1997 gingen in der Frauenbadi am Stadthausquai in Zürich erstmals Drinks über den Tresen. Dies war die Geburtsstunde der heute ältesten Badibar auf Zürcher Stadtboden respektive -wasser. Damals richtete der Saftladen aus dem Kreis 1 in der Flussbadi einen Kiosk ein. Die weiblichen Gäste der Badi konnten sich fortan mit Snacks und frischen Säften versorgen.

Die Zürcher Badis sind zwar eine jahrhundertealte Tradition, aber das Sonnenbaden, Essen und Geniessen war in den Zürcher Anstalten nicht immer erlaubt. Der Genuss- und Sportcharakter wurde erst im 20. Jahrhundert entdeckt. Davor wurde nur aus Gründen der Hygiene öffentlich gebadet. Rund zwei Drittel der Gebäude in der Stadt Zürich verfügten damals nämlich noch nicht über fliessendes Wasser.

30 Minuten inklusive Umziehen

Für Frauen herrschte bis vor 180 Jahren aber noch ein öffentliches Badeverbot. 1837 hob der Zürcher Stadtrat es auf und errichtete das erste geschlossene «Badhaus für Frauenzimmer». Es grenzte direkt an die Mauer des Bauschänzlis an. Wie im Spezialinventar Bäder der Stadt Zürich steht, begründete der Stadtrat seinen Beschluss wie folgt: «Auf dass sie nicht mehr des nachts in den laufenden Brunnen badeten.» Seit der Reformation galt das Baden als pöbelhaft, unanständig und war sogar verboten.

Im wohl ältesten Badeverbot von 1525 untersagte der Stadtrat Jungen und Alten von Wasserrädern in die Limmat zu springen. Mit dem Zeitalter der Aufklärung führte die Stadt Zürich dann das geordnete Baden – also nach Geschlechtern getrennt, nicht mehr nackt und nicht in freien Gewässern – ein. Damit löste sich die Stadt von der zwinglianischen Körperentfremdung. Im Archiv des Sportamtes der Stadt Zürich ist nachgewiesen, dass der Reformator nicht viel vom Baden hielt: ««Schwimmen habe ich Wenigen nützen gesehen, wiewohl es zu Zeiten lustig ist, die Glieder wie ein Fisch im Wasser strecken und ein Fisch zu werden.»

Die Liegeflächen um das Aussenbecken wurden in den 1950er-Jahren gebaut.

   

Erst 1888 wurde die Frauenbadi an ihren heutigen Standort beim Stadthausquai verlegt. Sie musste von ihrem ursprünglichen Standort am Seeufer weichen, weil die Gemeinden Enge, Riesbach und Zürich den Ausbau gemeinsamer Quaianlagen planten. Inspiriert von den schwimmenden Badeanstalten der italienischen Städte Venedig und Triest wurde in Zürich das Zeitalter der Kastenbäder eingeläutet. Bis 1900 gab es in Zürich bereits neun weitere Kastenbäder.

In der Barfussbar-Chronik wird die Frauenbadi als «nach der Mode der Zeit» bezeichnet. Das rechteckig, abgeschlossene Konstrukt aus Holz und mit Überdachung gegen die Sonne ist über einen schmalen Steg mit dem Stadtufer verbunden. Im geschlossenen Teil konnten sich die Damen in zwei getrennten Ecken ihrer Körperpflege widmen. Zudem verfügten die damals 12 Holzkabinen mit eigenen Treppen über einen direkten Zugang zum Wasser. Die Besucherinnen konnten sich so unbeobachtet im Fluss erfrischen. Nach dem damaligen Badereglement aber nur für eine halbe Stunde, Umziehen mit einberechnet. Das heute denkmalgeschützte Laubsägeli-Bad mit orientalisch geschwungenen Ecktürmchen ist stilistisch auf das im Stadthausquai liegende Café Métropol abgestimmt.

Als Badis zur Erholung einluden

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde ein weiteres Schwimmbecken ausserhalb des abgeschotteten Badebereichs gegen die Limmat hin angebaut. Dieses wurde fortan mehrheitlich für den Schulschwimmunterricht genutzt. Anfang der 1950er-Jahre folgte der Ausbau der Liegeflächen, um das Aussenbecken herum. Diese Öffnung der Frauenbadi ging mit einer sich verändernden gesellschaftlichen Haltung über das Baden einher. So entwickelten sich die Zürcher Freibäder zu Orten der körperlichen und seelischen Erholung. Parallel dazu wurde auch der begrenzte Badeaufenthalt aufgehoben.

Der letzte Umbau der Frauenbadi erfolgte in den 1980er-Jahren. Das schwimmende Kastenbad wurde auf 26 Pfählen im Flussgrund verankert und die Liegeflächen wurden um 220 Quadratmeter erweitert. Der Umbau des Freibades kostete mehr als zwei Millionen Franken.

Abermals vergingen Jahre, bevor das Amt für Umwelt und Gesundheit die vielseitigere Nutzung von Badeanlagen gestattet, was den Grundstein für die Barfussbar, die älteste Badibar der Stadt Zürich, legte.

Seit einem Jahr wird die Barfussbar in der Flussbadi beim Stadthausquai in Zürich vom dreiköpfigen Team Anna Müller, Glen Müller und Daniel Pfyl geführt. Nach ihrem ersten Sommer ist für die drei klar: Das Grundkonzept, also die Mischung von öffentlichen und privaten Anlässen, werden sie weiterhin beibehalten. So wird auch ab heute Samstag der Badebetrieb für Frauen tagsüber und an drei Abenden, jeweils sonntags, mittwochs und donnerstags der Barbetrieb, dann aber für jedermann und jedefrau, aufgenommen. Die restlichen Abende kann die Flussbadi für private Anlässe gemietet werden. Barfuss schlürfen die Gäste ihre Drinks abends jedoch erst ab einer Aussentemperatur von 20 Grad. Zum runden Geburtstag der Barfussbar haben sich die Betreiber etwas Besonderes einfallen lassen: Während der Zürcher Sommerferien können sich die Gäste ausnahmsweise auch am Donnerstagabend nicht nur mit Getränken, sondern auch mit einem Sprung ins Wasser erfrischen. Ansonsten ist das Baden am Abend untersagt. «An drei Montagen wird es zudem eine Überraschung geben. Mehr kann ich dazu aber noch nicht sagen», so Anna Müller, Co-Geschäftsführerin der Barfussbar.   Programm: Tanz am Sonntag, 20 bis 23 Uhr, Kultur am Mittwoch ab 20.30 Uhr, Bar am Donnerstag, ab 20 Uhr.

In dieser Bar schlürfen die Gäste ihre Drinks barfuss

Seit einem Jahr wird die Barfussbar in der Flussbadi beim Stadthausquai in Zürich vom dreiköpfigen Team Anna Müller, Glen Müller und Daniel Pfyl geführt. Nach ihrem ersten Sommer ist für die drei klar: Das Grundkonzept, also die Mischung von öffentlichen und privaten Anlässen, werden sie weiterhin beibehalten. So wird auch ab heute Samstag der Badebetrieb für Frauen tagsüber und an drei Abenden, jeweils sonntags, mittwochs und donnerstags der Barbetrieb, dann aber für jedermann und jedefrau, aufgenommen. Die restlichen Abende kann die Flussbadi für private Anlässe gemietet werden. Barfuss schlürfen die Gäste ihre Drinks abends jedoch erst ab einer Aussentemperatur von 20 Grad. Zum runden Geburtstag der Barfussbar haben sich die Betreiber etwas Besonderes einfallen lassen: Während der Zürcher Sommerferien können sich die Gäste ausnahmsweise auch am Donnerstagabend nicht nur mit Getränken, sondern auch mit einem Sprung ins Wasser erfrischen. Ansonsten ist das Baden am Abend untersagt. «An drei Montagen wird es zudem eine Überraschung geben. Mehr kann ich dazu aber noch nicht sagen», so Anna Müller, Co-Geschäftsführerin der Barfussbar.   Programm: Tanz am Sonntag, 20 bis 23 Uhr, Kultur am Mittwoch ab 20.30 Uhr, Bar am Donnerstag, ab 20 Uhr.