Pilotprojekt

In Primarklasse im Schulhaus Triemli machen «Tablets» Schule

Vier Stadtzürcher Primarklassen lernen im Unterricht den Umgang mit digitalen Geräten. In der vierten Primarklasse des Triemli-Schulhauses ist das Tablet bereits jetzt ein voller Erfolg. Die Kinder finden das neue Arbeitsinstrument «cool».

Marianne Cornu, die Lehrerin der vierten Primarklasse im Schulhaus Triemli, spielt ihren Schülerinnen und Schülern das Gedicht «Rose und Käse» von Kinderbuchautor Fredrik Vahle vor.

Danach fragt sie die Kinder: «Was meint, ihr, wieso habe ich euch das abgespielt?» «Vielleicht sollen wir jetzt auch ein Gedicht schreiben?», schlägt ein Schüler vor. «Vielleicht machen wir Käse!», ruft ein anderer.

Nein, die Tondatei spielte Cornu ab, weil sie ihrer Klasse das gesprochene Gedicht näher bringen will. Und dafür steht ihr seit kurzem ein brandneues Instrument zur Verfügung: das elektronische Tablet.

Alle 22 Kinder der Klasse sind im Rahmen des Pilotprojekts «Digitaler Rucksack» am letzten Montag mit einem Gerät ausgestattet worden; seither integriert es Cornu in den regulären Unterricht. In der ersten Woche wurde das Tablet im Mathematik- und Deutschunterricht eingesetzt. Bei Bedarf soll es auch universell als Nachschlagewerk zur Verfügung stehen.

Ergänzung zu Lehrmitteln

Die Kinder werden nun aufgefordert, sich das Gedicht alleine anzuhören und Notizen zu Lautstärke, Sprachtempo und Rhythmus zu machen. Sie nehmen ihre Tablets hervor, auf die Cornu die Tondatei bereits vor Schulbeginn geschickt hatte, setzen ihre Kopfhörer auf und beschreiben, wie der Autor sein Gedicht betont – dies jedoch noch ganz altmodisch, auf Papier.

«Das Tablet soll die anderen Hilfsmittel nicht ersetzen», sagt Co-Projektleiter Georges Behna, «sondern lediglich unterstützen.» Das Ziel wäre, dass sich das Tablet als individuelles Arbeitsgerät etabliert, das den Kindern diejenigen Inhalte bietet, die sie aufgrund ihrer persönlichen Stärken und Schwächen weiterbringen. «Das Tablet soll helfen, den Unterricht so gestalten, dass er optimal auf die individuellen Bedürfnisse zugeschnitten ist», so Behna.

Das Projekt «Digitaler Rucksack» entstand im Rahmen von «eZürich» als Zusammenarbeit des Schulamts der Stadt Zürich und der Organisation und Informatik der Stadt Zürich (OIZ).

Je zwei Stadtzürcher Klassen der ersten und vierten Primarschule nehmen daran teil. Während der Pilotphase wird es durch Prof. Dr. Beat Döbeli Honegger, Dozent für Medienbildung und Informatikdidaktik an der Pädagogischen Hochschule Zentralschweiz Schwyz sowie Leiter der Projektschule Goldau wissenschaftlich begleitet.

In der Projektschule Goldau wurde schweizweit bereits ein erstes ähnliches Projekt mit iPhones durchgeführt. Heute sind Projekte mit iPads und iPods am Laufen.

Ipad in der Schule Triemli

Ipad in der Schule Triemli

Die Kinder können mitreden

Die Pilotphase sei auch dazu da, in Zusammenarbeit mit den Lehrpersonen und den Kindern die Nutzung der Tablets im Unterricht zu optimieren. Die Klasse darf Vorschläge für Programme machen und die Apps, die die Lehrerin für sinnvoll befindet, lädt sie dann für die Kinder herunter. So soll evaluiert werden, was sich als Lernhilfe bewährt und was nicht.

Bei der Gestaltung des Tablet-Unterrichts wollen die Co-Projektleiter Georges Behna und Denise Reymond den Lehrerinnen freie Hand lassen. «Während der Pilotphase wollen wir den Lehrpersonen möglichst wenig Vorgaben machen. Bei Bedarf beraten wir, doch eigentlich stellen wir vorerst nur das Instrument zur Verfügung», sagt Behna.

Ob ein flächendeckender Tablet-Unterricht in Zürcher Primarschulen überhaupt umsetzbar ist, bleibt fraglich – schon nur aus Kostengründen. Doch damit befasst man sich im Moment noch gar nicht: «Zurzeit geht es erst einmal darum, Vorteile und Nutzen aufzuzeigen. Wie es danach weitergeht, ist noch völlig offen», so Behna.

Das Tablet ist cool

In der vierten Primarklasse des Triemli-Schulhauses ist das Tablet aber bereits jetzt ein voller Erfolg. Die Kinder finden das neue Arbeitsinstrument ausnahmslos «cool». Luka sagt: «Ich lerne dabei, mit Technik umzugehen», Sebastian hofft, dass er dank Tablet seine «30 000 Bücher nicht mehr mitschleppen muss». Shathusan sei ganz aufgeregt gewesen, als er erfahren habe, dass ihm «so ein teures Gerät» zur Verfügung gestellt werden soll.

«Die Kinder haben schnell gemerkt, dass das Gerät zum Arbeiten da ist und nicht nur zum Spielen», sagt Marianne Cornu. Trotzdem werde es wohl noch eine Weile dauern, bis sie es als normales Arbeitsinstrument wahrnehmen. Zu einem späteren Zeitpunkt sollen sie das Tablet für die Hausaufgaben nach Hause nehmen können. 

Wichtig ist Cornu auch, ihrer Klasse nicht nur die technische Handhabung des Geräts beizubringen, sondern auch ihre Medienkompetenzen zu trainieren. «Bei diesem Projekt ist es ein Muss, den Umgang mit dem Internet zu thematisieren», pflichtet ihr Behna bei.

Die Kinder hatten mittlerweile die Gelegenheit, das Gedicht auf ihrem Tablet selbst aufzunehmen. Sie haben die Tondateien per E-Mail an Frau Cornu geschickt, die zum Abschluss eine Aufnahme abspielt. Bevor die Kinder auf den Pausenplatz strömen, lobt Cornu die Klasse für ihren vorbildlichen Umgang mit dem neuen Werkzeug: «Ihr macht das super. So macht es auch wirklich Spass.»

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