präsident der Kongresshaus-Stiftung, sieht mit der Einbindung in die langfristige Strategie auch eine Chance. «Ich hoffe auf ein kleines, feines Haus am See», sagte er.