Kantonsrat
Initiative abgelehnt: Zürcher Staatspersonal erhält keinen längeren Vaterschaftsurlaub

Der Zürcher Kantonsrat belässt es bei fünf bezahlten Arbeitstagen, an denen Väter nach der Geburt eines Kindes frei nehmen können: Er hat am Montag einen Vorstoss abgelehnt, der kantonalen Angestellten mindestens zwei Wochen Vaterschaftsurlaub gewähren wollte.

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Die Rolle der Väter habe sich gewandelt, anerkannte am Montag im Kantonsrat auch die BDP.

Die Rolle der Väter habe sich gewandelt, anerkannte am Montag im Kantonsrat auch die BDP.

Keystone

Das Anliegen eines längeren Vaterschaftsurlaubs wird inzwischen auch von Teilen des bürgerlichen Lagers mitgetragen: Im Zürcher Kantonsrat sprach sich am Montag etwa Philipp Kutter (CVP, Wädenswil) klar dafür aus: «Die CVP hat für den Vaterschaftsurlaub grosse Sympathie.» Deshalb unterstütze die CVP die parlamentarische Initiative, mit der Vertreter von SP, EVP und Grünen einen zweiwöchigen Vaterschaftsurlaub fürs Zürcher Staatspersonal forderten.

Auch bei der BDP stiess die Forderung auf offene Ohren: «Heutige Väter wünschen sich, vermehrt am Familienleben teilzunehmen. Die Rolle des Vaters hat sich gewandelt», sagte Ivo Koller (BDP, Uster). Ein Vaterschaftsurlaub sei Grundlage für eine gleichberechtigte Rollenteilung unter Eltern. Die BDP sei daher für die auf nationaler Ebene lancierte Initiative für einen längeren Vaterschaftsurlaub. Doch dann folgte das Aber: «Profitieren sollen nicht nur Väter, die bei der öffentlichen Hand angestellt sind», so Koller. Deshalb enthalte sich die BDP beim vorliegenden kantonalen Vorstoss der Stimme.

Knappe Mehrheit

Bei der Abstimmung kam es am Schluss aber auf jede Stimme an. Denn ausdrücklich gegen den zweiwöchigen Vaterschaftsurlaub fürs Kantonspersonal ausgesprochen hatten sich SVP, FDP und EDU, die zusammen bei vollständiger Präsenz über 91 von 180 Stimmen im Kantonsrat verfügen. Und auch in ihren Reihen gab es bei der Abstimmung Lücken. Ebenso bei der BDP und bei der CVP. So verliess etwa Josef Wiederkehr (CVP, Dietikon) den Saal, als es zur Abstimmung kam. Unter dem Strich reichte es für eine knappe Mehrheit gegen den zweiwöchigen Vaterschaftsurlaub: Die rechte Ratsseite gewann mit 83:76 Stimmen.

Ihre Argumente: «Ein Ausbau des Vaterschaftsurlaubs würde kinderlose Paare benachteiligen», meinte Erika Zahler (SVP, Boppelsen). Zudem könnten Väter ja auch unbezahlten Urlaub nehmen, wenn Nachwuchs zur Welt komme. Das kantonale Personalreglement sehe dies schliesslich vor.

Den nach geltendem Recht vorgesehen fünftägigen Vaterschaftsurlaub zu verdoppeln, sei «nicht opportun» in einer Zeit, da der Kanton anderweitig sparen müsse, sagte Martin Farner (FDP, Oberstammheim). Und Erich Vontobel (EDU, Bubikon) warf der SP ein Eintreten für eine Zwei-Klassen-Gesellschaft vor, da sie den Vaterschaftsurlaub nur fürs Staatspersonal fordere. Zudem sei es widersprüchlich, wenn die Linke mehr Vaterschaftsurlaub wolle und sich handkehrum dafür einsetze, dass Kleinkinder möglichst schnell in Krippen abgeschoben würden.

«Nicht das Gelbe vom Ei»

Andreas Daurù (SP, Winterthur) hielt dagegen: «Es ist ein Armutszeugnis, dass die klar bürgerliche Mehrheit die Einführung eines eigentlich mickrigen zweiwöchigen Vaterschaftsurlaubs bachab schickt.» Zumal Firmen wie IBM, Mobiliar, Raiffeisen und Migros bereits grosszügigere Regelungen eingeführt hätten. «Diese Firmen haben begriffen, dass sich Investitionen in familienfreundliche Arbeitsverhältnisse lohnen», doppelte Silvia Rigoni (Grüne, Zürich) nach.

Dass der SP-Vorstoss nur fürs Kantonspersonal einen längeren Vaterschaftsurlaub verlange, sei zwar «nicht das Gelbe vom Ei», meinte Sonja Gehrig (GLP, Urdorf). Es brauche eine nationale Lösung. Doch bis es soweit sei, begnüge sich die GLP mit dem «Spatz in der Hand» und stimme daher für die parlamentarische Initiative der SP. Nach Berechnungen von Walter Meier (EVP, Uster) würde diese den Kanton jährlich 2,5 bis 4 Millionen Franken kosten.

Regierung hat andere Prioritäten

Gegen die Verdoppelung des Vaterschaftsurlaubs fürs Kantonspersonal sprach sich im Namen des Regierungsrats auch Finanzdirektor Ernst Stocker (SVP) aus. Fünf Tage mehr als bisher würden den Vätern nicht viel bringen, meinte er. Der Kanton sei ein flexibler Arbeitgeber, der andere Lösungen ermögliche, zum Beispiel unbezahlten Urlaub oder flexible Arbeitspensen. Für den Regierungsrat habe die in der letzten Budgetdebatte geforderte fünfte Ferienwoche fürs Staatspersonal Priorität.