Zürich

In fünf Minuten zum gesunden Zmittag: aus eigenem Bedürfnis machten Väter ein Geschäft

Weniger Junkfood, dafür mehr Gemüse in der Küche: Aus einem eigenen Bedürfnis machten Väter in Winterthur ein Geschäft – und gründeten das Label Frishling, unter dem sie vorgegartes Gemüse und Getreide verkaufen.

Es ist Mittag, kurz vor 12 Uhr, die Kinder kommen gleich nach Hause, und Vater Heinz Lang hat noch nichts gekocht. «Ich stand oft vor der Herausforderung, etwas Gesundes und Feines auf den Tisch zu bringen, doch Zeit hatte ich keine», sagt der 47-Jährige. «Geschweige denn frische Zutaten.»

So kam der Winterthurer Unternehmensberater und Umweltnaturwissenschafter auf die Idee, Gemüse, Getreide und Hülsenfrüchte auf Vorrat zu garen. Und zwar mit einem in der Gastronomie weitverbreiteten Verfahren, dem sogenannten Sous-vide-Garen. Auf die Methode gebracht hatte ihn sein Schwager Michael Uhr. Der 35-Jährige ist Koch, wohnt in Seuzach und ist ebenfalls Vater.

Die Rohstoffe werden vakuumverpackt und im Beutel bei relativ niedrigen Temperaturen schonend im Wasserbad oder Dampf gegart und dann schockartig abgekühlt. So werden Vitamine und Mineralstoffe nicht ausgeschwemmt, Aromen und Farben bleiben weitgehend erhalten. «Die Produkte sind vier Wochen haltbar», sagt Lang. Und dies, obwohl sie weder Konservierungsstoffe, Gewürze noch sonstige Zusätze enthalten.

Wie eine Schwangerschaft

Doch bis Lang seine Idee umsetzen und das Gemüse in grösserem Stil produzieren konnte, dauerte es seine Zeit. «Etwa so lange wie eine Schwangerschaft», sagt er. Also rund neun Monate. Er begann, letztes Jahr in der eigenen Küche zu tüfteln, testete verschiedene Rohstoffe, Garprozesse und Rezepte. Die dazu notwendigen Geräte mietete er. Und Erfahrung in der Lebensmittelbranche hatte er sich als Marketing- und Verkaufsleiter bei Jowa sowie als Unternehmensleiter bei Midor angeeignet. Das sind beides Unternehmen der Migros-Gruppe.

Dem Winterthurer wurde rasch klar, dass er das Rüsten, Garen und Verpacken des Gemüses und Getreides in grösseren Mengen nicht mehr in der eigenen Küche würde durchführen können. Er suchte deshalb nach einem Produzenten und fand ihn in Rüti. Es ist die Firma Hosberg AG, die sich mit dem Vermarkten von Bioeiern einen Namen gemacht hat. Mitarbeiter verarbeiten dort das Gemüse von Hand. Und auch die Papieretiketten werden mit einer Schnur um die Plastikbeutel gebunden.

Die Rohstoffe oder zumindest einen Teil davon sollte Biobauer Klaus Böhler aus Seuzach liefern. Der Rest kommt von anderen Biolandwirten. Lang kennt den 44-jährigen Böhler, auch er ein Vater, seit einigen Jahren. Die beiden wollten schon länger ein hochwertiges, innovatives Bioprodukt auf den Markt bringen. Doch bis vor kurzem hatte das nicht geklappt.

Nun sind die Frishling-Produkte für rund fünf bis acht Franken pro 350-Gramm-Beutel in allen 13 Filialen von Alnatura erhältlich. Sie richten sich an Leute, die zwar gerne kochen, aber kaum Zeit haben. «Man kann das Gemüse vom Beutel direkt in die Pfanne geben, wärmen, würzen und fertig», sagt Lang. Zubereitungsideen liefert Koch Uhr.

Im Moment führt Lang das Label noch unter seiner Beratungsfirma Gruensee. In der ersten Woche hat er 1500 Beutel ausgeliefert. «Es läuft gut», sagt er. Auch wenn er noch keinen Gewinn erwirtschaftet. In Zukunft sollen weitere Bioläden seine Produkte ins Sortiment aufnehmen. «Wir möchten einfach einen Haufen Leute glücklich machen», sagt er.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1