Genau genommen haben Ende August 24 Studierende die Ausbildung an der Schule in Angriff genommen. Neben der traditionellen Handarbeit stehen auch die Arbeit mit CAD-Systemen, also computerunterstütztem Zeichnen, und das designen von Kleidern mit 3-D-Avataren, also grafischen Stellvertretern von echten Personen, auf dem Lehrplan der Studierenden.

Der Grund, dass das technische Zeichnen in der Modebranche im Aufwind ist, hat mit der industriellen respektive der Massenproduktion zu tun. Denn in diesem Bereich der Textilbranche werden bereits 3-D-Simulationen eingesetzt. Nicht nur im Design, auch in der Präsentation der Kleider für potenzielle Käufer und Käuferinnen sind Avatare im Einsatz. Laut der Schweizerischen Textilfachschule würden bereits heute viele bekannte Kleidermarken ihre Kollektionen virtuell präsentieren und so an Wiederverkäufer verkaufen.

«So müssen zukünftig keine Musterkollektionen mehr produziert werden. Nebst der Zeitersparnis entfallen somit die Herstell- und Transportkosten für mehrere Musterfertigungen. Das erachten wir als nachhaltig», sagt Gina Oesch, Sprecherin der Textilfachschule.

Die nachhaltige Produktion werde aus Kundensicht in den kommenden Jahren zu einem Standard in der Modebranche, so Oesch. Deshalb werden die Studierenden auch hinsichtlich der Herstellungskette von Textilien sowie der Logistik unterrichtet.

Auf dem Weg in die Zukunft

Die Lancierung des neuen Studiengangs ist damit ein Versuch, mit den technischen Innovationen in der Modebranche Schritt zu halten. Denn schliesslich ist mit dem Einsatz der 3-D-Technik laut der Textilfachschule einiges möglich. Neben dem endlosen digitalen Experimentieren mit Materialien und Farben können mit dem 3-D-Verfahren auch Zeit und Material und damit Herstellkosten eingespart werden. Kurzum: Nachhaltigkeit trifft Effizienz.

Dennoch haben digitale Computerprogramme auch einen Einfluss auf den kreativen Prozess, der beim Kreieren von Mode nach wie vor zum Tragen kommt. Die Computerprogramme ermöglichen nicht nur, Kleidung virtuell darzustellen, sondern können mit Effekten Materialeigenschaften und Bewegungen der Avatare realitätsgetreu simulieren. Laut Oesch gehört die Schweizer Textilfachschule schweiz- und europaweit zu den ersten Modeschulen, die einen technischen Fokus setzen.

So will die Ausbildungsstätte denn auch sicherstellen, dass die Absolventinnen und Absolventen gewappnet sind für den Einsatz in internationalen Firmen der Textil- und Kleiderbranche, wo sie sich um Design, Entwicklung, Schnitttechnik, Einkauf und der Herstellung kümmern werden müssen.