Dübendorf
In Dübendorf entsteht, was in Schlieren wegen der Anwohner gescheitert ist

Zürich wartet auf eines, in Schlieren ist es am Widerstand der Anwohner gescheitert – in Dübendorf soll nun eines entstehen: In Gehdistanz zum Bahnhof Stettbach und zur Glattalbahn werden private Investoren ein Kongress- und Kulturzentrum bauen.

Oliver Graf
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Das neue Kongress- und Kulturzentrum (mittleres, dunkles Gebäude unten) wird nur wenige Meter neben dem Bahnhof Stettbach liegen.

Das neue Kongress- und Kulturzentrum (mittleres, dunkles Gebäude unten) wird nur wenige Meter neben dem Bahnhof Stettbach liegen.

Visualisierung/HO

Das Vorhaben im Dübendorfer Industriegebiet, das den Namen «Hoffnig» trägt, ist seit längerem bekannt. Nun sind die letzten Hürden genommen: Die Stadt Dübendorf hat die Baufreigabe erteilt. «Es ist alles bereinigt», sagt Peter Bodmer. Der Geschäftsführer der Küsnachter «Beka Global Solutions», welche das Projekt im Auftrag von vier privaten Investoren vorantreibt, bestätigt auf Anfrage einen Bericht der «NZZ» vom Mittwoch: «Anfang Juli findet der Spatenstich statt.» Ende 2016 sollen im Neubau bereits die ersten Veranstaltungen stattfinden, 2017 soll im Kongress- und Kulturzentrum der Vollbetrieb aufgenommen werden.

3000 Sitz- oder 5000 Stehplätze

Als Herzstück des geplanten Gebäudes gilt gemäss Projektbeschrieb die «teilbare Multifunktionshalle». Diese bietet Raum für maximal 3000 Sitzplätze oder 5000 Stehplätze. Für kleinere Firmenevents und Kulturveranstaltungen ist im Untergeschoss ein Kulturraum vorgesehen. Zudem wird es eine «grosszügige Ausstellungsfläche» geben.

Auch wenn im Grossraum Zürich bereits entsprechende Angebote bestehen, das Zürcher Kongresshaus zudem demnächst saniert und umgebaut wird sowie im Grossprojet «The Circle» des Flughafens Zürich noch ein weiterer neuer Kongressbereich mit 1500 Plätzen vorgesehen ist, glaubt Peter Bodmer daran, dass eine Nachfrage nach dem Projekt am Dübendorfer Stadtrand besteht. «Unser Projekt füllt eine Lücke», sagt Bodmer. «Wir liegen zwischen dem Kongresshaus und dem Hallenstadion.» Das Dübendorfer Kongress- und Kulturzentrum stehe deshalb mit den etablierten Angeboten nicht in direkter Konkurrenz, auch wenn sich am Rande natürlich gewisse Überschneidungen ergeben dürften. «Aber in der Region Zürich fehlt ein Veranstaltungsraum für 3000 Personen.» Bodmer denkt an Generalversammlungen von Firmen oder an Konzerte von Künstlern, die das Hallenstadion nicht ganz zu füllen vermögen, denen aber die bestehenden Säle zu klein sind.

Überregionale Ausstrahlung

Martin Sturzenegger, der neue Direktor von Zürich Tourismus, hatte bei seinem Amtsantritt den Bau eines Kongresszentrums gefordert. Dass private Investoren nun vor den Toren Zürichs vorwärtsmachen, begrüsst er grundsätzlich («das Potenzial ist vorhanden»). In der «NZZ» kritisierte er aber auch, dass nach wie vor «in der Stadt Zürich kein Angebot für die lukrativen Kongresse mit über 1500 Teilnehmern besteht».

Dass ein solches Zentrum nun in seiner Stadt gebaut wird, begrüsst Lothar Ziörjen grundsätzlich. Der Stadtpräsident kann aber noch nicht abschätzen, was dies für Dübendorf bedeuten wird. «Es handelt sich um ein kommerzielles Produkt, an dem wir nicht beteiligt sind.» Für Dübendorf und seine lokalen Vereine, die kleinere Säle füllen, sei es wohl eine Schuhnummer zu gross. Das Kongresszentrum sei so konzipiert, dass es überregional ausstrahlen werde; davon könne die Stadt allenfalls profitieren, meint Ziörjen. Nachteile erwartet er trotz der erwarteten Besucherströme nicht. Die Lage des Grundstückes sei ideal. In direkter Nachbarschaft befänden sich Industrie- und Gewerbebauten, Anwohner würden nicht gestört. Zudem sei das Areal gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen.

«153 000 Besucher pro Jahr

Auch Peter Bodmer spricht von einem Standort, der sich in den vergangenen Jahren ideal entwickelt hat. Im Gespräch räumt aber auch er ein, dass draussen in der Stettbacher Industriezone der städtische Glamour und der glitzernde See schon etwas fehlten. «Diesen fehlenden Sexappeal machen wir aber mit unserem guten Produkt gleich wieder wett.»

Gemäss einem Bericht zu einem (anderen) privaten Gestaltungsplan, der am Rande auch auf das geplante Kongress- und Kulturzentrum eingeht, rechnen die Betreiber offenbar mit jährlich 153’000 Besucherinnen und Besuchern. Im Bericht wird von 44 Tageskongressen mit jeweils 800 bis 3000 Personen sowie von 36 Abendveranstaltungen mit 1500 bis 5000 Personen ausgegangen.

Umbau Zürcher Kongresshaus: Freier Blick auf See und Alpen

Der Stadtrat treibt seine «Strategieplanung Kongressstadt Zürich» voran. Diese sieht unter anderem die Instandsetzung und den Umbau des bestehenden Kongresshauses vor. Damit einher geht auch die Sanierung der bestehenden Tonhalle. Das gesamte Gebäudeensemble soll «zukünftig für grosse Kongresse und für die zeitgleiche Durchführung von verschiedenen Veranstaltungen besser genutzt werden können», teilte der Stadtrat von Zürich gestern mit. Vorgesehen ist unter anderem, dass die gesamten Gebäude-, Gastro- und Bühneninfrastrukturen erneuert werden. Neu wird zudem ein Restaurant mit Terrasse erstellt – dafür wird der Panoramasaal abgebrochen (dieser Abbruch wird vom Musikfoyer aus wieder einen freien Blick auf See und Alpen erlauben). Um den damit verbundenen Raumverlust auszugleichen, sind im Erdgeschoss zwei neue, modern ausgerüstete Säle sowie ein Foyer vorgesehen. Entsprechend wird sich der Gebäudekomplex geringfügig auf die Freifläche in Richtung General-Guisan-Quai vergrössern. Laut Stadtrat wird der erweiterte und modernisierte Kongressbereich inskünftig dann Kongresse mit bis zu 2500 Teilnehmenden – 1700 davon im Plenarsaal – ermöglichen. Der Beginn der Sanierungs- und Umbauarbeiten ist auf Sommer 2017 vorgesehen. Die Stadtzürcher Stimmbevölkerung muss der geringfügigen Anpassung der Bau- und Zonenordnung sowie dem Baukredit über voraussichtlich rund 140 Millionen Franken vorgängig zustimmen. Die Abstimmung findet voraussichtlich Mitte des nächsten Jahres statt. (og)

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