Das Fernsehteam von Schweiz Aktuell hat gerade den Raum verlassen. Antonio Putrino, der gerade noch vor der Kamera stand, ruft auf Italienisch in die Menge: «Wir mussten uns fürs Fernsehen kurz zusammenreissen – doch jetzt können wir feiern!» Prosecco wird verteilt, die Leute, die sich im Kreis 4 in der Casa d’Italia zur Übertragung der Parlamentswahlen eingefunden haben, prosten sich zu. Doch so richtig feiern mögen hier die wenigsten.

Die definitiven Resultate lassen noch auf sich warten, auf der Leinwand werden die neuesten Hochrechnungen eingeblendet. Besonders die Jüngeren können sich für den sich abzeichnenden Sieg von Mitte-Links nicht begeistern. «Ich glaube nicht, dass sich jetzt etwas ändert», sagt die 20-jährige Anna Fracasso.

Weg mit den «alten Parteien»

Auch für den 28-jährigen Pasquale Caroli ist der Mitte-Links-Sieg kein Grund zur Freude. Hoffnung schöpft er höchstens noch aus dem Überraschungserfolg des Movimento 5 Stelle (M5S). Dass die Protestbewegung rund 20 Prozent der Stimmen holen konnte, zeige zumindest, dass Italien auf dem richtigen Weg sei.

«Es braucht einen radikalen Wechsel des politischen Systems», ist er überzeugt. Das M5S bringe im Gegensatz zu den «alten Parteien» immerhin neue Ideen auf den Tisch.

Vito Fontana findet noch deutlichere Worte.«Die italienische Politik ist nichts als ein Puppentheater, und das seit 60 Jahren.» Dem Kameramann, der seit 15 Jahren in Zürich lebt, ist es einerlei, welche der etablierten Parteien mehr Stimmen holt. Auch er sieht höchstens im Erfolg von M5S einen Hoffnungsschimmer.

An der Wahlfeier ist auch Alessio Tacconi, der für das M5S für einen der sieben europäischen Auslanditalienersitze kandidiert. Er ist mit dem «grossartigen Resultat» seiner Partei zufrieden.  «Nun können wir zeigen, dass wir unsere Wahlversprechen einhalten können.»

Von Skepsis zu verhaltener Hoffnung

Doch Francesco Genova, Co-Präsident des Ausländerbeirats der Stadt Zürich, bleibt skeptisch. Er sagt: «Ich sehe schwarz für unser Land. Diese Wahlen zeigen, dass es zutiefst gespalten ist. In drei Teile, die nicht zusammenarbeiten können.»

Bessere Miene zum Spiel macht da Mario Capozio. Für ihn ist Mitte-Links immerhin das geringere Übel. «Solange Berlusconi nicht gewinnt, bin ich zufrieden.» Dass sich das Blatt nun wendet, glaubt aber auch er nicht. «Doch die Hoffnung stirbt zuletzt», sagt er und zwingt sich zu einem resignierten Lächeln.