Eislauf

In der Sportanlage Sihlhölzli wird auf Kunststoff Schlittschuh gelaufen

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Hier entsteht ein 200 Quadratmeter grosses Kunststoff-Feld zum Eislaufen.

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Freizeit In Zürich sind Eisflächen rar. Nun startet das Sportamt einen Versuch mit einem Feld aus Kunststoff.

Wollen die Zürcher vor der Haustür einen Hauch von Winter erleben, bleibt ihnen derzeit nur das Schlittschuhlaufen. In der Stadt ist das Angebot jedoch dürftig. Eine grosse Eisfläche bietet lediglich die Kunsteisbahn Dolder. In Oerlikon ist das Eis für die Schulen und Schlittschuh-Clubs reserviert. Auf dem Sechseläutenplatz, in der Europaallee und auf der Polyterrasse wurden zwar temporäre Anlagen aufgebaut. Sie standen aber nur bis zu den Festtagen zur Verfügung.

Eröffnung am Samstag

Das Eisfeld im Hof des Landesmuseums wird wegen des Erweiterungsbaus frühestens Ende 2016 wieder stehen. Und mit dem Umbau der Sport- und Freizeitanlage Heuried verschwinden weitere Eisflächen – zumindest bis zur geplanten Wiedereröffnung im Herbst 2017. Das Sportamt der Stadt Zürich bietet nun als Alternative auf der Sportanlage Sihlhölzli eine Unterlage aus Plastik an. Die 200 Quadratmeter grosse Fläche aus synthetischem Kunststoff wird am kommenden Samstag erstmals geöffnet. Nach zwei Monaten soll sie aber bereits wieder abgebaut werden.

Umweltfreundliche Anlage

«Uns interessiert, ob synthetische Gleitflächen als energiefreundliche Alternative für den öffentlichen Eislauf geeignet sind», sagt Robert Locher, Bereichsleiter beim Stadtzürcher Sportamt. «Gerade für Kinder und Einsteiger ist die nicht kalte Rutschfläche angenehm.» Ob diese beim Publikum tatsächlich ankommt, soll mittels gezielten Befragungen ermittelt werden.

Für eine Kunststoff-Variante sprechen die tiefen Miet- und Unterhaltskosten. Die Anlage kommt ohne Strom aus und kann innerhalb eines Tages aufgebaut werden. «Um die Fläche zu putzen, muss man sie nur ab und zu abspritzen und drei bis vier Mal pro Woche mit einer Hallen-Reinigungsmaschine drüberfahren», sagt Roland Bächler, Betriebsleiter des Sportzentrums Heuried.

Anstrengendes Gleiten

Für Transport, Aufbau und Miete zahlt die Stadt während der Testphase 22 000 Franken. Die Benutzung ist kostenlos, Schlittschuhe müssen allerdings selber mitgebracht werden. Ob sich das Angebot langfristig durchsetzt, ist fraglich. Roland Bächler hat die Unterlage schon andernorts ausprobiert und sagt klar: «Kunsteis- oder Natureisflächen lassen sich damit jedenfalls nicht ersetzen, das bestätigen sogar die Hersteller.» Das Fahren auf Kunststoff sei anstrengender. «Man gleitet deutlich schlechter. Daran muss man sich erst gewöhnen.» Ein spezielles Gleitmittel hilft nur bedingt. Für Hockey und Eiskunstlauf sei die Plastikfläche ungeeignet. Sie biete sich Hockeyclubs höchstens für Konditions- oder Schusstrainings an.

Mini-Feld auf der Kulturweid

Marco Engesser von der Kulturweid teilt diese Einschätzung. Sein Kulturverein betreibt seit dem 17. Dezember auf der Pfingstweid in Zürich West zwischen Bahnhof Hardbrücke und Duttweilerbrücke ein Kunststoff-Feld. Es ist 80 Quadratmeter klein und stammt wie jenes im Sihlhölzli von der im luzernischen Buttisholz ansässigen Grüter Handels AG. Zum Fahrgefühl sagt Engesser: «Das Schlittschuhlaufen fühlt sich stumpf an. Es ist sicher nicht mit dem Fahren auf Kunsteis zu vergleichen.» Kinder und Freizeitläufer hätten jedoch Spass an der Alternative.

Kunststoff-Felder: Sihlhölzli: 9. Januar bis 28. Februar, täglich 9 bis 21 Uhr. Kulturweid: noch bis 27. Januar, freier Zugang. Beide Angebote sind gratis. Kein Schlittschuhverleih.

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