Zürich
In vielen Krankenhäusern muss man ohne Kühlung in den Zimmern auskommen – neue Spitäler sind hitzetauglicher

Viele Spitäler im Kanton sind für Hitzeperioden schlecht gerüstet. Zwar sind Operationssäle und Intensivstationen kühl, aber auf den Zimmern wird geschwitzt. Wo Neubauten geplant sind, wird Abhilfe geschafft.

Katrin Oller
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Auch im Universitäts-Kinderspital Zürich leidet man derzeit unter der Hitze.

Auch im Universitäts-Kinderspital Zürich leidet man derzeit unter der Hitze.

KEYSTONE

Wer krank, schwach, sehr jung oder betagt ist, leidet besonders unter der aktuellen Hitze. Das gilt besonders für die Patienten in den Spitälern. Zwar sind Operationssäle, Notfallstationen, Intensivpflegestationen und andere Räume, wo dies medizinisch unerlässlich ist, bei allen Spitälern gekühlt. Ebenso solche Orte, wo Medikamente gelagert werden oder wärmegenerierende Maschinen stehen zum Beispiel zur Magnetresonanztomographie.

Aber in den Patientenzimmern stehen nur in neueren Trakten der Hirslanden-Privatkliniken Klimageräte. In den meisten Zürcher Spitälern muss man ohne Kühlung in den Zimmern auskommen.

Im Kantonsspital Winterthur (KSW) sind etwa im Behandlungstrakt alle Räume klimatisiert, im Bettenhaus lediglich der 5. Stock mit der Intensivmedizin. Im See-Spital Horgen sind es die Operationsräume, die Notfall- und Intensivstation sowie die Geburtenabteilung. Laut Mediensprecher Manuel Zimmermann hat der Kanton bei der Erstellung des Neubaus Anfang der 2000er-Jahre keine weiteren Klimaanlagen bewilligt. «Erst nachträglich wurde uns erlaubt, auch die Frischluftzufuhr zum Bettentrakt zu kühlen.» Diese Frischluft habe heute eine Temperatur von 22 Grad, respektive 10 Grad unter der Aussentemperatur.

Auch im Universitäts-Kinderspital Zürich leidet man derzeit unter der Hitze, sagt Thomas Hardegger, Gesamtprojektleiter des Kinderspital-Neubaus. Im Kinderspital sei die Kühlung nach und nach ergänzt worden. Im alten Gebäude wurden Umluftkühlgeräte eingebaut, wo sie medizinisch unabdingbar sind oder wo immer wieder darauf aufmerksam gemacht wurde, etwa in exponierten Patientenzimmern. Solche Klimageräte müssen aber streng überwacht werden, damit sich keine gefährlichen Keime bilden, wie Hardegger sagt. Das Risiko, dass Klimageräte die Gefahr erhöhen, Keime über die Luft zu verbreiten, ist auch der Grund, warum es etwa im Spital Wetzikon auf der Bettenstation keine solchen Geräte gibt.

Viele Spitäler im Kanton planen derzeit Neubauten. Dabei spielt die Haustechnik eine zentrale Rolle. Heute konzentriere man sich weniger auf eine optimale Isolation des Gebäudes, um die Wärme drinnen zu behalten, sagt Thomas Hardegger. Hier seien die technischen Lösungen weit fortgeschritten. Vielmehr stehe das Kühlen respektive das Verhindern, dass die Wärme ins Gebäude gelangt, und damit die Behaglichkeit, im Vordergrund.

Kühlung per Erdsonde

Der Ersatzneubau für das KSW-Bettenhaus, das derzeit im Bau ist, wird mit Lamellenstoren versehen. Diese dienen als aussenliegender Sonnenschutz und spenden dem Gebäude Schatten. Der Kinderspital-Neubau, dessen Spatenstich im April war, setzt auf Vordächer bei den Patientenzimmern und den meisten Büros und Behandlungszimmern. So brenne die Sonne gar nicht direkt auf die Fassade, wie Hardegger sagt. Mit Marquisen können die Zimmer zudem beschattet und separat verdunkelt werden, damit Kleinkinder oder übernächtigte Eltern auch tagsüber schlafen können.

Gekühlt werden alle Räume im Neubau der Architekten Herzog und de Meuron mittels Bauteilkühlung über den Boden oder die Decke. Diese wiederum wird mit Energie aus 120 Erdsonden gespiesen. Das Erdreich versorgt das Gebäude also mit Wärme im Winter und Kühle im Sommer. Die Vorgabe sei, dass die Temperaturen im Winter nicht unter 22 Grad fallen und im Sommer nicht über 26 Grad steigen – auch wenn draussen 36 Grad herrschen, sagt Hardegger.

Decken- oder Fussbodenkühlung wird auch in anderen geplanten Spitalneubauten zum Einsatz kommen etwa in Horgen, Wetzikon, Winterthur und dem Spital Limmattal in Schlieren. Bereits heute per Erdsonde gekühlt – und gewärmt – wird das 2016 eröffnete neue Bettenhaus des Zürcher Stadtspitals Triemli.

Das Spital Limmattal bezieht bereits in einem Monat seinen Neubau. Dort wird die Temperatur in der Regel 23 Grad betragen. An heissen Tagen wie derzeit kühlt das Klimasystem aber nur sechs Grad herunter. So ist man wohl auch dort froh um die Bemühungen der Pflegefachpersonen, den Patienten den Spitalaufenthalt trotz Hitze so angenehm wie möglich zu gestalten.

So kämpfen die Pflegerinnen und Pfleger gegen die Hitze:

Um die Hitze draussen zu halten, gehen die Spitäler ähnlich vor wie alle Haushalte: die Patientenzimmer werden frühmorgens gelüftet, dann werden, wo möglich, die Storen geschlossen. Das Universitätsspital Zürich (USZ) beschreibt auf seiner Website weitere Massnahmen, womit die Pflegenden den Patienten bei Hitze helfen:
Damit die Patienten möglichst täglich 1,5 bis 2 Liter Flüssigkeit zu sich nehmen, bekommen sie Wasser oder verdünnte Fruchtsäfte. Erlaubt sind bei Temperaturen über 30 Grad aber auch Mal weniger gesunde Getränke.
Wer nicht selber trinken kann, erhält eine Sprayflasche für die Befeuchtung der Mundschleimhaut. Wer Nierenprobleme hat und nicht viel trinken darf, kann an Eiswürfeln lutschen.
Trotz Höchsttemperaturen dürfen die Patienten zwei Stunden vor einer Operation nichts trinken. Patienten mit starkem Durst, könnten nach Rücksprache mit der Anästhesie aber etwa über eine Infusion Flüssigkeit erhalten.
Die Körperpflege wird bei Hitze intensiviert. Die schweren Duvets machen leichteren Leintüchern Platz, und die Bettwäsche wird häufiger gewechselt.
Zur Kühlung bietet das USZ Coldpacks sowie Fuss- oder Handbäder mit Crushed Ice. Neben Eiswürfeln in den Getränken können die Patienten bei der Hotellerie auch Glaces bestellen.