Gay-Hochzeiten
In einigen Punkten darf es für Schwule und Lesben extravaganter sein

Seit Schwule und Lesben ihre Beziehung eintragen können, boomt das Business mit den Gay-Hochzeiten. Ein Besuch an der «Colored Love» in Zürich, der Hochzeitsmesse für gleichgeschlechtliche Paare.

Simone Matthieu
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Der schönste Tag im Leben will geplant sein: Claudia und Liisa probieren an der Hochzeitsmesse die Eheringe.
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Coloured Love - Die Hochzeitsmesse für gleichgeschlechtliche Paare
Leckereien durften nicht fehlen.
Gay-Wedding-Planer der pinken Art: Patrick und Liliane.
Danae Loucatos sorgt für Spass.

Der schönste Tag im Leben will geplant sein: Claudia und Liisa probieren an der Hochzeitsmesse die Eheringe.

Simone Matthieu

Grundsätzlich wollen Schwule und Lesben an ihrer Hochzeit das Gleiche wie die Heterosexuellen, aber in einigen Punkten darf es dann doch ein bisschen extravaganter sein», sagt Denise Wälti vom Hotel und Restaurant Wasserberg auf der Forch. «Meist möchten sie im Garten den schönsten Tag ihres Lebens feiern und sie legen sehr viel Wert auf eine optisch anspruchsvolle Tafel.»

Das Restaurant Wasserberg ist einer der Aussteller an der Zürcher Hochzeitsmesse für Homosexuelle mit dem Titel «Colored Love», die am Freitag und Samstag im Papiersaal auf dem Sihlcity-Areal stattgefunden hat. Die Schwester der heterosexuellen Hochzeitsmesse ist klein, intim und herzlich. Trotzdem wurden auf zwei Etagen insgesamt 600 Besucher erwartet.

Allerdings haben sich nur ein Teil der insgesamt 20 Anbieter ausschliesslich auf schwul-lesbische Paare spezialisiert. So sind etwa auch die Zürich Versicherungen vor Ort, die eine «Hochzeitsversicherung» anbieten, oder der Reisekonzern Hotelplan, der seit 2010 mit «Gay Travel» ein entsprechendes Angebot führt. Wie etwa ein edler Honeymoon nach Mauritius.

Schwule und Lesben sind bereit, mehr Geld auszugeben für ihre Liebe, bestätigen auch Patrick und Liliane von «Art of Planer», die bewusst nur mit ihrem Vornamen agieren. Deren Hochzeitsplanungs-Agentur ist eine der Firmen, die sich auf Homosexuelle spezialisiert haben. «Die Gays dürfen nicht offiziell in die Kirche, darum versuchen sie ihren Hochzeitstag auf andere Art und Weise zu gestalten.»

Trotzdem nutzen sie die Möglichkeiten, um der klassischen Hochzeit nahe zu kommen. «Die Torte anschneiden, den ersten Tanz...», so Patrick. Und auch ein weisses Kleid – oder zwei weisse Kleider, wie Yasmin Altay von Mery’s erzählt. «Es kann aber auch mal sein, dass, je nach Konstellation des Paares, die eine Frau einen Frack trägt und die andere ein Kleid.» Trendig bei den Lesben seien weisse Brautkleider. Bei schwulen Paaren würden in der Regel beide einen Frack tragen. «Was sie dabei von den Heterosexuellen unterscheidet, ist, dass sie mehr Wert auf spezielle Muster oder Farben legen». Sie hätten aber auch schon Anfragen erhalten, ob es möglich wäre, für den einen Partner ein Brautkleid machen zu lassen.

Neben Kleidern wird auch der obligate Schmuck angeboten. Liisa und Claudia, seit vier Jahren ein Paar und kurz vor dem Traualtar, probieren beim Aussteller Rhomberg einige Ringe an. Genau die, von denen der Anbieter weiss, dass sie gerade bei homosexuellen Paaren gut ankommen: Schwarzes Karbon mit Mittelstreifen aus Gold, Silber, Edelstahl oder Diamanten. «Es gibt Homosexuelle, welche die absolut klassische Variante wünschen, aber ebenso auch die, die etwas Ausgefallenes möchten», heisst es bei Rhomberg. Liisa und Claudia stehen jedenfalls auf die Karbon-Modelle.

Was sie bei der Vermählung anziehen wollen, wissen sie allerdings noch nicht. «Ich glaube nicht, dass ich ein weisses Kleid tragen werde», sagt Claudia. Und Liisa ergänzt: «Von mir aus können wir auch in Jeans heiraten, das ist für mich absolut unwichtig.»

Vor der Hochzeit winkt natürlich auch der beliebte Polterabend. Danae Loucatos von Holter Polter organisiert solche Abende für homo- wie heterosexuelle Paare. «Der Unterschied bei schwulen Männern ist, dass sie den Event lieber sanft und mit Stil haben möchten.» Für ausgefallene Wünsche sind eher Heterosexuelle zuständig.

Für den wichtigsten Akt, die Trauung selbst, hat sich beispielsweise Gabriela Rub als «Ersatz-Pfarrerin» spezialisiert. Sie übernimmt die Zeremonie, aber nicht mit religiösen Sprüchen, sondern mit selbst verfassten Liebestexten und nach Wunsch auch mit Live-Musik. «Ich hatte schon mal ein Paar, welches Highway to Hell» gespielt haben wollte – ein augenzwinkernder Hinweis, um die Party zu starten», lacht sie. Rub hält ihre Zeremonien in Tropenhäusern, Parks oder Gärtnereien ab. «Es spricht sich herum, dass dafür ein Markt existiert. Und das nicht nur für Homosexuelle.»

So wird an der Messe alles präsentiert, was das heiratswillige Herz begehrt, es sei denn, man möchte sich für eine russische Hochzeit entscheiden. Das Olympia-Gastgeberland ist bei der Messe-Organisation ein rotes Tuch. Gegenüber der Presse erklärten sie, dies sei ein Zeichen gegen die grassierende Homophobie in Russland.