Wer bei guter Gesundheit ist, denkt oft nicht an die Zeit, in der es nicht mehr so sein wird. An den Punkt im Leben, wenn durch einen Unfall oder mit der natürlichen Alterung die Ansprechbarkeit oder Urteilsfähigkeit möglicherweise verloren geht. Wer regelt dann persönliche, rechtliche und finanzielle Angelegenheiten – und vor allem wie? Dafür notwendig sind selbstbestimmte und rechtsverbindliche Anordnungen.

Wie man diese formuliert und welche Vorgaben dafür notwendig sind, darüber informieren diesen Herbst an sieben Anlässen im Kanton Zürich die Stiftung Pro Senectute Kanton Zürich und der Raiffeisenbank-Regionalverband Zürich-Schaffhausen. Im Fokus der Veranstaltungsreihe «Selbstbestimmte Vorsorge» stehen Themen wie Vorsorgeauftrag, finanzielle Absicherung in der dritten Lebensphase sowie Ehe- und Erbrecht.

Zu späte Vorsorge macht hilflos

Entscheide über die medizinische Behandlung bei einer Erkrankung oder über die Art der Pflege sind für Menschen jeden Alters schwierig zu fällen. «Eigentlich müssten sich alle Menschen ab der Volljährigkeit mit diesen Themen befassen, da man zu jedem Zeitpunkt urteils- und handlungsunfähig werden kann», sagt Franjo Ambrož, Direktor von Pro Senectute Kanton Zürich.

Wer es nämlich verpasst, frühzeitig jemanden für die persönliche Sorge im Falle der Urteilsunfähigkeit zu bestimmen, läuft Gefahr, fremdbestimmt zu werden – entweder durch Angehörige oder Behörden. «Für Angehörige ist es sehr belastend, Entscheide für den Ehepartner oder die Eltern zu übernehmen, wenn deren Wünsche nicht bekannt sind», so Ambrož.

Oftmals komme es in solchen Situationen aufgrund von unterschiedlichen Interessen gar zu Streit; Hilflosigkeit resultiere in Schuldgefühlen auf beiden Seiten. Wer sich mit dem Älterwerden zu spät befasst, könne von den damit verbundenen Herausforderungen überfordert werden. Gerade Männer, deren soziales Umfeld häufig aus Arbeitskollegen besteht, drohen bei der Pensionierung zu vereinsamen.

Wünsche aufschreiben

Aus all diesen Gründen lohne sich eine Patientenverfügung. Darin werden Wünsche zur medizinischen Behandlung festgehalten oder aber eine Vertrauensperson bestimmt, die für einen entscheidet. Konkret empfiehlt Ambrož: «Die persönliche Wohnsituation sollte im Hinblick auf die sich verändernde Bedürfnisse ebenfalls frühzeitig überprüft werden.»
Um möglichst lange selbstständig oder mit ambulanter Betreuung zu Hause leben zu können, empfehle sich ein Umzug in eine kleinere Wohnung mit beispielsweise nur einer Etage ohne Schwellen und schmale Türeingänge.

Aber auch die Einrichtung von hindernisfreien Nasszellen sei zu berücksichtigen. Wünsche betreffend Pflege, Bestattung und Erbe sollen früh geäussert, besser noch aufgeschrieben und mit Nahestehenden besprochen werden. Pro Senectute Kanton Zürich empfiehlt deshalb älteren Menschen rund ein Jahr vor der Pensionierung ein Vorbereitungsseminar für den Übergang in die neue Lebensphase zu besuchen.

Frühe Vorsorge entlastet

Um die finanzielle Vorsorge sollte man sich ab dem 55. Altersjahr kümmern, so die Erfahrungswerte der Fachleute. «Es ist vielen Menschen zu wenig bewusst, dass im Falle eines Verlustes der eigenen Urteilsfähigkeit fremd über sie bestimmt wird, sofern sie ihren Willen nicht in einem Vorsorgeauftrag festgehalten haben», sagt Thomas Rütimann, Finanzplanungsexperte bei Raiffeisen Schweiz.

In einem Vorsorgeauftrag können Regelungen bezüglich der eigenen Rechtsvertretung, Vermögensverwaltung und Personensorge getroffen werden. Weiter würden ein Ehe- und Erbvertrag sowie ein Testament für die nötige Transparenz bei der Regelung des Nachlasses sorgen. Durchgeführt werden die kostenlosen Anlässe «Selbstbestimmte Vorsorge» unter anderem in Zürich, Winterthur, Regensdorf und Geroldswil.