«So entsteht Leben, wir finden die Pläne sehr gut», sagt Bernard Hosang, Gemeindepräsident von Lindau. Gestern gab der Aroma- und Dufthersteller Givaudan bekannt, dass er zwei Drittel des ehemaligen Maggi-Areals in Kemptthal verkauft hat. Zwei Unternehmen planen dort mit dem Projekt The Valley eine Art autarke Kleinstadt.

Heute sind rund 30 Firmen auf dem Areal eingemietet. «Wir könnten schnell 100 erreichen», sagt Mikula Gehrig von Mettler2Invest AG, eine der zwei Firmen, die sich zur MA Kemptthal Besitz AG zusammengeschlossen haben.

Zu den 500 Arbeitsplätzen, die Givaudan mit ihrem neuen Innovationszentrum im südlichen Teil plant, sollen im nördlichen Teil in den nächsten Jahren weitere 1500 dazukommen. «Wir wollen nicht nur zwei, drei Unternehmen aus der gleichen Branche, sondern eine Mischung von Biowissenschaft bis zur Kreativwirtschaft», sagt Gehrig.

Das Areal sei mit dem Bahnhof Kemptthal hervorragend erschlossen, man habe rund 100 000 Quadratmeter Nutzungsfläche im Angebot und könne attraktive Preise bieten, sagt Gehrig. Zielgruppe seien regionale Unternehmen, Start-ups, aber auch grosse, internationale Firmen.

Damit das «Valley» lebendig werde, sei nebst Arbeit auch Unterhaltung geplant. Restaurants und Bars sollen entstehen, mit verschiedenen Fitnesscentern sei man in Kontakt und auf einem grossen Aufenthaltsplatz könnten kulturelle Veranstaltungen stattfinden.

Das Areal werde öffentlich zugänglich sein, unter anderem ist im südlichen Teil ein Zugang zum Ufer der Kempt vorgesehen. Auch ein eigener Shuttle im «Valley», das sich über rund einen Kilometer erstreckt, ist in Planung.

Mietersuche braucht zehn Jahre

An den Plänen von Givaudan ändere sich so weit nichts, sagt Pressesprecher Hugo Felix. Wichtig sei, Infrastruktursynergien zu schaffen. «Wir haben beispielsweise kein Catering in unserem Teil geplant. Dafür haben wir die richtigen Partner gesucht.»

Die Kemptthal Besitz AG baue auch das Business Center für Givaudan. In einem Jahr sollen die Arbeiten abgeschlossen sein und der neue Givaudan-Campus eingeweiht werden. Rund fünf bis zehn Jahre rechnet Gehrig, bis sämtliche Mieter für das «Valley» gefunden sind. Die Idee sei, jeweils mit den interessierten Mietern zusammen Bauprojekte zu realiseren. «Wir werden nicht auf Vorrat Büros bauen.» Die meisten der Gebäude auf dem Areal seien geschützt, man werde sie deshalb nicht substanziell verändern, sondern nachhaltig herrichten. Es sei grosses Interesse vorhanden, einige Ankermieter habe man bereits gefunden.

Ein Herzstück soll laut Mitteilung ein Oldtimer- und Premiumfahrzeugzentrum sein. Zuständig dafür ist die zweite Besitzerin des «Valleys», die Motorworld Group, die verschiedene Standorte in Deutschland betreibt. Mettler2Invest habe sich mit der ursprünglichen Mitbewerberin um das Areal zusammengetan, nachdem man den Zuschlag erhalten habe, sagt Gehrig. «Die Motorworld-Manufaktur will Kleinhändler und Automanufakturbetriebe ansprechen und explizit keine Garagen, wie wir sie im üblichen Sinne kennen», sagt er.

Ein regionaler Entwickler eines Elektrofahrzeugs habe etwa bereits Interesse bekundet.
Im Spätsommer sollen weiter Informationen. Zurzeit arbeite man mit der Gemeinde und dem Kanton am fortgeschrittenen Gestaltungsplan, so Gehrig.