Der Saal in Zürich Altstetten diente einst der Grossbank UBS. Jetzt beherbergt er Kunstschätze aus Afrika, die mehrere hundert Jahre alt sind. Die Werke könnten auch im Museum Rietberg stehen. Doch sie befinden sich in einem alles andere als musealen Umfeld: Aus Lautsprechern klingen alte Abba-Hits. Sofas laden zum Verweilen ein. Und an der Bar macht Jean David Espresso.

Der 54-Jährige übernahm vor Jahren von seinen Eltern die auf afrikanische Kunst spezialisierte Galerie Walu im Zürcher Seefeld. Zeitweise arbeitete er auch als Gastronom. Jetzt eröffnet er im ehemaligen Banksaal zusammen mit Désirée Pranjes, Donovan Eichele und Silvana Ghidoli das Auktionshaus «Hammer Auktionen». Zur Eröffnung wird morgen Samstag jahrhundertealte Kunst aus Afrika und Ozeanien versteigert. David sagt ganz unbescheiden: «Das ist die beste Afrika-Auktion, die es je in der Schweiz gab. Alle Händler und Grosssammler werden da sein.» Der Initiant des neuen Auktionshauses rechnet mit einem Umsatz von 500 000 bis einer Million Franken.

Die Werke, die zum Verkauf stehen, stammen aus den Sammlungen von zwei verstorbenen Sammlern: zum einen jener des Zumiker Rechtsanwalts Rudolf Blum und seiner Frau Leonore, zum anderen jener des italienischen Kaufmanns Carlo Monzino. Doch ursprünglich sind es archäologische Funde aus Ländern wie Burkina Faso, Nigeria und Mali – Ländern also, die auf der roten Liste des Internationalen Museumsrats (Icom) stehen. Der Icom will mit der Liste dazu beitragen, den Handel mit archäologischen Funden aus Afrika zu stoppen.

Auf der roten Liste

Die Icom-Liste hat zwar keine Gesetzeskraft, gilt aber als international anerkannt. Auch das Bundesamt für Kultur führt sie auf seiner Website zum Thema Kulturgütertransfer an. Ausdrücklich appelliert der Icom an Auktionshäuser, Kunsthändler und Sammler, den Handel mit Werken, wie sie nun bei Hammer Auktionen versteigert werden, zu unterlassen.

Darauf angesprochen, sagt David: «Ich würde die Ziele der Icom-Liste unterschreiben. Sie richten sich gegen illegale Ausgrabungen und den Verkauf von Funden bei Nacht und Nebel.» Auch er spricht sich klar gegen Exporte von archäologischen Kulturgütern aus Afrika aus. Anders sehe es aber mit Gütern wie jenen aus den Sammlungen Blum und Monzino aus, die bereits seit Jahrzehnten in den Schweiz sind – und deren Herkunftsländer sie nie als gestohlen reklamierten.

David ist bewusst, dass er auf heiklem Terrain unterwegs ist: «Falls sich ein Herkunftsland meldet und Ansprüche stellt, werden wir darüber reden», sagt er und öffnet eine Büro-Schublade. Darin sind fein säuberlich Dokumente zur Herkunft jedes einzelnen Werkes aus der Sammlung Blum in Hängeregistern abgelegt. Der Sammler und Rechtsanwalt Blum korrespondierte bereits vor Jahrzehnten mit afrikanischen Regierungen, um sicherzustellen, dass er nichts Illegales tat. Auch Kunstsammler Monzino hatte die Herkunft seiner Sammlungsobjekte schon vor Jahrzehnten öffentlich dokumentiert – und damit gegen spätere Rückforderungen abgesichert.

Bund prüft stichprobenweise

1970 hatte die Schweiz die Unesco-Konvention zum Verbot und zur Verhütung der rechtswidrigen Einfuhr, Ausfuhr und Übereignung von Kulturgut unterschrieben. Als Spätfolge davon trat 2005 das Bundesgesetz über den internationalen Kulturgütertransfer in Kraft. Es verpflichtet Händler, die mit Kulturgütern geschäften, zu umfassenden Dokumentationen, die während 30 Jahren aufzubewahren sind. Und es legt fest, dass Herkunftsländer von rechtswidrig ausgeführten Kulturgütern innert 30 Jahren deren Rückführung einklagen können. Zudem bestimmt es, dass der Bund kontrolliert, ob Kunsthändler und Auktionshäuser ihre Sorgfaltspflichten wahrnehmen. Diese Kontrollen erfolgen stichprobenweise, wie Anne Weibel, Sprecherin des Bundesamts für Kultur, auf Anfrage sagt. Ob auch Hammer Auktionen überprüft wurde, gibt sie mit Verweis auf den Datenschutz nicht bekannt, betont aber: «Sofern das Auktionshaus sichergestellt hat, dass die gesetzlichen Rahmenbedingungen eingehalten werden, können auch Kulturgüter legal verkauft werden.»

David hat nach eigenen Angaben das Bundesamt für Kultur über seine Auktion informiert. Zudem habe er über das von Versicherungen und Auktionshäusern gegründete Art Loss Register abgeklärt, dass keines der bei ihm zum Verkauf stehenden Objekte als gestohlen gilt. Auch mit der nigerianischen Regierung sei er diesbezüglich in Kontakt gewesen. Um sich gegen unliebsame Überraschungen zu wappnen, gebe es vor allem einen Weg: «Wir gehen an die Öffentlichkeit.»