Herr Kalt, die übrige Schweiz scheint neidisch zu sein auf den Zürcher Hub-Standort des Schweizerischen Innovationsparks. Was halten Sie davon?

René Kalt*: Der Standort Zürich ist einer von fünf Standorten des nationalen Projektes und soll auf Bundesland entstehen. Dafür wird ein Baurechtszins geschuldet. Es ist falsch, wenn man sagt, der Kanton Zürich erhalte vom Bund mit den 70 Hektaren auf dem Flugplatz Dübendorf ein Riesengeschenk.

Weshalb?

Das Areal hat keinen grossen Wert, solange es nicht planungsbereit ist. Zunächst muss der Kanton Zürich vorinvestieren, um das Gebiet zu erschliessen.

Von der Neiddiskussion halten Sie also nichts?

Der Kanton Zürich ist ein sehr starker Wirtschaftskanton. In den Augen anderer Regionen macht ihn das nicht immer sympathisch. Das ist im Zusammenhang mit dem Schweizerischen Innovationspark aber nicht das Thema.

Sondern?

Es geht nicht um eine Konkurrenz der Regionen. Von den 16,3 Milliarden Franken, welche in der Schweiz jährlich in Forschung investiert werden, kommen zwei Drittel aus privaten Kassen. Weltweit ist das der grösste Anteil. Diese Gelder gilt es in der Schweiz zu behalten. Und wir wollen mit dem Innovationspark zusätzliche Mittel anziehen.

Im Parlament bezeichnete Christoph Mörgeli den Innovationspark als Subventionspark.

Man kann nicht von einem Honigtopf des Bundes sprechen. Der Kanton Zürich bereitet den Boden. Wir bauen die Bühne, auf der die Akteure tanzen werden. Dies alles für die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit unseres Landes.

Wer sind diese Akteure?

Die Privatwirtschaft und die Hochschulen. Der Innovationspark bringt Forschung und Lehre zusammen. Ziel ist es, dass Ideen so rascher zur Marktreife gelangen.

Wer wird dereinst auf dem Areal in Dübendorf wirken?

Es gibt bereits Interessenten.

Die wären?

Ich kann keine Namen nennen. Solange die Details der Landabgabe nicht geklärt sind, können wir nicht sagen, mit welchen Kosten die Akteure rechnen müssen. Bis dahin wird es kaum konkrete Projekte geben.

Können irgendwelche Firmen anklopfen?

Firmen und Forschungsinstitutionen, die sich im Innovationspark einmieten wollen, müssen nachweisen, dass sie gemeinsam an Innovationen arbeiten.

Welche Leistungen muss der Kanton Zürich erbringen?

In einem ersten Schritt müssen wir Planungsrecht schaffen. Das Areal des Militärflugplatzes Dübendorf gehört dem Bund und ist damit ein weisser Fleck im kantonalen Richtplan. Es steht bis jetzt ausserhalb des Zürcher Einflusses.

Das wird sich jetzt ändern...

Ja. Die 70 Hektaren, die der Bund im Baurecht abgeben will, müssen im Richtplan eingetragen werden. Die Debatte dazu findet Ende Juni im Kantonsrat statt. Der Richtplan beschreibt den Zweck des Areals.

Und da ist alles möglich?

Nein. Der Bund stellt das Land zwar zur Verfügung, redet aber bei der Nutzung als Landeigentümer ein gewichtiges Wort mit. Das Areal lässt sich beispielsweise nicht für permanentes Wohnen nutzen. Firmen, die sich einmieten, werden auch keine Produktionsstandorte aufbauen können.

Was folgt, wenn der Eintrag im Richtplan vorgenommen ist?

Im Rahmen eines Gestaltungsplans werden dann wichtige Details wie Nutzung, Gebäudeabmessungen und anderes Mehr festgelegt.

Zurück zur Debatte im Nationalrat. Waren Sie persönlich überrascht über die Zustimmung zum Schweizerischen Innovationspark?

Nein. Die meisten Parlamentarier sind sich bewusst, dass die Schweiz von der Innovation lebt, die in schlauen Köpfen entsteht. Das ist auch angesichts der Wirtschaftslage und der Frankenstärke ein Gebot der Stunde.

Was bedeutet der Entscheid des Nationalrats für das Projekt?

Es ist ein wichtiger Entscheid. Aber es ist ein Zwischenschritt. Nun muss der Ständerat über das Geschäft befinden und im September folgt voraussichtlich die Schlussabstimmung.

In der Debatte machten SVP-Verteter deutlich, dass sie – wie der Bundesrat – für eine zivilaviatische Nutzung des Flugplatzareals sind. Käme das dem Innovationspark in die Quere?

Wir sind so aufgestellt, dass der Innovationspark mit und ohne Aviatik funktionieren kann.

*René Kalt ist Projektleiter Innovationspark Zürich. Er ist beim kantonalen Amt für Wirtschaft und Arbeit angestellt. Er hat dafür zu sorgen, dass der Kanton auf dem Flugplatz Dübendorf die Bedingungen des Bundes für einen Standort des Swiss Innovation Park erfüllt.