Kommentar
In der Stadionfrage ist Zürich noch nicht weiter als vor 15 Jahren

Zürich erhält ein echtes Fussballstadion. Die Stadtzürcher Stimmberechtigten haben dem Projekt «Ensemble» zugestimmt. Der Kommentar.

Matthias Scharrer
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Stadion Zürich
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So könnte es aussehen: Das Hardturm-Areal in Zürich aus der Vogelperspektive mit Stadion, gemeinnützigem Wohnungsbau und zwei Hochhäusern.
Freude nach dem Ja zum Stadion.
Freude nach dem Ja zum Stadion.
Freude nach dem Ja zum Stadion.
Freude nach dem Ja zum Stadion.

Stadion Zürich

Keystone

Das Volk hat entschieden: Zürich soll ein reines Fussballstadion erhalten, ergänzt durch gemeinnützige Wohnungen und privat finanziert durch gewinnorientierte Hochhäuser, für die die Stadt günstiges Bauland zur Verfügung stellt. In der Saison 2022/3 wird das Stadion eröffnet, so der offizielle Zeitplan.

Das Abstimmungsergebnis ist eine Ohrfeige für die ansonsten siegesgewohnte Stadtzürcher SP und ihre Verbündeten von den Grünen: Beide Parteien hatten die Vorlage abgelehnt. Es zeigt aber auch: Der Sport verbindet. Parteizugehörigkeit rückt dabei in den Hintergrund. Auch die rot-grünen Hochburgen Zürichs stimmten durchs Band mehrheitlich für das Projekt «Ensemble», zu dem das Stadion gehört. Nur der Kreis 10 war dagegen – und damit das Quartier Höngg, aus dem nun weitere Einsprachen drohen.

Damit könnte sich ein Drama wiederholen, das Zürich in der Stadionfrage schon einmal erlebt hat: Bereits 2003 hatte sich das Stimmvolk für ein Fussballstadion auf dem Hardturmareal ausgesprochen, das durch ein privates Renditeobjekt mitfinanziert werden sollte. Damals brachten Einsprachen von Anwohnern jahrelange Verzögerungen mit sich – bis die Investoren der Credit Suisse das Projekt am Ende fallen liessen.

Die Credit Suisse ist mit ihren Anlagefonds auch jetzt wieder bei den Investoren mit am Ball. Und erneut formiert sich aus der Nachbarschaft Widerstand, entschlossen, bis vor Bundesgericht zu gehen. So gesehen, ist Zürich in der Stadionfrage noch nicht weiter als vor 15 Jahren. Dass der Ball schon 2022 im neuen Stadion auf dem Hardturmareal rollt, scheint eher unwahrscheinlich.

Gespräche mit den Trägern des Projekts «Ensemble» am Abstimmungssonntag liessen erahnen: Jetzt beginnt das Seilziehen hinter den Kulissen. Um eine erneute Serie von Rekursen zu verhindern, wird es Gespräche geben. Sie sollen die Projektgegner zum Einlenken bewegen. Der Volkswille ist dabei ein gewichtiges Argument, das für den raschen Bau des Stadions spricht. Dennoch ist es legitim, ein Projekt dieser Grössenordnung durch Einsprachen auf den Prüfstand der Gerichte zu stellen.