Zürich
In Zürcher Schulen beginnen lausige Zeiten

Zehn Prozent der in Stadtzürcher Schulen untersuchten Kinder haben Läuse – wobei die Kopfläuse am Zürichberg genauso oft vorkommen wie andernorts.

Thomas Münzel
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Mit dem neuen Schuljahr startet auch die Läusesaison: Allein im letzten Jahr mussten Lausfachfrauen aufgrund von Meldungen über 13000 Zürcher Kinderköpfe in den Schulklassen kontrollieren.

Mit dem neuen Schuljahr startet auch die Läusesaison: Allein im letzten Jahr mussten Lausfachfrauen aufgrund von Meldungen über 13000 Zürcher Kinderköpfe in den Schulklassen kontrollieren.

FOTOLIA

Sie brauchen regelmässig eine Blutmahlzeit – und lassen sich auch gerne auf den Köpfen von Zürcher Kindern nieder. Kopfläuse bleiben in den Schulklassen der Stadt Zürich, aber auch andernorts eine wiederkehrende Plage. Insbesondere mit dem Start des neuen Schuljahres dürften wieder zahlreiche Schülerinnen und Schüler von den ungebetenen Gästen begleitet werden.

Laut Fachleuten ist vor allem nach den Sommerferien die Zahl der neu gemeldeten Lausfälle besonders hoch. «Dass Fälle von Kopfläusen nach Schulferien nicht selten gehäuft auftreten, hat wahrscheinlich insbesondere damit zu tun, dass gerade Kinder in Ferienlagern oft einen engen sozialen Kontakt pflegen und dabei gerne die Köpfe zusammenstecken», sagt Susanne Stronski, Leiterin des Schulärztlichen Dienstes der Stadt Zürich. «Wobei hier wieder einmal betont werden muss, dass Läuse kein Zeichen von mangelnder Hygiene sind; sie kommen beispielsweise am Zürichberg genauso oft vor wie anderswo auch.» In den industrialisierten Ländern weisen laut Stronski 8 bis 25 Prozent der Kinder Kopfläuse und Nissen (Eier der Kopflaus) auf. «In der Stadt Zürich hat durchschnittlich knapp jedes zehnte Kind Kopfläuse oder Nissen.» Der Anteil der betroffenen Kinder schwanke jedes Jahr zwischen acht und elf Prozent.

Tausende Köpfe kontrolliert

Allein im letzten Jahr mussten die vier von der Stadt Zürich angestellten und ausgebildeten Lausfachfrauen aufgrund von Meldungen der Lehrerinnen und Lehrer über 13 000 Kinderköpfe in den Schulklassen kontrollieren. Das sind leicht mehr Kontrollen als in den Vorjahren (12 000 bis 13 000). «Das alles bewegt sich jedoch in einem Rahmen, in dem man sich überhaupt keine Sorgen machen muss», beschwichtigt Stronski. «Denn Läuse sind zwar lästig, aber ungefährlich.» Im Gegensatz zu früher registriere man heute zudem deutlich weniger Panikreaktionen bei Eltern von betroffenen Kindern. «Dies ist wohl sicher nicht zuletzt den Informations- und Aufklärungskampagnen der letzten Jahre zu verdanken», meint Stronski. Dennoch biete man vom Schulärztlichen Dienst für Eltern nach wie vor sogenannte Laussprechstunden an. «Zu gewissen Zeiten wird diese Dienstleistung durchaus rege in Anspruch genommen», sagt Stronski.

Die Lausplage ist allerdings längst nicht nur ein stadtzürcherisches Problem. «Kopfläuse sind auch bei uns Alltag», sagt beispielsweise Claudia Fontana, Schulleiterin in Bülach. Da sei ­leider niemand dagegen gefeit. «Auch meine eigenen Kinder ­hatten schon mit Kopfläusen zu kämpfen», erzählt Fontana. «Die Biester sind ziemlich hartnäckig und waren einmal erst nach vier Wochen endgültig ausgemerzt.»

Falsche Scham

Wenn ein Lausbefall in einer Klasse auftrete, so erhalten die Eltern der anderen Kinder ein Merkblatt mit Verhaltensanweisungen. Zudem informiere man die anderen Klassen, sagt Fontana. Oft würden die Eltern selber die Lehrer darüber informieren, dass eines ihrer Kinder Läuse habe. «Doch es gibt natürlich auch heute noch Eltern, die aus falscher Scham einen Befall verschweigen.»

Stofftiere im Kühlschrank

Dass viele Väter und Mütter es lange Zeit als besonderen Makel empfanden, dass ausgerechnet ihr Kind Läuse hat, das weiss auch Schulleiter Roland Fischer aus Horgen. Früher seien allerdings auch die Schulen sehr schlecht informiert gewesen. «Zeitweise glaubte man, Nissen könnten über alle Textilien wie Stofftiere und Sofakissen übertragen werden, worauf diese aus den Klassenzimmern verbannt oder vorübergehend im Tiefkühler untergebracht wurden», sagt Fischer. Heute gehe alles wesentlich unaufgeregter über die Bühne. «Wenn eine Lehrperson erfährt oder merkt, dass Kinder ihrer Klasse Läuse haben, reicht ein Anruf, und die Fachfrau für Läuse kommt vorbei.»

In Horgen ist dies Teres Achermann. Sie gibt den Kindern die nötigen Informationen für die Eltern mit. «Doch die Anweisungen werden leider nicht immer befolgt», sagt Achermann. Dass manche Schulklassen immer wieder von Läusen befallen seien, habe deshalb «sehr oft» damit zu tun, dass nicht alle Läuse und Nissen eines Kindes entfernt worden seien. Die Läuse als solche seien aber nicht auszurotten, meint Schulärztin Susanne Stronski. «Wir müssen lernen, mit den Läusen zu leben.»