Zürich

In diesem Baudenkmal wohnt man «wie in den Ferien»

Da ist der Blick auf den Zürichsee noch weitgehend unverbaut: 1932 werden in Wollishofen im «Neubühl» 195 Wohnungen erstellt.

Da ist der Blick auf den Zürichsee noch weitgehend unverbaut: 1932 werden in Wollishofen im «Neubühl» 195 Wohnungen erstellt.

Die Wohnsiedlung «Neubühl» in Wollishofen ist ein Baudenkmal: Zwischen den beiden Weltkriegen erbaut, warb sie im Jahr 1932 mit dem Slogan «Wohnen wie in den Ferien». Heute öffnet die Stiftung «Ferien im Baudenkmal» eine der Wohnungen für Touristen.

Die Siedlung Neubühl in Zürich Wollishofen hatte beim Bau im Jahr 1932 über die Landesgrenzen hinaus grosse Beachtung gefunden. Eine der Wohnungen bietet die Stiftung «Ferien im Baudenkmal» nun Gästen an – zu einem guten Preis. Dieses neue Angebot passt: «Wohnen wie in den Ferien» – so hatte damals ja auch der Werbespruch gelautet, als der Schweizerische Werkbund die Siedlung Neubühl zur Erstvermietung ausgeschrieben hat.

Das war im Jahr 1932, zwischen den beiden Weltkriegen. Namhafte Avantgarde-Architekten hatten sich damals intensiv mit der Frage beschäftigt, was eine Wohnung eigentlich ausmacht, damit man sich richtig wohl darin fühlt. «Nach dem Krieg waren viele Menschen alleinstehend. Man suchte nach neuen Lebensformen, einem kollektiven Wohngefühl, abseits der eng gewordenen Innenstädte, trotzdem nahe der Zentren, aber im Grünen, mit viel Licht und Luft», sagt Kerstin Camenisch, die Geschäftsführerin der Stiftung «Ferien im Baudenkmal».

Die Ferienwohnung, eine Einzimmerwohnung mit einer Grundfläche von 42 Quadratmetern, ist begehrt: Im November stand sie bloss an sieben Tagen leer.

Die Ferienwohnung, eine Einzimmerwohnung mit einer Grundfläche von 42 Quadratmetern, ist begehrt: Im November stand sie bloss an sieben Tagen leer.

Ein Novum: Grosse Fensterfronten

Das Resultat der Planer – die Siedlung Neubühl – beschreibt sie als Pioniertat, als Leuchtturm des Neuen Bauens, der in den Architekturkreisen Europas Aufsehen erregte und mehrfach kopiert wurde.

Alleine die Glasfronten: Zu jener Zeit waren die Fenster für gewöhnlich klein. Im Neubühl sollten sie grösser sein, die Räume mit möglichst viel Sonnenlicht durchflutet werden. Jede Wohnung verfügt über einen Gartensitzplatz, Balkon oder eine Dachterrasse.

Eingebettet zwischen Albiskette und Zürichsee entstand zwischen 1930 und 1932 eine Zeilenbebauung mit 195 Wohnungen. Mittlerweile bietet nicht mehr jede einen Blick auf den See. Dafür erhält der Slogan von damals – Wohnen wie in den Ferien – eine noch sprichwörtlichere Bedeutung. Dies, weil die Eigentümerin, die Ortsgruppe Zürich des Werkbundes, mit «Ferien im Baudenkmal» eine Kooperation eingegangen ist.

Modern und historisch

Diese Stiftung vermietet seit 2005 in der ganzen Schweiz Ferienwohnungen in historisch wertvollen Bauzeugen. So können Denkmäler erhalten, Gästen ein Aufenthalt in einem aussergewöhnlichen Gebäude ermöglicht und mit den Einnahmen ein Teil der Unterhaltskosten gedeckt werden. Angebote findet man auf der Website www.magnificasa.ch vorwiegend in den Kantonen Bern, Graubünden und Wallis. Das bisher einzige im Kanton Zürich war das Riegelhaus Blumenhalde in Uerikon.

Mit dem Neubühl wird das Angebot der Stiftung nun um eine Einzimmerwohnung ergänzt. Sie bietet Platz für zwei Gäste, auf einer Fläche von 42 Quadratmetern. Bei der Möblierung wurden historische Dokumente beigezogen, um dem damals neuen Lebensstil gerecht zu werden. Dennoch wähnt man sich nicht im Museum.

Denn die Gäste müssen weder auf Geschirrspüler noch auf Internet verzichten. Sogar ein Velo steht zur Verfügung. Und das alles für 80 Franken pro Zimmer und Nacht – zuzüglich Reinigungskosten von 50 Franken. Die Woche kostet 500, ein Monat 1800 Franken. «Die günstigen Preise entsprechen den Wünschen des Werkbundes sowie der weiteren Bewohnerinnen und Bewohner, die den Wohnraum beispielsweise ihren Besuchern anbieten können», sagt Kerstin Camenisch.

Bereits gut belegt

Nicht länger als einen Monat darf das Mietverhältnis dauern. Ein Blick auf die Online-Buchungsplattform zeigt, dass die Maximaldauer nur bei frühzeitiger Reservierung möglich ist. Seit dem Start Anfang September ist das Zimmer regelmässig belegt. Im November, nicht gerade als Ferienmonat bekannt, blieb es nur an sieben Tagen leer.

Es seien nicht nur Architekten und Anhänger der Baukunst, welche die Wohnung belegen würden, sagt Kerstin Camenisch. «Auch Geschäftsleute mieten sie.» Ein ausgewiesenes Interesse an Baudenkmälern sei keine Voraussetzung. «Weshalb dieses Objekt schützenswert ist, erfahren die Mieter aber spätestens dann, wenn wir sie bei der Buchung mit Informationen über die geschichtlichen Hintergründe der Siedlung beliefern.»

Meistgesehen

Artboard 1