Das kantonale Volksschulamt erteilt dem ersten islamischen Kindergarten der Schweiz eine Abfuhr, die Verantwortlichen lehnen das Gesuch des Vereins Al Huda ab. Problematisch sei insbesondere die Nähe der Trägerschaft zum Verein Islamischer Zentralrat (IZRS), heisst es in einer Mitteilung. Hierzu zitiert das Volksschulamt in seinem Bericht folgenden Eintrag auf der Website des IZRS: «Für eine Gemeinschaft, die nicht bereit ist, ihre religiöse Observanz einer neuen Säkularisierungswelle zu opfern, bleibt nur der Ausweg, eigene Schulen zu etablieren.»

«Der Entscheid fiel aber nicht nur aufgrund der Verbindung mit dem Islamischen Zentralrat», sagt Volksschulamtschef Martin Wendelspiess auf Anfrage. Das Konzept des geplanten Kindergartens lasse darauf schliessen, dass den Kindern einseitige Werte vermittelt würden, die sich nicht mit den Leitsätzen der Volksschule vereinbaren liessen. Wendelspiess verweist auf eine Passage einer früheren Version der Website des Trägervereins. Da stand: «Gute Kindergärten und Schulen können mit Allahs Hilfe den unislamischen Einflüssen entgegenwirken, die unseren Nachwuchs zu grossen Sünden führen.» Gemäss Volksschulamt geht dies weit über das Setzen von religiösen und konfessionellen Schwerpunkten hinaus, wie es die Volksschulverordnung grundsätzlich ermögliche.

Rechtsgleichheit verletzt

Man nehme den Entscheid des Volksschulamts mit grossem Bedauern zur Kenntnis, schreibt der Vorstand des Trägervereins Al Huda in einer Medienmitteilung; persönlich wollten die Initianten nicht Stellung nehmen. «Wir sehen die Rechtsgleichheit unter den Religionen in der Schweiz verletzt», zumal die anderen Religionsgemeinschaften schon seit Jahren private Kindergärten und Schulen betrieben, heisst es weiter. Der Verein Al Huda sei eine lokale, eigenständige und unabhängige Vereinigung. Die religiöse Ausrichtung bedeute nicht, «dass wir nicht Teil unserer weltoffenen und toleranten Gesellschaft sind». Man werde nun den Entscheid juristisch prüfen lassen und allenfalls beim Zürcher Regierungsrat anfechten.

Bezüglich Gleichberechtigung der Religionsgemeinschaften räumt Wendelspiess ein, dass man seit längerer Zeit prüfe, inwieweit die jüdisch-orthodoxen Schulen die kantonalen Vorgaben einhielten. Man sei mit den Verantwortlichen im Gespräch und habe auch schon Auflagen zur Gewichtung von religiösen und weltlichen Fächern gemacht. «Diese Diskussion hat sich durch das Gesuch für einen islamischen Kindergarten noch akzentuiert», so der Chef des Volksschulamts.

«Das ist eine Vorverurteilung»

Für IZRS-Mediensprecher Qaasim Illi ist der Entscheid fragwürdig und heikel. Man gehe einfach pauschal davon aus, dass Werte wie Toleranz, Offenheit oder Glaubensfreiheit verletzt würden. «Das ist eine Vorverurteilung, dabei hätten diese Frauen eine Chance verdient», so Illi. Man verlange von einem angehenden katholischen Pfarrer ja auch nicht den Beweis, dass er in seinem Leben nie straffällig werden wird.

Zudem bestehe keine Verbindung mehr zwischen dem Förderverein und dem IZRS. Eine der Initiantinnen des Kindergartens habe zwar im Vorstand des Zentralrats gesessen, sei aber vor einem Jahr zurückgetreten. Der Handelsregistereintrag, auf den sich das Volksschulamt bezieht, sei demnach nicht mehr aktuell. «Und auch wenn sie noch im Vorstand wäre: Der Zentralrat beruft sich auf den Koran und einen starken islamischen Glauben und respektiert gleichzeitig die Schweizer Rechtsordnung.» In einem Punkt kann Illi den Entscheid aber nachvollziehen: «Bei einer Bewilligung durch das Volksschulamt wäre eine Welle der Empörung und Kritik über die Verantwortlichen hereingebrochen.»