In den vergangenen Tagen haben sich Hunderte die geheimnisvollen Katakomben und die herrliche Aussicht vom Dach des Sudhauses angesehen.

«Die alten Brauereigebäude haben enorm viel Charme», bemerkt Roger Bernet, der Geschäftsführer der Aqua-Spa-ResortsAG.

Und weil man hier bei einer Bohrung auf Mineralwasser gestossen ist, entstand die Idee, hier ein Thermalbad mit einem ganz speziellen Cachet einzurichten. «Wir wollen ohnehin keine 08/15-Bäder betreiben», erklärt er. Auch die bereits bestehenden Bäder in Bern gleich unterhalb der Bundesterrasse, in Schönbühl oder in Samedan seien aussergewöhnlich, ebenso die geplanten Bäder in Lostorf, Rigi Kaltbad und Locarno.

Von Feldschlösschen übernommen

Auf das Mineralwasser waren die Brauerei-Leute zufällig gestossen, als sie 1976 eigentlich ganz normales Grundwasser für das Bier suchten.

Es wurde als «Aqui» vermarktet. Nach der Schliessung der Brauerei 1997, die von Feldschlösschen übernommen worden war, wurde auch die Abfüllung des Mineralwassers eingestellt. Es gibt aber heute mitten auf dem Parkplatz eine Anlage mit vier Zapfstellen, wo man das Wasser gratis abfüllen kann.

Hotel kommt noch dazu

Bereits die Migros hegte den Plan, auf dem Hürlimann-Areal ein Erlebnis- und Thermalbad namens Aqui-Park einzurichten. Doch diese zerschlugen sich wegen der Beschränkung der Anzahl Parkplätze, im Herbst 2006 gab die Migros ihren Verzicht bekannt.

Darauf wurde die Aqua-Spa-ResortsAG mit der PSP Swiss Property handelseinig. Nach gut zweijähriger Bauzeit, während der 28 Millionen Franken investiert worden sind, ist die Wohlfühloase nun fertig. Im kommenden Frühjahr kommt dann auch noch ein von der Turicum Hotels Management betriebenes Vier-Sterne-Hotel dazu, mit Baukosten von weiteren 32 Millionen Franken.

Hektische Tage

Die letzten Tage waren etwas hektisch, wie Roger Bernet erwähnt. «Der Feinschliff stand noch an», sagt er. Und so waren denn, während Besucherinnen und Besucher bereits bei einem Rundgang durch die Räumlichkeiten ihren «Gwunder» stillen konnten, noch Handwerker damit beschäftigt, die letzten Leitungen zu legen, hier eine Verbesserung vorzunehmen und dort einen Vorhang aufzuhängen.

Und an der Réception hatten die Angestellten alle Hände voll damit zu tun, die eingehenden Reservationen entgegenzunehmen. Dass es so gut läuft, kann dem Geschäftsführer natürlich nur recht sein. «Aber wir bieten Zürich auch etwas», betont er.

Das Bad ist auf mehrere Etagen verteilt, und zu oberst auf dem Sudhaus geniesst man aus dem warmen Wasserbecken eine stupende Aussicht auf die Stadt und hinüber zum Adlisberg. Und wenn dann noch der Mond scheint …

Auf einem Rundgang erschliesst sich einem die «Philosophie», die hinter der Bäderlandschaft steht. Nach der Trinkhalle gelangt man in den Thermalbadbereich mit grossen Bottichen aus Aargauer Lärchenholz, wo auch Kinder zugelassen sind, oder in den gehobeneren Spa-Bereich, wo sich ein irisch-römisches Baderitual absolvieren lässt. «Dabei kann man glatt die Zeit vergessen», wie Bernet weiss.

Hübsche Muster

Die Tonnengewölbe wurden vom Verputz befreit, sie geben den Blick frei auf Sandsteinquader oder Backstein, man kann sich kaum vorstellen, dass diese wunderschönen Räume einst vollgestellt waren mit Blechtanks, in denen Bier lagerte.

Die im Wasser eingelassenen Leuchten bilden dank der Bewegung des Wassers hübsche Muster an Wänden und Decken. Verblüffend schliesslich die teils riesigen Lüster, welche in einem zum Festsaal umgestalteten Raum einen eigenartigen Kontrast zu den unverputzten Gewölben bilden. «Wir wollen unseren Gästen ein Fest bieten», erläutert Bernet, und unter Hinweis auf das Plätschern des Wassers fügt er schmunzelnd bei: «Das Fest ist nicht laut, aber rauschend.»

Nicht sichtbar, aber doch bemerkenswert ist, dass einzelne Teile der weit über hundertjährigen Gebäude unter Denkmalschutz stehen, unter anderem eine Treppe, der man allerdings keine Funktion mehr zuordnen konnte und die daher hinter einer Mauer verschwunden ist. Spätere Zeitgenossen werden sich wundern, wenn sie irgendwann wieder zum Vorschein kommt.