Bezirksgericht Zürich
Innerhalb einer halben Stunde mehrere Passanten überfallen: 25-jähriger Tamile verurteilt

Wegen bandenmässigen Raubes ist ein 25-jähriger Tamile am Donnerstag vom Bezirksgericht Zürich zu einer Freiheitsstrafe von gut vier Jahren und einer Busse von 300 Franken verurteilt worden. Die Strafe wird zugunsten einer Massnahme in einer Einrichtung für junge Erwachsene aufgeschoben.

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Das Bezirksgericht Zürich befasste sich mit einem bandenmässigen Raub. (Archiv)

Das Bezirksgericht Zürich befasste sich mit einem bandenmässigen Raub. (Archiv)

Keystone

Der Angeschuldigte hat die Taten eingestanden und will gemäss seinem Verteidiger "einen Neustart wagen". Er wird im Massnahmenzentrum Uitikon eine Ausbildung beginnen, erstmals in seinem Leben.

Es sei für ihn die letzte Chance, in der Gesellschaft Tritt zu fassen, sagte die Richterin. Wenn die Massnahme erfolgreich sei, werde von der ausgesprochenen Freiheitsstrafe von 50 Monaten abgesehen.

Verurteilt wurde der 25-Jährige als Mittäter eines Raubzuges vom 27. Mai 2015. Zusammen mit einem Komplizen hatte er - nach Alkohol- und Kokainkonsum - innert einer halben Stunde vor Mitternacht im Zürcher Stadtkreis 5 auf der Strasse mehrere Passanten überfallen.

Der minderjährige Komplize benutzte dabei ein Taschenmesser, um die Opfer einzuschüchtern, er selbst unterstützte ihn dabei und schlug in einigen Fällen auch zu. Die gemachte Beute war gering, sie betrug nur etwas mehr als 100 Franken. Die Opfer erlitten gemäss der Richterin "eher leichte Verletzungen".

Gemäss Staatsanwalt war der Angeschuldigte "nicht die treibende Kraft", sondern unterstützte den wesentlich jüngeren Komplizen, der sich im Kanton Aargau nach Jugendstrafrecht für die Taten verantworten musste. Verurteilte wurde er auch wegen eines brutalen Angriffs, den er zusammen mit einer tamilischen Gang am 24. Februar 2015 ausübte.

Schwierige Lebensumstände

Das Vorstrafenregister des 25-Jährigen ist lang. Von 2008 bis 20013 sind 7 Vorstrafen verzeichnet, vor allem wegen Gewaltdelikten. Der wiederholte Vollzug von Freiheitsstrafen nützte bisher nichts, sagte der Staatsanwalt, der von einer "krassen Unbelehrbarkeit" sprach.

Die Massnahme in einer Einrichtung für junge Erwachsene anstelle einer weiteren Freiheitsstrafe sei jedoch "nicht aussichtslos". Er sei offenbar bereit dazu, obwohl sie möglicherweise länger als eine Freiheitsstrafe dauere. "Er hat eingesehen, dass es so nicht weitergehen kann, und es sich um eine letzte Chance handelt", sagte der Verteidiger.

Der Tamile kam im Alter von 9 Jahren als Flüchtling ohne Eltern in die Schweiz. Die Mutter war früh gestorben, der Vater blieb in Sri Lanka. In der Schweiz kam er zunächst zu einem Onkel. Stabile Lebensumstände hatte er gemäss seinem Verteidiger kaum gekannt. Auf die schiefe Bahn sei er in einem der vielen Heimaufenthalte geraten.