Bis anhin besass ein Lenker sein eigenes Auto oder er mietete bei Bedarf eines. Das Zürcher Start-up-Unternehmen Sharoo geht bei der Vermietung von Privatfahrzeugen nun einen Schritt weiter.

Zu Beginn des nächsten Jahres kann in der Schweiz erstmals ein geleastes Auto an Dritte weiter vermietet werden. Teilen statt besitzen lautet dabei die Devise. Zusammen mit der Kredit- und Leasingfirma Cashgate lancieren Jungfirma eine Kooperation. Die Sharing Economy erreicht damit die Leasingbranche und macht möglich, was bis anhin aus vertraglichen und versicherungstechnischen Gründen nicht realisierbar war.

Und so funktioniert es: Wer ein Auto bei Cashgate least, kann vom Garagisten eine Sharoo-Box ins Fahrzeug einbauen lassen. Diese wird benötigt, damit das Auto auf der Sharoo-Plattform schlüssellos via Smartphone vermietet werden kann.

Indem der Fahrzeugleaser sein Auto zur Vermietung ausschreiben kann, hat er die Möglichkeit seine Leasingraten durch die Mieter des Wagens mitfinanzieren zu lassen. Danila Helfenstein, Mediensprecherin von Sharoo, sagt: «Durch die Kooperation öffnen wir uns für ein neues Segment an Autobesitzern. Teilen wird auch ohne klassisches Besitzen möglich.»

Damit das Weitervermieten von Leasingfahrzeugen überhaupt möglich ist, musste Cashgate nach eigenen Angaben lediglich überschaubare Anpassungen in den Verträgen vornehmen. Diese betreffen das Einverständnis von Cashgate als Besitzerin des Autos für die Vermietung über die Plattform von Sharoo sowie entsprechende Anpassungen bei den Versicherungen. Die gesetzlichen Leasingbestimmungen sind davon nicht betroffen.

Mieter ohne neue Verpflichtung

Der Leasingnehmer trägt die Gebühr gegenüber Cashgate nach wie vor ausschliesslich selber. Für die Vermietung über Sharoo erhält der Fahrzeughalter eine Mietgebühr, deren Höhe er selber festsetzen kann. Damit kann er einen Teil der Leasinggebühr durch die Vermietung refinanzieren. Der Mieter des Autos dagegen tritt im Leasingverhältnis nicht als Vertragspartei auf und hat entsprechend keine Verpflichtungen gegenüber Cashgate.

Damit entsteht neben dem klassischen Besitzer oder Mieter ein neuer Typ Autofahrer: Ihm gehört das Auto nicht, kann aber seine Leasinggebühren durch Dritte mittragen lassen. Durch die Möglichkeit dieser teilweisen Refinanzierung, stellt sich aber die Frage, ob derweil Kunden von Cashgate grössere und teurere Autos leasen, die sie sich mit einer alleinigen Nutzung vielleicht nicht leisten könnten.

Nadine Geissbühler, Sprecherin von Cashgate, verneint: «Ein Leasingnehmer erhält nur dann ein Leasing für ein Fahrzeug, wenn er dieses mit seinem bestehenden und regelmässigen Einkommen aus ungekündigtem, unbefristetem Arbeitsverhältnis finanzieren kann und die Bonitäts- und Tragbarkeitsprüfung im Voraus erfolgreich besteht.» Ein Leasingvertrag werde nicht basierend auf möglichen zukünftigen Einnahmen durch eine Weitervermietung ausgestellt. Denn die Kreditvergabe sei verboten, wenn sie zu einer Überschuldung führe, so Geissbühler.

Im Moment liegt der Fokus der Kooperation noch auf dem Grossraum Zürich. «Aktuell haben wir in der Deutschschweiz gerade in der Region Zürich das grösste und vielfältigste Autoangebot. Aber auch die Nachfrage auf Mieterseite ist hier stark», sagt Helfenstein. Gerade in urbanen Zentren sei das Teilen von Fahrzeugen – von Vermietern und Mietern – stark gefragt. Die grösste Kundengruppe von Sharoo findet sich in der Stadt Zürich, dicht gefolgt von Bern. Die Zusammenarbeit der beiden Firmen ist schweizweit geplant.