Mode
In Zürich blüht und wächst die Modeszene

Reich wird man nicht in der Modebranche, doch eine Kauffreudige Kundschaft, urbane Vielfalt und die Nähe zu den Bergen helfen. Dies zeigte ein Anlass im Hub im Viadukt, zu dem Stellen der Wirtschaftsförderung von Stadt und Kanton geladen hatten.

Alfred Borter
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Eliane Diethelm (links) und Joanna Skoczylas konnten sich mit dem Label Little Black Dress etablieren

Eliane Diethelm (links) und Joanna Skoczylas konnten sich mit dem Label Little Black Dress etablieren

ABR

In Zürich gibt es an der Schweizerischen Textilfachschule, an der Modedesignschule und anderen Orten die Möglichkeit für junge Frauen und Männer, sich zu Fashiondesignern auszubilden. Haben sie in Zürich, in der Schweiz eine Zukunft? Oder müssen sie nach Abschluss der Ausbildung auswandern? Nein, Zürichs Modewelt lebt, und junge Designerinnen und Designer finden durchaus einen Platz. Geschenkt wird einem freilich nichts, das wurde am Anlass, den zahlreiche Interessierte, vor allem junge Frauen, mitverfolgten, rasch klar. Aber es gibt schöne Beispiele von Designern und Designerinnen, die Erfolg haben.

In Zürich haben auch kleine Labels eine Chance

Eine von ihnen ist Eliane Diethelm. Mit einer Partnerin zusammen führt sie seit zwei Jahren das Label Little Black Dress (LBD) im Zürcher Industriequartier, das schicke Cocktail- und Abendroben sowie andere elegante Kleider herstellt. Warum in Zürich? Zürich habe das gewisse Etwas, findet sie, es habe internationale Shops, aber auch kleinere Labels hätten hier eine Chance. Und die Zürcherinnen seien bereit, für gutes Design und Qualitätsarbeit das Nötige auszulegen. LBD produziert ausschliesslich in der Schweiz, in der Regel in einem Atelier im Tessin. Etwas Besonderes war, dass die Sängerin Anna Rossinelli im roten Diva Dress von LBD am diesjährigen European Song Contest aufgetreten ist. Übrigens: Man findet hier nicht nur das Kleine Schwarze, die Kleider können durchaus auch recht farbig sein.

Zimtstern – die Nähe zum Skilift

Marco Steiner als Inhaber von Marc Stone entwirft mit seinem Team Mode für Männer. Seine Wurzeln liegen im Kreis 4, dem Multikulti-Quartier Aussersihl. Das Quartier sei inspirierend, findet er, doch holt er sich zusätzliche Anregung auch auf Auslandreisen. Die Kollektion wird seit 2011 in Paris, Mailand, Berlin und New York präsentiert.

Zu den relativ Grossen gehört Zimtstern an der Badenerstrasse in Zürich Altstetten. Thomas Triet, Head of Product Management, beschäftigt acht Designer, gegenwärtig alles Schweizer. 1995 als Garagenlabel gegründet, hat Zimtstern jetzt einen Umsatz in zweistelliger Millionenhöhe, die Bekleidung für Snowboarder, Skateboarder, Surfer und Biker beiderlei Geschlechts wird längst auch im Ausland geschätzt. Für Triet ist der Standort Zürich ideal, seien doch die Berge nah. «In 40 Minuten bin ich beim Skilift», erklärte er freudestrahlend. Und die Kunden schätzten es, dass die Mitarbeiter selber auch Cracks sind und etwas von Sport verstehen.

Leidenschaft und Können

Zimtstern, Marc Stone und LBD sind nur drei der Marken, die in Zürich beheimatet sind. Es gibt zahlreiche weitere, wie Maya von Allmen von der Schweizerischen Textilfachschule erklärte. Sie können bestehen, weil sie mit Leidenschaft und Können an der Arbeit sind und es irgendwie schaffen, das nötige Kapital aufzutreiben.

Abgesehen davon verfügen auch Global Players wie Hugo Boss, Manor oder Vögele über grosse Designerteams, in denen Schweizerinnen und Schweizer willkommen sind. Andere arbeiten etwa bei Zeitschriften. Schade sei, dass etliche Anlässe für Modedesigner einfach verschwunden sind, etwa der Prix Bolero. Und schade ist auch, dass seitens der Wirtschaftsförderung keine Beiträge an einzelne Modelabels ausgerichtet werden, etwa für die Standmiete an Messen.